HGVPraxis 02/2022

kommentar Politische Lippenbekenntnisse Jederwill regionale Zutaten, dieKosten aber niemand übernehmen. Ein leidiges Bild zeichnet dabei besonders die Politik. Jede halbwegs wache Küchenleiterin, jeder Küchenchef, ist sich imKlaren, dass über kurz oder lang an der Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln kein Weg vorbeiführt. Das wurde beim 12. GV-Symposium tabulos diskutiert. Hinter vorgehaltener Hand wurde aber noch was ganz anderes zumThema: die Höhe der Verpflegssätze. Nicht zuletzt durch dieses Magazin wurde die Notwendigkeit nach höheren Tagessätzen immer wieder zumThema gemacht. Schlussendlich konnten tatsächlich höhere Sätze durchgesetzt werden. Aber zu welchem Preis? Längst sind die erreichten Steigerungen verpufft. Inflation, aber noch viel mehr exorbitante Teuerungen bei Rohstoffen haben die Budgets für höhere Wareneinsätze in Windeseile absorbiert. Gewisse Produktgruppen haben sich beimPreis verdoppelt. Lachs ist quasi von jedem Speiseplan verschwunden – zu teuer. Das Problem dabei ist: Der Politik, sprich den entscheidenden Gremien in Bundes- oder Länderregierungen, ist das schlichtweg wurscht. Traurig dabei ist, dass das ohne jeden Genierer auch so kundgetan wird – natürlich nur inoffiziell. Viele Küchen stehen im direkten Einflussbereich der Politik und bekommen unverblümt mitgeteilt, ein Anheben den Verpflegungstagsatzes hätte für sie im Moment keine Priorität. Das „imMoment“ hätten sie sich ruhig sparen können. Denn auch wenn die Weltlage nicht so dramatisch zugespitzt ist wie jetzt, rückt die GV in der Priorität nicht nach. Das ist eine leichtfertige Vernachlässigung, zumal die Verpflegung im öffentlichen Sektor in den kommenden Jahren dramatisch zunehmen wird. Alleine imSchulbereich wird sich die Verpflegung von jungen Menschen in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln. Es werden Küchen gebaut werden müssen, nimmt man das Konzept von Ganztagsschulen einigermaßen ernst. Dass diese Entwicklung auch eine einmalige Chance wäre, endlich damit zu beginnen, Kinder und Jugendliche gesund, nachhaltig und regional zu ernähren und somit den Grundstein für einen ernährungsphysiologisch gesunden bzw. ausgewogenen Ernährungsstil zu legen, das sei hier nur mal amRande erwähnt. Die ausgeschiedene Landwirtschaftsministerin war in dieser Gemengelage fast schon ein Segen. Sie legte sich unerschrocken mit den Handelsketten an und prangerte ihre Knebelverträge und Preispolitik an. Ihr Herz schlägt für die Landwirtschaft und das nimmt man ihr auch ab. Schade, dass ihre Tätigkeit keine nachhaltige Wirkung hinterlässt, wenn wir schon beim ausgelutschten Begriff „Nachhaltigkeit“ bleiben wollen. Axel Schimmel a.schimmel@hgvpraxis.at längst sind die erreichten steigerungen verpufft. © Susi Graf

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