hotel&touristik essenz 01/2022

17 Alpinhotellerie In Damüls im Bregenzerwald redet man nicht über Schnee, man hat ihn. „Da, wo die Skifahrer drüberfahren“, erklärt Hotelier Bertram Bischof, „liegt vier Meter weiter darunter die Dorfstraße. Nicht umsonst zählt Damüls zu den schneereichsten Orten der Welt. Denn bevor Frau Holle den Arlberg in winterliches Weiß hüllt, entladen die schweren Wolken ihre erste Fracht ausgiebig zwischen Fontanella, Damüls und Faschina. Es ist somit nicht wie andernorts eine Frage des Zuwenig, sondern meist eine des Zuviel. Ein Zuviel an Schönheit – noch dazu natürlicher – kann es gar nicht geben. Aber wer an diesem Punkt den Blick über die Berge schweifen lässt, der muss sich dem Alltag entrückt fühlen. Wenn er das nicht tut, ist er ein Roboter. Und dass dieser Punkt ein gastfreundliches Haus zum Zentrum hat, ist das Werk der Familie Bischof-Steinfeld. Hotelier Bertram Bischof hat mit seinem Sohn Peter und Tochter Corina sowie Schwiegersohn Max Steinfeld das vergangene Jahr dafür genutzt, das familiär geführte Hotel auf eine neue Evolutionsstufe zu führen. Zimmer fix fertig angeliefert. Letzten Sommer noch sah alles ganz anders aus. Die Hoteliersfamilie befand sich mitten in den Erneuerungsarbeiten für das „Panoramahotel Alpenstern“. Ein Schritt, der von langer Hand geplant wurde und mehr zum Inhalt hat als Kapazitätserweiterung. „Dahinter steht eine klare Philosophie von moderner, qualitätsorientierter und herzlicher Gastfreundschaft auf hohem Niveau“, erklärt Max Steinfeld, im Haus für Marketing, Front Office, Controlling und Einkauf zuständig. Die seit 1997 bestehende Kapazität von 60 Betten wurde auf besondere Weise verdoppelt. Das Dornbirner Architekturbüro Kaufmann entwarf 42 nagelneue Zimmer, die allesamt im Tal fix und fertig gebaut wurden und dann innerhalb von zwei Tagen in einer Art Baukastensystemmit dem Kran in Damüls zu einem Hotelkomplex zusammengesetzt wurden. Hotelier Bertram Bischof erinnert sich: „Wenn wir gewollt hätten, wären die Zimmer mit fertig bezogenen Betten angeliefert worden.“ Das heißt: Hangseitig wurde ein halber Komplex, der sämtliche Installationsstränge, Flure, Lifte und Wirtschaftsflächen enthält, gebaut und die Zimmer in Holzbauweise wurden davor eingefügt und angeschlossen. Alle in südlicher Ausrichtung mit wunderschönem Panoramablick auf die spektakuläre „DreiWannen-Abfahrt“. Auf fünf Etagen teilen sich drei Zimmertrakte, eine Gastronomiefläche und die Wellnessoase auf. Dem Alpenstern vorgelagert ist ein weiterer Bau, der dem Haupthaus aufgrund der natürlichen Neigung wie zu Füßen zu liegen scheint, der neun Wohneinheiten enthält: drei für die Familie und sechs, die zum Verkauf stehen und so mithelfen, das Projekt auf vernünftige Weise zu finanzieren. Zwei Welten, ein Genuss. Einen besonderen Reiz übt das Alpenstern mit seiner ausgeklügelten Gastronomie aus. Diese setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Jener Gastronomie, die für den Tagesgast gemacht wurde und bei der Schirmbar Lila Pause beginnt und weiter in ein weitläufiges Panoramarestaurant mit rund 200 Sitzplätzen samt Terrasse führt. Eine halbrunde Glasfront holt die Bergwelt direkt an den Tisch und macht den Aufenthalt in warmen Holztönen, edlen Accessoires und großzügigem Raumangebot zur wahren Freude. Völlig abgetrennt davon, weil genau die Küche dazwischenliegt, öffnet sich das Restaurant, das ausschließlich Hausgästen vorbehalten bleibt. Diese Fläche zeigt sich eine Spur intimer mit mehreren kleinen Tischen und Sitznischen. Auch hier wird clever mit der Funktionalität gespielt. Ein großes Schiebefenster zur Küche lässt sich mit einem Griff öffnen und schon ist man nicht nur Livegast beim Front-Cooking, sondern kann auch sofort eine Art Buffet mit Bedienung durch die Köche daraus machen. Hier regiert Peter Bischof und orchestriert ein Küchenteam, das von der schnellen Pizza für die Lila Pause bis zum abendlichen Fünf-GängeMenü alles zaubert, was einem das Wasser imMunde zusammenlaufen lässt. Jung und Alt ziehen an einem Strang. Wobei im Alpenstern schnell deutlich wird, wie gut Jung und Alt hier zusammenarbeiten. Seniorchef Bertram Bischof als ruhiger, wachsamer Mensch imHintergrund, der der Jugend gerne den Vortritt lässt: Bei Max und Corina Steinfeld laufen die operativen Fäden zusammen und Peter Bischof ergänzt mit seiner kulinarischen Verantwortung das Hotelangebot auf ideale Weise. So wird das Dienstleistungs-Package im Alpenstern zu einemGesamtkunstwerk, das natürlich seine Fans hat. Es weht junger, dynamischer Esprit durch die Hotel- und Restaurantflure, und das spürt man sofort. Vom Schnee war bereits die Rede. Dabei sollte man jedoch keineswegs außer Acht lassen, welchen Reiz Damüls in der warmen Jahreszeit verbreitet. Herrliche (sanfte) Wanderwege mit ausgeschilderten Blumenlehrpfaden sind nur ein Beispiel für die Vielfalt. Einen garantierten Hochgenuss erlebt aber jeder imHotel Alpenstern – und das erste Reihe fußfrei.  Erste Reihe fussfrei Gute Aussichten Von Axel Schimmel Wie die Hoteliersfamilie Bischof-Steinfeld es geschafft hat, ihr Panoramahotel Alpenstern in Damüls zum solitären Player im Bregenzerwald zu machen.

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