hotel&touristik essenz 01/2022

30 Startschüsse Milch. Das ist zwar ein Mehraufwand, wirkt aber ganz anders“, betont auch die Ernährungswissenschafterin Andrea Ficala, die Betriebe bei ihren Angeboten und Konzepten berät. Sie spricht aus, was die Gesellschaft heute großteils nicht mehr will: „Mein persönliches Grauen beim Frühstücksbuffet sind diese winzigen Kaffeesahne-Päckchen, die mich frustriert mit jeder Menge Tischabfall zurücklassen.“ Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht stehen bei den Produkten natürlich Bio, Gemüse und Obst ganz oben; auch beste Backwaren aus hochwertigen Zutaten, idealerweise aus Rohstoffen hergestellt, die kurze Wege hinter sich haben. Das Angebot an Wurst sollte etwas kleiner, dafür hochwertig sein; also zum Beispiel Beinschinken statt Salami oder Kantwurst. „Rein ernährungsphysiologisch ist wohl das lauwarme Essen das Beste.“ Mit dieser Aussage wird Ficala nur wenig Freunde finden unter Genießern des geschmackvollen Frühstücksschmauses – aber Sie hat natürlich Recht. Der Körper braucht dann weder um der Kälte noch der Hitze im Bauch entgegenzuwirken Energie. „Empfindlichen Mägen rate ich jedenfalls von der Kombination ‚sehr kalt und koffeinhaltig‘ in der Früh auf leeren Magen ab, das wäre der klassische kalte Energydrink, der als erster Morgenkick sehr beliebt ist“, warnt Ficala imGespräch mit hotel & touristik essenz. Nun, der Energieschub morgens kommt zumindest am Außer-Haus-Markt selten aus der Dose, viel öfter aus der Tasse. Ob Tee oder Kaffee ist da für jeden individuelle Geschmackssache. Bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag sind in Ordnung, weiß die Ernährungswissenschafterin: „Aber je weniger wir davon trinken, umso mehr wirkt er auch, weil wir uns an das Koffein gewöhnen.“ Kaffee ist für viele jedenfalls Pflichtprogramm für den Start in den Tag. Auch in dieser Kategorie hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan, was Vielfalt, Innovation und vor allemGüte betrifft. Die heimische Gastronomie hat gelernt, dass es nicht nur Kaffeehaus-, sondern Kaffeekultur braucht. Weil es der Gast kennt und verlangt. Das Wissen über Kaffee wächst stetig und kritische Konsumenten lassen die Gastgeber deutlich spüren, woran es mangelt. „Die Pandemie hat dazu geführt, dass Kaffeetrinken als wichtiges und vertrautes Ritual im Alltag eine noch höhere Bedeutung zukommt“, betont Marcel Löffler, Präsident des Österreichischen Kaffeeverbandes. Multiplikator des neuen Kaffeebewusstseins sind die Sozialen Medien. Löffler: „Sie spielen eine wichtige Rolle. Sie regen zur Auseinandersetzung mit dem Produkt und zu kreativen neuen Kaffeekreationen an.“ Die Kaffeetrends des Jahres sind teils bekannte Kandidaten wie Nach- „Sich Zeit zum Essen zu nehmen, ist pure Selbstfürsorge.“ Kurz gefragt Andrea Ficala Wie sieht Ihr Frühstück aus? Ich esse im Arbeitsalltag gerne Porridge aus Hirse- oder Haferflocken mit Obst und Nüssen. Im Sommer ist es eher Brot mit Hummus und ein paar aufgeschnittenen Paradeisern oder Paprika. Am Wochenende ist es nach dem Ausschlafen ein ausgiebiges Zelebrieren mit weich gekochten Eiern und frischem Gebäck. Herrlich! Was sagt die Ernährungswissenschaft zu Champagner und Sekt zum Frühstück? Ganz klar: eine Ausnahme, nicht die Regel. Warum folgen viele Menschen beim Frühstück immer dem gleichen Speiseplan? Gewohnheiten sind hervorragende Energiesparmaßnahmen unseres Gehirns. Deshalb sind wir wohl alle gewisse Gewohnheitstiere. Wir sind (in der Früh) einfach müde und greifen gerne zum Altbewährten, ohne viel denken zu müssen. Nicht jeder frühstückt gerne. Ist das ein Fehler? Ich halte sehr viel davon, zu frühstücken, denn, wenn ich es schaffe, ein gutes Frühstück zu essen, bin ich einmal bestens versorgt. Was heißt gut: ein Anteil Stärkehaltiges wie Getreideflocken oder Brot, ein Anteil Proteinhaltiges wie Joghurt oder Hummus und immer ein Teil Gemüse und/oder Obst. Es ist aber tatsächlich eine sehr individuelle Frage, ob wir unbedingt frühstücken sollten oder nicht. Wenn wir aber ohne Frühstück gut bis zum Mittagessen auskommen, ohne „hangry“ (hungry + angry) zu werden, ist es auch in Ordnung. Das Mittagessen sollte aber dann eben auch eine wertvollere Variante sein als Schnitzel mit Pommes. Das komplette Interview lesen Sie auf stammgast.online

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