HGVPraxis 05/2020

3 kommentar Land der verarmten Äcker Trotzderviel zitiertenRegionalität:DiebiologischeVielfaltgeht weiterdrastischzurück.UnsereNatur istmehralsbedroht. Ö sterreichs oft strapazierte Rolle als Umweltmusterland ist reiner Mythos.“ Dieses Zitat stammt aus einem Bericht der EU-Umweltagentur (EEA mit Sitz in Kopenhagen). Dieser listet weiter auf: 83 Prozent der heimischen Ökosy- steme weisen einen „mangelhaften“ bis „schlechten Zustand“ auf; 79 Prozent der bewerteten Lebensräume befinden sich in kei- nem „guten Zustand“. Von 28 untersuchten Ländern belegt Österreich nur den vorletzten Platz. Was? Und das in einem Land, das seine intakte, gesunde Natur in millionenfachen Botschaften der Touris- musindustrie anpreist. Den Grund für dieses Armutszeugnis liefert die Um- weltagentur gleichmit: Unsere Natur wird imgroßen Stil verbaut, verschmutzt und übernutzt. Intensive Land- und Forstwirtschaft verdrängen viele Tier- und Pflanzenarten. Wer offenen Auges übers Land fährt, bekommt nicht selten den Eindruck einer Monokul- tur namens Kukuruz. Die Bauern jetzt dafür verantwortlich zu machen, greift viel zu kurz. Weil die beeinflussenden Machtstränge so verlaufen, dass die Landwirte nur am ausführenden Ende sitzen. 60 Prozent des weltweit zum Ein- satz kommenden Saatguts für Nutz- pflanzen stammt von vier Firmen: Syn- genta (Schweiz), Dow DuPont (USA), Bayer Monsanto (Deutschland) und Li- magrain (Frankreich). Was auf den Äckern ausgesät wird, bestimmen also diese vier. Das nennt man Oligarchie – eine kleine Gruppe, die die Macht ausübt. Ein Tochterunternehmen der Franzosen, Hareza, forscht und züchtet in der isreali- schen Negev-Wüste an Tomaten aller Art und verkauft das Kilo Saatgut um durchschnittlich 60.000 Euro. Pro Jahr verkaufen die Israelis 160.000 Kilo Tomatensaatgut. Es handelt sich um einjährige Hybridsorten, die nach der Ernte keine Früchte mehr tragen. Die Bauern ganz aus der Verantwortung zu entlassen geht aber auch nicht. Weil es Beispiele gibt, die zeigen, dass es auch anders geht. Robert Brodnjak zum Beispiel, der den Beruf des Kochs an den Nagel gehängt hat und ein Hektar Acker imWeinviertel gepachtet hat. Umringt von unendlichen Kukuruzfeldern baut der Wiener im Jahresverlauf auf seiner Fläche bis zu 300 (!) verschiedene Sorten an – das reicht von diversen Pflücksalaten bis zum Superschmelz-Kohlrabi, der satte drei Kilo wiegt. Kein Wunder, dass die Meisterköche Wiens dem Landwirt sein Gemüse aus den Händen reißen. Und noch ein Argument: Brodnjak erwirtschaf- tet pro Jahr 230.000 Euro – mit einem Hektar, wohlgemerkt. Axel Schimmel a.schimmel@hgvpraxis.at WAs auf den Äckern dieser Erde aus- gesät wird, bestimmen genau vier Konzerne. Foto © Susi Graf

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