hotel&touristik essenz 01/2022

36 Bierkultur Umrüstung auf erneuerbare Energien wie Photovoltaikanlagen, die es bereits in den Brauereien Villach, Puntigam, Wieselburg und Schleppe gibt. Bis 2030 werden alle Brauereistandorte CO2-neutral produzieren und bis 2040 wird auch die gesamte Wertschöpfungskette, also die Logistik, CO2neutral sein. Die Nachhaltigkeitsstrategie hat sechs Schwerpunkte. Bei welchen ist noch am meisten zu tun? Straka: Nachhaltigkeit ist ein kontinuierlicher Prozess, es gilt bei allen Schwerpunkten beständig Verbesserungen umzusetzen. Beispielsweise verzeichnen die BUÖ-Brauereien bereits internationale Spitzenwerte für geringen Wasserverbrauch im Brauprozess, aber natürlich kann man sich immer weiter verbessern. Konstruktive Partnerschaften für die Zukunft aufzubauen, kann uns in vielen Bereichen auf unserem nachhaltigen Weg unterstützen, gerade in puncto nachhaltige Beschaffung sind wir bemüht, mit Landwirten in den Regionen der Brauereien zusammenzuarbeiten, um kurze Transportwege und regionale Rohstoffe gewährleisten zu können. Sie sind ja auch respACT-OberösterreichChefin. Welche Ideen von Kollegen aus anderen Wirtschaftsbereichen sind für ein Brauereiunternehmen interessant? Straka: Die Zusammenarbeit mit den oberösterreichischen Unternehmen und Interessenspartnern ist mein wesentliches Anliegen. Oberösterreich ist ein erfolgreiches Industrieland, daher knüpfen wir hier ganz besonders bei der alternativen Energiegewinnung und Innovationen an wie zum Beispiel Entwicklung von Wasserstoff und zahlreichen Synergien in den Unternehmen. Der nächste Jahres-CSR-Tag wird voraussichtlich in Linz stattfinden, dafür habe ich mich tatkräftig eingesetzt. Die Brau Union ist seit rund 20 Jahren Teil von Heineken: Das bedeutet mehr Abhängigkeiten, aber gleichzeitig mehr Möglichkeiten, um das Unternehmen weiterzuentwickeln. Welche Bilanz ziehen sie aus dieser Zeit? Schörghofer: Grundsätzlich ist in allen Ländern ein großes Maß an Eigenständigkeit gegeben, da ja auch der Biermarkt in jedem Land anders ist, speziell in Österreich denken die Biertrinker lokal beziehungsweise regional. Für die Brau Union Österreich überwiegen klar die Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, da wir für die Umsetzung wichtiger nachhaltiger Projekte auch finanzielle Unterstützung erhalten haben. Ohne diese wäre die Grüne Brauerei Göss nicht machbar gewesen, mit der wir weltweit und im Konzern sogar eine Vorreiterrolle einnehmen. Die Grüne Brauerei Göss zählt zu den 15 wichtigsten Meilensteinen der 150-jährigen Heineken-Geschichte. Im Vorjahr wurde von Mitbewerbern der Verein „Unabhängige Privatbrauereien Österreichs“ gegründet und Vorwürfe wie unter anderem „Einheitsgeschmack“ oder „Abhängigkeit von internationalen Großkonzernen“ vorgebracht. Ärgert Sie das? Was entgegnen Sie? Schörghofer: Es ist erfreulich, dass wir in Österreich eine so vielfältige Bierlandschaft haben. Jede Brauerei hat ihre eigenen Rezepturen, jeder Braumeister seine eigene „Handschrift“ beimGeschmack. Ich nehme über den Austausch der Braumeister untereinander auch große gegenseitige Wertschätzung für die Qualität aller in Österreich gebrauten Biere wahr. Persönlich wünsche ich mir im Sinne unserer gemeinsamen Kategorie Bier diese weiter zu stärken, ummöglichst noch mehr Österreicher von den hervorragenden Bieren der österreichischen Brauer zu überzeugen. Die von mir geschätzte Zusammenarbeit im Verband der Brauereien bietet dafür auch eine gute gemeinsame Plattform. Als Brau Union sind wir mit unseren neun Brauereien und unseren Spezialitätenbrauereien regional in ganz Österreich gut aufgestellt. Dass unsere Braumeister ausgezeichnete, individuelle Biere brauen wird auch durch zahlreiche Prämierungen wie zuletzt beim European Beer Star bestätigt. Da der Biermarkt in jedem Land anders ist, braucht es ein hohes Maß an Eigenständigkeit, um auf die Marktbedürfnisse entsprechend eingehen zu können. In einer für alle gleichen steuerlichen Gesetzgebung bezahlen wir über 300 Millionen Euro Steuern in Österreich, die direkt in die österreichische Wertschöpfung fließen. Mit unseren zahlreichen Brauereien und Projekten sind wir Vorreiter und Leuchtturmbeispiel für andere Länder. Im Sinne eines wertschätzenden Umgangs sind es aber vor allem unsere in Österreich lokal und regional verankerten Mitarbeiter, die tagtäglich amMarkt und in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Konsumenten beweisen dürfen, wofür unser Unternehmen steht. Der Verband der Brauereien Österreich trommelt immer wieder für die Senkung der Biersteuer sowie generell Steuererleichterungen für Unternehmer/Brauer. Sind Sie mit an Bord bei den Gesprächen mit der Politik? Schörghofer: Als Verbandsmitglied unterstützen wir bei Gesprächenmit der Politik. Es war ein wichtiges Zeichen in die richtige Richtung, dass die Umsatzsteuer in der Gastronomie zu Beginn der Covid-19-Pandemie gesenkt wurde. Noch wichtiger wäre ein dauerhafter Zuspruch für unsere Branche und in weiterer Folge auch für die Gastronomie, denn imLändervergleich hat Österreich deutlich höhere Steuern, beispielsweise eine 2,5-mal höhere Biersteuer als in Deutschland. Als Marktführer gilt es nicht nur den Abstand zu den nächsten Mitbewerbern zu halten, sondern auszubauen und insgesamt zu wachsen. Wird das immer schwieriger, je größer man wird? Schörghofer: Am Ende entscheidet der Konsument – wir versuchen daher bestmöglich die Bedürfnisse und das Konsumverhalten der österreichischen Biertrinker zu verstehen und mit Innovationen entsprechend darauf zu reagieren. Speziell das Segment der alkoholfrei gebrauten Biere und Getränke bietet für die gesamte Kategorie noch spannende Wachstumsmöglichkeiten. Unsere jährliche Marktforschung für den Bierkulturbericht gibt dazu gute Aufschlüsse. Danke für das Gespräch.  Der aktuelle Bierkulturbericht 2021 gibt sic auf die promillefreie Spurensuche in der Geschichte des Bieres von damals bis heute. © Anton Hallmann / Sepia

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