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eranstaltungen und Events sind aus Gemeinschaftsverpfle-
gung und Gastronomie nicht mehr wegzudenken. Doch was
passiert, wenn es Probleme mit den Lebensmitteln gibt?
Wer haftet wofür, und wann kann die Verantwortung wei-
tergeben werden? Die Haftungsfrage scheint etwas verwirrend. Die
Größe der Veranstaltung spielt hierbei keine Rolle, sei es eine Geburts-
tagsfeier oder eine Präsentation mit 1000 Anwesenden. Irgendjemand
tritt als Veranstalter auf und übernimmt für die Veranstaltung die Haf-
tung.
Veranstalter ist, wer eine Veranstaltung organisiert und
durchführt, egal ob Verein, Privatperson oder Firma.
We-
sentlich ist: Der Veranstalter haftet nicht nur für eigenes Fehlverhal-
ten, er haftet den Veranstaltungsteilnehmern gegenüber auch für das
Fehlverhalten von beauftragten Firmen. Doch die Produkthaftung
kann nach klarer Abmachung an den Caterer abgegeben werden. Somit
kann der Veranstalter im Falle einer Beschwerde diese an den Caterer
weitergeben, ohne selbst behelligt zu werden. In diesem Beitrag soll
nur auf das Speisen- und Getränkeangebot eingegangen werden. Die
Haftung für bauliche, technische Mängel und Brandschutzmaßnah-
men kann hier nicht behandelt werden.
Haftungsbeispiele für Unternehmer
Ein paar Fallbeispiele sollen aufzeigen, wie eng verbunden Veranstal-
terhaftung und Produkthaftung sind:
n
Der Wirt veranstaltet einen Hausball. Der Wirt tritt als Veranstalter
des Hausballes auf. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden kleine
Gerichte angeboten. Hier übernimmt der Wirt sowohl die Veran-
stalterhaftung als auch die Produkthaftung.
n
Feuerwehrjahreshauptversammlung der örtlichen Feuerwehr beim
Wirt. Nach dem Vereinsgesetz tritt der Feuerwehrkommandant als
Veranstalter auf. Er benützt die Räumlichkeiten und die technische
Einrichtung des Wirtes für die Vorträge. Der Wirt übernimmt die
Bewirtung der Feuerwehrmitglieder. Der Feuerwehrkommandant
übernimmt die Haftung für die Veranstaltung gegenüber den Ver-
einsmitgliedern, bei Gesundheitsschäden kann er die Haftung an
den Wirt über die Produkthaftung weitergeben.
n
Firmenfeier beim Wirt (Weihnachtsfeier). Die Firma bucht beim
Wirt Räume und Verpflegung. Die Firmenleitung tritt als Veran-
stalter auf. Der Wirt erstellt ein Menü oder ein Buffet. In diesem
Fall ist der Firmeninhaber oder der von ihm beauftragte Organisator
der Feier in der Veranstalterhaftung. Der Wirt haftet im Rahmen
V
der Produkthaftung für das Essen. Das unterschätzte Risiko bei Er-
krankungen bei Firmenfeiern sind die Ausfälle mehrerer Firmen-
mitarbeiter. In diesem Fall kann es für denWirt teuer werden, wenn
die Firma den Umsatzausfall von ihm verlangt.
n
Firmenveranstaltung in den Räumen der Firma. Eine Firma veran-
staltet eine Produktpräsentation und vergibt das Catering an einen
Wirt oder Caterer. Hier ist zu unterscheiden: Gibt der Gastronom
mit seinem Personal das bestellte Essen aus, oder übergibt er nur das
Essen, und firmeneigene Mitarbeiter geben das Essen aus? Im ersten
Fall haftet der Wirt mit der Produkthaftung auch für die Ausgabe
am Buffet, im zweiten Fall bis zur Übergabe an den Veranstalter.
n
Hochzeit beimWirt, Torten werden mitgebracht. Wer die Hochzeit
bucht, gilt als Veranstalter. Das Hochzeitsessen wird vom Wirt ge-
kocht, die Hochzeitstorte kommt vom Konditor, die Verwandt-
schaft bringt die Kekse und die Torten für die Jause. Die klassische
Vernetzung mehrerer Haftender. Klar ist, für das Hochzeitsessen
übernimmt der Wirt die Produkthaftung, für die Hochzeitstorte der
Konditor. Die Haftung für die privaten Torten wird der Veranstalter
übernehmen müssen.
n
Ein Reisebüro bucht für eine Busreise das Mittagessen. Das Reise-
büro ist in der Veranstalterhaftung, der Wirt in der Produkthaftung.
Generell ist es wichtig, die Verantwortung klar vor Beginn der Ver-
anstaltung zwischen Veranstalter und Caterer abzuklären. Gegen-
seitiger Verantwortungsrahmen und Haftungsabgrenzung bei Hygi-
ene- und Lebensmittelsicherheit sorgen für Klarheit darüber, wer
welche Aufgaben übernimmt und dafür geradesteht.
Wie sich Gastronomen absichern können.
Aus Wettbewerbs-
gründen verzichten viele Unternehmer auf klare Vereinbarungen.
Doch genau hier werden viele Veranstalter, aber auch Caterer immer
exakter in ihren Vorstellungen. Das könnte sich in Zukunft negativ auf
Gastronomen, die klare Vereinbarungen scheuen, auswirken. Die an-
geführten Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Reichweite der
Haftung der Gastronomie sein kann. Es gilt, Verantwortung mit allen
Beteiligten klar abzuklären, Lieferungen des Cateringunternehmens zu
überprüfen und Hygienemaßnahmen zu dokumentieren. Zusammen-
fassend gesagt: Unklare Verträge bringen langwierige Streitigkeiten.
Wie sich Caterer absichern können.
Caterer brauchen neben
den Vereinbarungen auch ein – den gesetzlichen Richtlinien entspre-
chendes – Hygieneeigenkontrollsystem. Mit diesem Hygieneeigenkon-
trollsystem kann sich der Caterer immer noch absichern, falls es im
VOR VERANSTALTUNGEN
Haftungsfragen abklären
Event- und Festival-Catering: Wer als Veranstalter gilt, inwieweit Veranstalter- und
Produkthaftung verknüpft sind und warum der Caterer Speisen lagern soll.
Bild: fotolia.com
HGV PRAXIS
6 . 2012
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