Hotel&Touristik 10/2020

Fairer Handel macht einen Unterschied zumBesseren für viele Bauern in beson- ders benachteiligten Regionen. Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, imGespräch über Coronaprobleme, das Potenzial von Reis und die Zusammenarbeit mit der Gastronomie. Autor: Thomas Schweighofer Hotel & Touristik: Herr Kirner, warumbraucht es Gastropartner für die Fairtrade-Idee? Hartwig Kirner: In der Gastronomie werden Lebensmittel zelebriert, hier ist die Crème de la Crème der Lebensmittel- verabeiter tätig. Die Konsumenten erwarten sich gute Lebens- mittel undda gehört esmeines Erachtens dazu, dass diese nicht nur gut schmecken, sondern auch die Herstellungsbedingun- gen passen. Deswegen ist die Gastronomie für uns ein wichti- ger Kanal. Wie wählen Sie die Gastropartner aus, oder ist das ein ge- meinsames Finden? Sie wählen uns aus. Die Entscheidung liegt bei den Gastro- nomen, ob sie Fairtrade-zertifizierte Rohstoffe verwenden möchten. Wir freuen uns über jede Gastronomin und jeden Gastronomen. Welche Kriterien geben Sie vor? Es gibt natürlich Regeln, somussman transparent angeben, welche Fairtrade-Produkte inwelchemUmfang eingesetztwer- den. Es gibt aber keine anderen Kriterien wie zumBeispiel die ausschließlicheVerwendung vonBioprodukten. Das ist ein an- deres Thema, das aber positiv zu bewerten ist. Das Thema Fairness hat durch Corona Aufschwung erhalten, gleichzeitig auch die Regionalität. Ist dieser Regionsfokus zum Nachteil von Fairtrade oder ein Teil der nachhaltigen Bewusst- seinsveränderung? Ich finde diesen Trend großartig. Es ist wichtig, das Lebens- mittel primär aus der Regionkommen, woman lebt. Einerseits aus Lebensmittel-Versorgungsgründen; wir haben in der Pan- demie gesehen, wie empfindlich globale Lebensmittelketten sind. Andererseits ist der saisonale Aspekt wichtig, und die Transportwege spielen eineRolle. Fairtrade ist quasi keineKon- kurrenz zu österreichischen Lebensmitteln, weil fast alles, was wir zertifizieren, nicht in Österreich wächst. Wie geht es aktuell den Fairtrade-Bauern? Nicht gut, weil viele von ihnennicht in einemLand vergleich- bar mit Österreich leben, das die Pandemie relativ gut imGriff hat. In Lateinamerika, wo die Pandemie derzeit nach wie vor vehement wütet, sind vor allem die Transportwege ein Rie- senthema. Die Bauern können auf ihrem Land arbeiten, aber die Lieferketten sind der Hemmschuh, wenn zum Beispiel die Grenzen dicht sind und der Hafen zum Verschiffen der Pro- dukte in einem anderen Land liegt. Kannman den Bedarf in Österreich bedienen? Derzeit gibt es keine Versorgungsprobleme. BeimKaffee ist die positive Seite, dass derGroßteil der Ernte in vielenLändern „Gastronomen wählen uns “ Foto © Dominik Schallauer, Peter Tuma / SEHSTERN

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