HGVPraxis 02/2022

48 Über 20 Teilnehmer genossen die erste Präsenzveranstaltung seit Langem. Wobei das Zittern, ob die Küchenleitertagung am 7. April auch tatsächlich über die Bühne gehen könne, bis unmittelbar vor Tagungsbeginn anhielt. Immer wieder durchkreuzte das Pandemiegeschehen das Vorhaben von Zusammenkünften mehrerer Menschen, nicht nur die KüchenleiterKollegen der AGÖ. DavonkonnteGastgeber AndreasGaiggbereits einLiedsingen. Gaigg ist Küchenleiter in der Marokkanerkaserne im dritten Bezirk Wiens und verpflegt sämtliche Teilnehmer vonPolizeischulen, -ausbildungen und -schulungen. Durch diePandemie – vor alleminden vergangenen Wochen – war größtmögliche Flexibilität in der Küche der Kantine angesagt. Gaigg im Gespräch mit HGV PRAXIS: „Die Zahlen schwankten manchmal zwischen 500 und 25 Essensteilnehmer. Es war wirklich vollkommen unübersichtlich. Dazu kam noch, dass Gaigg auch die Exekutive in ganz Wien zu versorgen hatte, die für die Sondereinsätze bei Demonstrationen eingesetzt waren. Das waren im Höchstfall bis zu 5.000 Exekutivbeamte, die entweder in der Marokkanerkaserneoder externmit Essen versorgt werdenmussten. GV verlor ein Drittel des Marktvolumens Das war bereits eine gute Einleitung für den Vortrag vonHGV-PRAXIS-Chefredakteur Axel Schimmel, der in seinen Ausführungen auf die „Lehren durch Corona“ verwies. Mit über 300 Tagen Lockdown verlor die GV nicht nur einDrittel ihresMarktvolumens (600.000 Mahlzeiten von bislang 1,8 Millionen verabreichtenEssen täglich), sondern sieht sich auch einem großen Veränderungsdruck ausgesetzt. Besonders im Finanz- und Versicherungssektor wird Homeoffice in weiten Teilen bleiben und so die Essensteilnehmer dauerhaft reduzieren. Das bedeutet, dass Take-away, Lieferdienste und Abholservice in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen werden. Mit großem Interesse wurden die von Schimmel vorgetragenen Zahlen zumArbeitsmarkt aufgenommen. Von 2019 auf 2020 verlor alleine der Tourismus mehr als 50.000Mitarbeiter. Diese sind einerseits in andere Branchen gewechselt oder weiter in die Schweiz zum Arbeiten gefahren, wo die Coronabeschränkungen nicht so streng umgesetzt wurden. Andererseits sind die so wichtigen Saisonkräfte vor allemaus Balkanländern oder Südosteuropa verstärkt in ihrenHeimatländern geblieben, weil sich die Lohnniveaus jenenaus EU-Ländern bereits angeglichenhabenund somit der Vorteil des höheren Verdienstes entfällt. Dramatisch sieht auch die Lehrlingssituation aus. Von über 12.000 Tourismuslehrlingen im Jahr 2014 wurde 2021 ein traurigerMinusrekord von unter 7.000 Lehrlingen verzeichnet. Dabei hätte hier vor allem die GV eklatante Vorteile gegenüber der Gastronomie, zumal alleine schon wegen der regelmäßigen und planbaren Arbeitszeiten wesentlich attraktivere Bedingungen geboten werden können. Hier wird auf dieGVnoch viel Entwicklungsarbeit zukommen. >sax< AGÖ in Tagungssaison gestartet AGÖ-Präsident Werner Pannagl überreicht Andreas Gaigg die AGÖ-Tafel als Dank für seine Gastfreundschaft. V. l.: Andreas Gaigg (Küchenleiter Marokkanerkaserne), Axel Schimmel (HGV-PRAXIS-Chefredakteur), AGÖ-Präsident Werner Pannagl, HR Andreas Mayr (Vorstandsdirektor des Unterstützungs-Instituts der Bundespolizei) und Ferdinand Grossauer (Personalleiter im Unterstützungs-Institut).

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