hotel&touristik essenz 01/2022

10 Gehspräche Das kleine Büro der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in exklusiver Lage in der Wiener Hofburg platzte aus allen Nähten. Der neugewählte Präsident des altehrwürdigen Vereins machte der versammelten Journalistenschaft seine Aufwartung. Auf dem Programm stand – sein Programm. Altbekannten Forderungen der mittlerweile über 1.600 Mitglieder starken Vereinigung gab der Hotelier des 4-SterneSuperior-Hotels Enzian und Mankei-Alm in Obertauern neuen Zunder, andere will er mit frischer Kraft und eigenen Ideen angehen und um die Krisenbewältigung kommt eh niemand herum. In der Medienberichterstattung blieben davon vor allem das zu diesem Zeitpunkt gerade hochköchelnde Après-Ski-Drama hängen. „Wir sind für volle Härte, auch wenn es Kollegen trifft“, sagte der 63-Jährige dazu. Das kam an. Interessenvertretung bedeutet mitunter Themen sehr zugespitzt auf den Punkt zu bringen. Und Aspekte, die in der Darstellung wenig sexy klingen – Lohnnebenkostensenkung ist so ein kommunikatives Pickelgesicht, ebenso wie der kleine, zahnlukerte Bruder Sperrstundenregelung –, immer wieder neu in die Diskussion zu nehmen. Für hotel & touristik essenz nahm sich Walter Veit Zeit, nach der ersten anstrengenden Tour vor geschärften Kameralinsen und gespitzten Stiften noch tiefer ins Detail zu gehen. Ins kalte Wasser geworfen. In etwa so ist der Startschuss seiner Hoteliers-Karriere zu etikettieren. Der gebürtige Hietzinger ist Absolvent einer HTL für Möbelbau und Innenausbau, der Berufsweg in die familiäre Tischlerei und Glaserei schien vorgezeichnet. Als junger Mann jobbte er im Betrieb und studierte nebenbei auf der WirtschaftsUni. Privat hatte er sich in die Tochter der Gastgeber der Pension Enzian in Obertauern verschaut. Die Familie Kuhn hatte Mitte der 1950er, ein paar Jahre nach dem Bau des ersten Skilifts von Obertauern, eine kleine Frühstückspension mit 15 Betten errichtet und kontinuierlich ausgebaut. Anfang der 1980er lief das Geschäft allerdings schleppend. Also fragte ihn die Freundin, ob er imWinter mithelfen wolle. „Ich dachte mir, super, in Obertauern ein bisschen Skifahren, ein bisschen mithelfen“, erzählt Veit von seiner Jugend, als Sorgen noch die Gedanken der Alten waren. Doch diese holten ihn schnell ein. In diesem ersten Winter, zwischen Weihnachten und Neujahr, verstarb der designierte Schwiegervater mit erst 58 Jahren auf der Skipiste an einemHerzinfarkt. Veit: „Da lässt du deine Freundin und die Familie nicht so einfach im Stich.“ Nach der Wintersaison wurde schnell geheiratet. Sie hatte, wie sich bald zeigte, wenig Interesse am Betrieb, „aber ich hatte mit meinen 25 Jahren, so blauäugig wie man in diesem Alter ist, schon alle Kreditverträge mitunterschrieben“, muss der heutige Erfolgshotelier über die damaligen Aussichten schmunzeln. Ein paar Jahre lang schupften sie gemeinsam den Betrieb, zwei Kinder kamen auf die Welt, der Ehe war jedoch keine Zukunft gegönnt. „Dann hab halt ich weitergemacht. Jetzt bin ich mittlerweile dreißig Jahre mit meiner Anita beisammen“, schaut der Hotelier strahlend auf seine jetzige Partnerin, die inzwischen zur Gesprächsrunde gestoßen ist. Ying und Yang seien sie, sagt sie. Beide haben ihre Stärken, die sich zusammen ergänzen. Unternehmer statt Unterlasser Aus gutem Holz geschnitzt Von Thomas Schweighofer Hotelier Walter Veit wollte im Herbst seiner Karriere kürzertreten – Fünf-Arbeitstage-Woche statt deren sieben. Da kam die Anfrage der Hoteliervereinigung, doch bitte die Führung zu übernehmen. Uns hat er erklärt, warum er da nicht nein sagen konnte. „Wir brauchen endlich einmal die Zusage für eine echte Lohnsteuerreform. Weg mit den Steuern von der Arbeit.“

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