Hotel&Touristik 06/2020

Kleemann erklärt 4 N atürlich ist unser derzeitiger Reflex ausschließlich darauf ausgerichtet, die wirtschaftlichen Folgen der Covid-Krise für unsere Unternehmen so abzulindern, dass sie schlicht und ergreifend überleben! Mit Stand 20. Mai haben, umdieses „Über- leben“ sicherzustellen, 5.439 Unternehmen um eine Haftung für Überbrückungsfinanzierungen bei ÖHT angesucht – 4.088 (75 Prozent) konnten wir bisher positiv bewilligen. Aber eines muss uns schon klar sein: Überbrückungsfinanzie- rung heißt genau das, wonach es klingt – als Überbrückung ge- dacht und als KREDIT-Finanzierung ausgestaltet. Undweiter ge- dacht: Aus der Coronakrise werden alle Unternehmen der Tourismusbranche als Verlierer herauskommen. Sie werden bei weniger Umsatz und Ertrag höhere Schulden haben – und das ist ganz sicher kein erfolgreiches Geschäftsmodell, sondernwird banktechnisch betrachtet zu einer dramatischen Verschlechte- rung des Ratings unserer Unternehmen führen. Weil wir aus den Folgen der Wirtschaftskrise 2008/09 auch gelernt haben, dass Krisen zu einer Verschärfung der Regulatorien in der Kreditwirt- schaft führen, lässt sich eins und eins zusammenzählen: Aus ei- nemschlechteren Rating der Unternehmen bei gleichzeitig stren- geren Regulatorien wird eine Kreditklemme entstehen. Diese Skepsis kommt nicht (nur) von mir, sondern wird auch von hochrangigen Bankenvertretern bestätigt. Zitiert aus einem Papier der Bundessparte Banken & Versicherungen: „… unter Berücksichtigung der kleinteiligen Struktur des Tourismus sind dabei Instrumente anzudenken, … z. B. stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen, Crowdinvesting, Einzel- oder Fondsbeteili- gungskonzepte …“. Es wird also klar erkennbar, dass die Ka- pitalaufbringung für unsere Branche nur über geförderte eigen- kapitalnahe Finanzierungsformen erfolgen wird können. Ein „ÖHT-Zukunftsfonds“ schwebt mir da vor, der risikotra- gend finanziert, dessen eingesetztes Kapital in den aufnehmen- den Unternehmen bilanzverbessernd wirkt und der damit so- wohl finanzierende als auch stabilisierende Funktion trägt. Den Fokus eines derartigen ÖHT-Zukunftsfonds sehe ich – voraus- gesetzt die Idee findet auf politischer Ebene Zustimmung – auf einer Unterstützung der familiengeführten Tourismusbetriebe, die meiner Meinung nach das Rückgrat des „Gesamtkunstwer- kes Österreichischer Tourismus“ in der Vergangenheit gebildet haben und auch in Zukunft sein werden. Die Krise ist schlimm – aber was kommt danach? 04  Kleemann erklärt: Was kommt nach der Krise? 05  News & Impressum 09  Reiner Heilmann: Sein Abschied vom Sacher 10  Hotellobby(ing): Eine Frage des Charakters 11  Journale: Marken-Relaunch der Schlosshotels 12  Analyse: Tourismusregionen unter Druck 14  Hotelporträt: Goldener Ochs Bad Ischl 17  Journale: Die kluge Preisgestaltung 18  Urlaub in Österreich: Die große Marketingoffensive 22  Interview: Nocker-Schwarzenbacher zum Restart 25  Journale: Investieren in die Weiterbildung 26  Ausgerechnet: Wiederbelebung des Tourismus 28  Travel Industry Club: Der Vorstand stellt sich vor 30  E-Mobility: Die Chancen für Betriebe 34  Hygiene: Kommunikation und Präzision 37  Journale: Eine starke Stimme für die Eventbranche  38  Konditorei Zauner: Der König der Zuckerbäcker 42  Interview: Der neue Chef der Brau Union Österreich 44  Weinkultur: Topprodukte mit Mehrwert 46  Gastronomie: Der schleppende Restart 49  Journale: Botschaft in Linz & „Genuss Rind“ 50  Marktnews inhalt 6|20 Nach bangen, unsicheren und sehr ruhigen Wochen der geschlossenen Hoteltüren konnten am 29.Mai die Beherbergungsbetriebe wieder öffnen. Doch zwischen Chance, Freude und Hoffnung stehen zahlreiche Hürden und offene Fragen – und: die nackten Zahlen. 06 coverstory 38 Foto © Hotel Stadler am Attersee, www.fotohofer.at, ÖHT Der Generaldirektor und Geschäfts- führer der ÖHT, Wolfgang Kleemann, kommt selbst aus der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. zurPerson kommentar

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