hotel&touristik essenz 01/2022

20 Tourismuszukunft Nach Aussage des Arbeitsmarktexperten in der Wirtschaftskammer, Christian Vanik, fehlen der Hotellerie und Gastronomie aktuell gut 2.000 Lehrlinge. Der Beobachtungszeitraum reicht von Ende 2019 (noch vor Pandemiebeginn), mit damals noch knapp 9.000 Lehrlingen in der Branche bis Ende 2021 mit knapp unter 7.000 Lehrlingen. Die Gründe hierfür sind verschiedener Natur. Zwei Faktoren überragen jedoch alle anderen. Erstens: Wer bewirbt sich schon in einer Branche, deren Betriebe wegen staatlich verordneter Lockdowns geschlossen sind und bestenfalls Bruchteile des Geschäfts mit Take-away kompensieren können? Als Untermauerung dieser These sei die Gesamtzahl der im Tourismus Beschäftigten herangezogen. 2019 belief sich die Zahl auf 289.000 und im ersten Pandemiejahr danach auf 244.000, um 45.000 weniger also. Den zweiten Faktor beschreibt der Linzer Hotel- und Gastronomieunternehmer Gerold Royda, auch Ausbildungsbeauftragter der Sparte Tourismus in der WKO, so: „Uns fehlen die Schulabbrecher, die wegen der Pandemie ,durchgetragen‘ werden und somit dem Arbeitsmarkt fehlen.“ Der Unternehmer bezieht sich damit auf die geübte Praxis der Schulen, keine „Sitzenbleiber“ mehr zu produzieren, sondern die Aufstiegshürden in die nächste Schulklasse per positiver Beurteilung außer Kraft gesetzt zu haben. Schlimme Auswirkungen auf kommende Jahre. Dieser Umstand ist aktuell noch nicht so dramatisch, könnte sich aber in den kommenden Jahren als besonders schlimm herausstellen. Christian Vanik zu hotel & touristik essenz: „Ich glaube, dass das Problem in der Zukunft größer sein wird als aktuell. Aktuell war ein Gleichgewicht – weniger Betrieb/Gäste und weniger Lehrlinge/Mitarbeiter. Das Problem beginnt erst dann, wenn die Gästezahlen wieder steigen, aber die Lehrlings-/Mitarbeiterzahl nicht im gleichen Maße.“ Die Tatsache von Hunderten von Schließtagen katapultierte den Tourismus ins arbeitsmarktpolitische Abseits. Bei den Mitarbeitern hat ein Teil in eine andere Branche gewechselt, weil man nicht von Woche zuWoche abwarten wollte, ob der Betrieb geöffnet sein darf und unter welchen Auflagen man arbeiten kann. Ein anderer Teil wurde in Kurzarbeit geparkt und könnte wieder Arbeitszeit aufstocken. Ein Lehrling, der in einer anderen Branche begonnen hat, wird primär dort seine Karriere fortsetzen wollen. Interessant ist, dass die 2.000 Jugendlichen nicht an andere Betriebe der gewerblichen Wirtschaft verloren wurden, sondern dass sie entweder überhaupt keine Lehre begonnen haben oder im nichtgewerblichen Bereich gelandet sind, also etwa bei einer Gebietskörperschaft (Bund, Land, Gemeinde). Diese Jugendlichen sind vermutlich für den Tourismus verloren, denn dieser Bereich ist eher durch administrative Tätigkeit gekennzeichnet und steht nicht im Ruf der besonderen Flexibilität oder Kundenorientierung. Ein „ausgefallener“ Jahrgang wäre vielleicht noch zu überbrücken, aber zwei Verlorene Jahre Die Lehre braucht neuen Schwung Von Axel Schimmel Die Pandemie hat den Lehrlingsmarkt leergefegt. Die Auswirkungen bekommt die Branche aber erst so richtig zu spüren, wenn sich die Gästezahlen wieder normalisieren. © CandyBox Images – stock.adobe.com

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