HGVPraxis 02/2020

3 kommentar Erst geschlossen, dann nachgeschossen DasHilfspaketwirdnicht reichen:UnteranderenVoraussetzun- genbrauchtderTourismusvorallemeineneuePerspektive. W ie sehr die Vollbremsung des Tourismus und Außer-Haus-Marktes von 150 auf null das Staatsgefüge erschüttern wird, kann noch gar nicht ab- geschätzt werden. Zum Vergleich mal eine andere Zahl als die erwartbaren: Seit dem Shutdown werden im Bundesland Salzburg 20 Prozent weniger Strom ver- braucht. Wenn Lifte und Gondeln stehen, Gästebet- ten leer und Hotelpools kalt bleiben, dann begin- nen Strommanager zu schwitzen. Nun ist die alles dominierende Frage „wie geht es nach der Corona-Pandemie mit dem Tourismus wei- ter?“ Wird ein sagenhafter Boom ausbrechen, der die Leute in die Flieger treibt, um nachzuholen, was sie glauben versäumt zu haben, oder wird es zaghaft be- ginnen, mit einemTagesausflug, vielleicht mal einWo- chenende in der Südsteiermark, und weit und breit kein Auslandsgast?Monatelang volle Häuser imSom- mer sind Utopie. Es wird umWiederaufbau gehen, we- niger um Infrastruktur, vielmehr um Vertrauen, Ge- borgenheit, ungespielte Gastfreundschaft, nachhaltiges – besser noch – nachvollziehbares Han- deln. Mehrere Destinationen sprechen schon eher laut als hinter vorgehaltener Hand von Obergrenzen für Gäste. Jetzt sind die Konzepte gefragt, die qualitativ in die Tiefe gehen. Österreichs Freizeitunter- nehmer werdenwieder Eignungen und Fä- higkeiten an den Tag legenmüssen, für die sie nicht nur international so geliebt werden. Hoffentlich haben sie ihren Schmäh noch nicht verloren, sie werden ihn brauchen – nicht nur für die Gäste. Nach der staatlich verordneten Sperrstunde stehen unzählige Unternehmer vor dem Nichts. Mitarbeiter werden gekündigt, weil sogar die als unternehmer- freundlich eingestuften Bedingungen für die Kurzarbeit noch zu teuer sind. Kein Wunder bei null Euro Umsatz. Steuerstundungen ok, Übernahme von Kredithaf- tungen ebenso – was für viele Betriebe vor allem zum Tragen kommen wird, ist der Härtefond. Dieser Topf ist – vorerst – mit einer Milliarde dotiert und für Di- rektzahlungen an Einpersonen- und Kleinstbetriebe vorgesehen. Das Geld soll es in bar geben und wird je nach Umsatz ausgezahlt. Die Regierung betonte mit Nachdruck, wenn das beschlossene Hilfspaket nicht reiche, werde nachgeschos- sen. Was zwangsläufig zur wichtigsten Frage führen muss: Wie lange kann sich Österreich das leisten? Und es steht zu befürchten, dass uns das Virus länger erhalten bleibt, als die Wirtschaft das aushält oder wie der US-Präsident sagte, die Bekämpfung der Krise größeren Schaden anrichte, als die Krise selbst. Axel Schimmel a.schimmel@hgvpraxis.at nach der staatlich verordneten sperr- stunde stehen viele unternehmer vor dem nichts. Foto © Susi Graf

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