HGVPraxis 07/2019

3 kommentar Es spukt in den Geisterküchen EinneuerTrendist imAnmarsch:Ghost-Kitchen. IndenUSA werdenLagerhallengemietet, umDelivery-Kücheneinzurichten. D er Gottseibeiuns der App-basierten Start-up-Szene Travis Kalanick hat ein neues Hobby entdeckt. Der Gründer und frühere Chef des Fahrdienstleisters Uber hat das Unternehmen „CloudKitchen“ gegründet. Ziel des Unternehmens ist, in leerstehenden Lagerhallen Küchen einzurichten und den – ebenfalls App- basierten – Delivery-Markt mit Essen zu versorgen. Kalanick versteht sein Geschäft. Obwohl er bei Uber geschasst wurde, haben ihm Investoren von der Wallstreet für CloudKitchen soeben schlappe 400 Millionen Dollar in den Rachen geworfen. Ebenfalls aus dem Dunstkreis des Uber-Grün- ders stammt das Start-up „VirtualKitchen“. Es sind ehemalige Kalanick-Mitarbeiter, die zwar auf Distanz zu ihrem früheren Chef gehen, aber ein ähn- liches Geschäftsmodell betreiben. VirtualKitchen gibt es eine Spur billiger und kündigte ein Invest- ment von 15 Millionen Dollar an. Sie wollen ihre Ghost-Kitchen-Dienste lokalen Gastronomen an- bieten, für die es zu aufwendig wäre, selbst in den Delivery-Markt zu investieren. Angeblich gibt es schon erste Gastronomen, die an die Idee glauben und Essen ausliefern lassen. In Österreich ist Uber mit seinem De- livery-Ableger Uber-Eats bereits gran- dios gescheitert. Wobei das Konzept der Ghost-Kitchens auch bei uns durchaus Sinn ergeben könnte. Eine erste Art die- ser Küche gibt es schon. Der Gastronom der Dornbirner Messe teilt seine kuli- narische Infrastruktur mit einem Catering-Unternehmen. Da keineswegs das ganze Jahr hindurch Veranstaltungen stattfinden, bliebe die Küche an vielen Ta- gen ungenutzt. Warum also nicht? Aber amerikanische Verhältnisse, wo in ab- gehalfterten Lagerhallen weit ab vom Schuss Großküchen einziehen, wird es so schnell nicht geben. Da sei das Ämtertum mit allerlei Hürden, zuvorderst das Phänomen „Betriebsstättengenehmigung“, vor. Wenn dem Delivery-Markt schon so eine große Zukunft vorhergesagt wird, was heißt das dann, wenn man einen Schritt weiterdenkt? Je mehr Essen in die Haushalte, Arbeitsplätze und Unternehmen geliefert wird, desto weniger wird in Wirtshäusern, Restaurants und bei Systemern konsumiert. Sollte das so ein- treten, dann kann das eine spannende Zeit werden. Redaktion und Anzeigenabteilung der HGV PRAXIS wünschen allen Leserinnen, Lesern und Wirtschaftspartnern ein erfolgreiches 20er-Jahr. Axel Schimmel a.schimmel@hgvpraxis.at Investorenwarfen ihm soeben schlappe 400 millio- nen in den rachen. Foto © Susi Graf

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