Hotel&Touristik 05/2020

mein land Gemischte Sätze // Journale 4 Es war kein Urlaub S iebenWochen zu Hause. Gemeinsammit meinemMann und unseren beiden Töchtern. Ein Häuschen mit Garten, arbei- ten von zu Hause. Paradiesische Aussichtenmit Urlaubsähnlich- keit, glaubte man vielleicht noch zu Beginn. Die eine Tochter ge- rade erst an das System Schule gewöhnt und schon wieder weit weg davon. Die andere an der Kippe von Kindergartenunterhal- tung zu Vorschulinhalten. Der kleine Garten Mitte März mit großen, unüberhörbaren Früh- lingsaufgaben bewaffnet, die Haushaltsstrategie noch nicht an die Dauerbenutzung in Vollbesetzung angepasst. Das Homeoffice in Form von Lap- top und Handy folgt mir über- all hin. Sie wollen gar nicht wissen, wo ich den Computer überall schon aufgeklappt und aus welchen Gründenwieder zugeklappt habe und zu welchen Zeiten. Der eine oder andere Anrufer hat vielleicht an meiner Stimme erraten, dass ich gerade noch nicht arbeitsfähig bin – imgeistigen oder geografischen Sinne. Ich konnte mich immer wieder schnell sammeln, natürlich. Doch zumLeid- wesen der mir Schutzbefohlenen: „Mama, ist das die Oma amTe- lefon? Darf ich auch Hallo sagen?“ oder „Mama, weißt du eigent- lichwo … (nach Belieben Gegenstände einsetzen). Ich habe Tage undWochen gezählt wie Robinson Cru- soe und sein Freitag, und das schon ab Montag. Von der an- fänglichen Struktur war in Woche vier wenig übrig, den Aufruf zur Kurzarbeit hat unser Haushalt leider nicht in Anspruch genommen. Nunmuss ich gestehen, ich habe die Interviews mit Videofunk- tion in die Wirklichkeit da draußen genossen, den Gruppenanru- fen ohne Videofunktion hat auch meine Montagsfrisur standge- halten, die Arbeit hat mich gerettet. Doch die Grenzen verschwimmen, die Bastelvorlagen und Spiele verlierenGlanz und Teile, der Garten blüht und gedeiht, wo ER will, und der Haushalt lächelt milde aus jeder Ecke. Es gibt Hoffnung, es öffnet nicht nur der Tourismus seine heiß ersehnten Türen, Tische und Betten, auch die Bildungsstätten erwarten die Allgemeinheit, und beide Sektoren werden ihre Gäste mit offenen Armen empfangen. Ich werde ein Teil davon sein! Ich werde allen Urlaub zusam- menkratzen, ihn auch gerne auf Kredit nehmen oder einmal alleine einlösen, in der Stadt, amLand, im eigenen Ort! Ambesten in die- ser Reihenfolge! Denn nach den verheißungsvoll paradiesischen Zuständen daheim bin ich vor allem einmal eines: urlaubsreif! Margaretha Jurik, Chefredakteurshälfte m.jurik@manstein.at Hilfe entbürokratisieren Die freien Unternehmerverbände, darunter die Hoteliervereinigung, fordern einen 5-Säulen-Plan zur Bekämpfung der Liquiditätskrise. T rotz größter Bemühungen der Politik, große Summen als Unterstützung zu vergeben, kommen die Mittel kaum bei den Betroffenen an, weil an alten Zwängen festgehalten wird und die Abwicklung zu bürokratisch ist, argumentieren die freien Unternehmerverbände: „Unsere Bürokratie kostet Arbeits- plätze.“ Die Österreichische Hoteliervereinigung, der Handels- verband, der Gewerbeverein und der Senat der Wirtschaft schla- gen daher einen 5-Säulen-Plan für eine effizientere und effektivere Abwendung des Schadens durch Covid-19 vor. Keine Pflichtbeiträgemehr Gefordert wird die Abschaffung der WKO-Pflichtbeiträge. Ins- besondere die Kammerumlage II, die anhand bezahlter Löhne be- rechnet wird, ist den freien Unternehmerverbänden ein Dorn im Auge. Eine weitere Froderung ist, die Abwicklung der Kurzarbeit zu beschleunigen und zu entbürokratisieren. „Alle Daten zu den Einkommen und den Abgaben, die dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber infolge des Beschäftigungsverhältnisses entstehen, sind bei der Sozialversicherung lückenlos elektronisch dokumen- tiert und könnten ohne weiteren Aufwand für alle Beteiligten rasch und problemlos zur Berechnung des Kurzarbeitentgelts herangezogen werden“, so ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Verbesserungswürdig sei auch die Abwicklung der Hilfsfonds für betroffene Unternehmen. In vielen Ländern, als Beispiel wird die Schweiz genannt, klappe die Bereitstellung von Liquidität un- gleich schneller als hierzulande. Der Vorschlag lautet, die Abwick- lung über die Finanzämter durchzuführen und damit zu beschleu- nigen. Dieweiteren Forderungen sind das Vorziehen der Lohn- und Einkommenssteuer-Reform (Bundeskanzler Kurz kündigte diese bereits an) und zuletzt auch Verlustrücktrag zu ermöglichen. Un- ternehmen könnten damit bei einer Steuerschuld aus dem Jahr 2019 die jetzt entstandenen Verluste gegenrechnen. „Der Goldschatz am Meeresboden hilft gar nichts, wenn der Rettungsring nicht rasch zugeworfen wird“, findet man bei den freien Unternehmerverbänden deutliche Worte. (tosc) Foto © Sabine Klimpt, mitay20 - stock.adobe.com

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