hotel&touristik essenz 01/2022

12 Gehspräche Wie die Jungfrau zum Kind, so ist Walter Veit zum Hotel gekommen, die ÖHV-Präsidentschaft kam ebenfalls überraschend: „Nach dem Aufsichtsratsvorsitz bei der HOGAST (Anm.: neun Jahre im Aufsichtsrat) war das Thema ehrenamtliche Führungsfunktion eigentlich erledigt.“ Seine Vorgängerin Michaela Reitterer wollte ihn als Nachfolger, vor zweieinhalb Jahren bat sie ihn „bitte, mach das“. Nach kurzer Bedenkzeit und seiner Zusage kam – Corona. „Michi hat das einige schlaflose Nächte bereitet, weil sie Angst hatte, dass ich zurückziehe“, lacht der Salzburger aus Wien. Etwas der ÖHV zurückzugeben sei seine große Motivation in der neuen Funktion, „weil ich so viel von ihr mitnehmen durfte“. Denn die Vereinigung ist großes Netzwerk, Stütze und Wissensvermittler in einem. Das weiß vor allem jemand zu schätzen, der nicht auf Generationen an Erfahrungen von Gastgebern in der Familie zurückgreifen konnte. „Wenn du in einer Ehrenamtsfunktion von den Hoteliers-Kollegen ein Dankeschön bekommst und ein ‚du hast uns gut unterstützt und geholfen‘, das kann man mit Geld gar nicht aufwiegen“, freut er sich. Die Vize-Obmannschaft der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg hat er übrigens zurückgelegt. Die gute Beziehung zur Kammer und den wertschätzenden Austausch will er beibehalten. Denn (unbezahlte) Arbeit hat er in seiner neuen Funktion genug. Das Mitarbeiterthema etwa brennt der Branche heiß unter den Nägeln. „Wir brauchen endlich einmal die Zusage für eine echte Lohnsteuerreform. Weg mit den Steuern von der Arbeit“, fordert Veit mit Vehemenz: „Das muss passieren!“ DenMitarbeiternmöchte die personalintensive Branche spürbar mehr zahlen, aber bei dieser Steuerlast ist das beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, wenn 100 Euromehr dem Arbeitgeber 250 Euro kosten. Die andere Seite der Medaille sind die 400.000 Arbeitslosen imLand und trotzdemfindet sich kaum Personal. Wenn zu viele mit Erfahrung in den Tourismusbranchen beimAMS gemeldet sind, gleichzeitig in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen stehen und keinen Zwang verspüren, wieder zurück auf Vollzeitbeschäftigung zu wechseln, sei auch das Sozialsystem einmal ehrlich zu diskutieren, meint er. Gleichzeitig will Veit das Aus- undWeiterbildungsthema proaktiv anpacken. „Ich war schockiert, als ich gehört habe, dass über 30 Prozent der Lehrlinge in einem gastgewerblichen Beruf die Ausbildung abbrechen“, beklagt er die Spitzenposition von hinten. Wobei das Problem vorwiegend die kleinstrukturierte Gastronomie betrifft, in weiterer Folge damit halt auch die Hotellerie. Maßnahmen wie den Tag der offenen Hoteltür möchte „Das Thema würdevolle Ausstiegshilfen wurde bisher nie angefasst, das ist wie eine heiße Kartoffel.“

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