hotel&touristik essenz 01/2022

13 Gehspräche er jedenfalls wiederbeleben, umdie breite Palette an Berufsbildern in der diversen Hotellandschaft jungenMenschen schmackhaft zu machen – vomGreenkeeper in Golfhotels bis zu Ärzten inWellnessbetrieben. „Das ist zu befürchten, aber das wollen wir verhindern“, antwortet Veit auf die Frage, ob immer mehr Betriebe immer mehr Schließtage einführen, weil sie aufgrund der fehlenden anpackenden Hände das Angebot zurückfahren müssen. „Wenn der Halbpensions-Betrieb an einem Tag in der Woche nur mehr Frühstück anbietet, weil das Personal fehlt, ist der nächste Schritt die Fünf-Tage-Woche und irgendwann gibt es gar nichts mehr zu essen. So kann ich keinen Qualitätstourismus anbieten, dann werden rundherum die Apartments boomen und die versteckten Zweitwohnsitze. Das hat mit Wertschöpfung und Tourismus nichts mehr zu tun“, sieht Veit dunkle Wolken aufziehen. Das drohende Donnerwetter wird durch Entscheidungen der Politik gefüttert, so wie die Nichtverlängerung der fünfprozentigen Mehrwertsteuer – in dessen „Genuss“ Wintersaisonbetriebe eh nur exakt 14 Tage kamen. „Die Entscheidung ist mir ein Rätsel, vor allem, wenn man neidvoll nach Deutschland schaut, welchen Investitionsschub die Steuersenkung auf Logis dort ausgelöst hat“, trauert der Hotelier dieser vergebenen Chance nach. Wie aus demUmfeld der Regierung zu hören ist, hätte eine Hälfte des Koalitionspärchens der Steuersenkung nur imAustausch für eine deutliche Anhebung des Arbeitslosengeldes zugestimmt. Diese Rechnung geht halt nicht auf. Apropos „faktengesteuerte Sachpolitik“, dazu kann Veit eine Anekdote erzählen. Die ehemalige FinanzministerinMaria Fekter sagte ihm, auf dasThema Abschreibungsdauer angesprochen, ganz ehrlich ins Gesicht: „Veit, du hast ja recht, aber ichmuss auf die Industrie schauen. Ihr mit den Hotels könnt uns nicht davonlaufen.“ Spätestens seitdem wisse er, wie groß das Anliegen der Finanzminister ist, das wieder ins richtige Lot zu bringen: „Nämlich 0,0“. Solche Entscheidungen schaden den Betrieben langfristig, denn „die Hotelinfrastruktur beginnt zu überaltern“, weiß der Hotelier. Ein weiteres Herzensthema des ÖHV-Präsidenten sind würdevolle Ausstiegshilfen für Unternehmer, die straucheln. Manche stünden dann vor dem absoluten Nichts, weshalb ihnen derzeit nur übrig bliebe „weiterzuwurschteln“. Veit: „DasThema wurde bisher nie angefasst, das ist wie eine heiße Kartoffel.“ Für Veit kochte in den vergangenen Jahrzehnten das Geschäft. Stolz zeigt er uns, einige Tage später im tiefwinterlich verschneiten Obertauern, seinen Betrieb. Obertauern ist ein Garant für Schnee. Die Buchungslage ab der Ferienzeit war und ist gut, freut sich Hotelier Walter Veit.

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