HGVPraxis 03/2020

coverstory 28 Wie stellt sich die Situation überhaupt für Siemomentan dar? Donhauser: Anspruchsvoll. Aber spannend. Wie haben sich die letzten Wochen für Sie angefühlt? Donhauser: Es sind gemischte Gefühle. Es tut persönlich gut, wenn eine weltweite Betriebsunterbrechung stattfindet. Be- triebswirtschaftlich ist es eine großeHerausforderung. Wir wa- ren vor der Krise wirtschaftlich sehr stabil. Sorgen bereitenmir künftig Halblösungen, da sie teurer sind als komplette Schlie- ßungen. Wirmüssen Betriebe hochfahren, unterliegen aber Be- schränkungen: Wir habenweiterMieten zu zahlen undwerden möglicherweise nicht einmal 50 Prozent Umsatz haben. Welche drei Dinge werden nach Corona anders sein? Donhauser: Ich glaube nicht an die rasche Verän- derungsfähigkeit desMen- schen infolge punktueller Ereignisse. Wenn wieder alles aufHochtouren läuft, wird sich die Welt von morgen nicht von der vor Corona unterscheiden. Sie wird nur noch digitaler unddaherwohl auchnoch schnelllebiger. Welche Lehren sollten wir aus der ganzen Situ- ation ziehen? Donhauser: Dass unsere gesamte Lebens- und Wirtschaftswelt sehr, sehr verletzlich ist. Eine neue Einfachheit und weniger Komplexität könnte sie stabiler machen. Was war die bisher größte Herausforde- rung in Ihrem Leben? Donhauser: Der tiefewirtschaftliche Fall im Jahr 2012: Mit dem Bahncatering sind 90 Prozent meines Geschäfts weggefallen. ImNachhineinbin ichgestärkt aus derKrise gekommenundhabe gelernt, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Das hat mir zwar in dieser Krise nichts gebracht, rückwirkend betrachtet hat esmichaber gestärkt. Ichhabe daran arbeiten müssen, um es gut wegzustecken: Es brauchte Monate. Ich habe damals nicht ein Spiel verloren, sondern eine Lebensarbeit. Ich habe viel Zeit und Geld in das Unternehmen gesteckt und plötzlich ist so viel weggebrochen. Das war eine Existenzfrage. Allerdings habe ich schnell bemerkt, dass nur das Materielle weg war, nicht die Erfahrung und das Know-how. Worauf achten Sie, wenn Sie jemandem zum ersten Mal begegnen? Donhauser: Authentizität. Wann macht Sie Ihre Arbeit glücklich? Donhauser: Wenn wir außergewöhnliche Dinge tun können. Mit welchen drei Worten würden Freunde Sie beschreiben? Donhauser: Verlässlich, empathisch, kommunikativ. Welche geniale Idee hätten Sie gerne selbst gehabt? Donhauser: Internet. Was ist Ihr verstecktes Talent? Donhauser: Gestaltungsraum lassen. Was würden Sie zu Hause für mich kochen? Donhauser: Was der Kühlschrank gerade hergibt. Gerne Bami Goreng oder Saibling (von meinem Waldviertler Züchter) mit Linsen. Wenn Sie drei historische Persönlichkei- ten zum Essen einladen könnten, welche wären das? Donhauser: Sir Karl Popper, David Bowie, Elon Musk. Ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Donhauser: Der Mythos des Sisyphos, Al- bert Camus Sie finden einen Roman über Ihr Leben. Lesen Sie weiter? Donhauser: Natürlich, ich will ja wissen, wie er aus- geht … Ohne was gehen Sie nie außer Haus? Donhauser: Ohne Ab- schiedskuss von meiner Tochter undmeiner Frau. Welche Rolle nehmen Sie in Ihrem Freundeskreis ein? Donhauser: Das müssen sie meine Freunde fragen … Eine Begegnung, die Sie nie vergessen: Donhauser: Da gibt es mittlerweile sehr viele, diemir immer in Erinnerung bleiben. Besonders stark waren für mich der Tod von geliebten Menschen und die Geburt meiner Tochter. Herr Donhauser, vielen Dank für das Gespräch. >sax< Foto © HGV PRAXIS Corona zeigt, dass unsere Lebens- und Wirtschaftswelt sehr, sehr verletzlich ist. Mein Managementteamund ich arbeiten Tag und Nacht daran, unsere Betriebe gut durch die Krise zu bringen.

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