hotel&touristik essenz 01/2022

45 Karrierewege Zwischen Miami und Wien liegen ein großer Ozean und 8.300 Kilometer, und dennoch ist schon beim herzlichen Grüß Gott klar: Am anderen Ende der virtuellen Strippe sitzt keiner, der dick aufträgt, nur, weil’s im Unternehmensinteresse – um bei den großen Tönen zu bleiben – gut klingt. Da lacht ein lebensfroher Mensch mit braungebranntem Gesicht – logisch, Miami liegt ja im Sunshine State – aus dem Laptop und freut sich, mit der alten Heimat fast so sprechen zu können, wie ihm seinerzeit im niederösterreichischen Kematen an der Ybbs der Schnabel gewachsen ist. Fast, denn 33 Jahre in den USA, wohin es Klaus Lugmaier 1988 verschlagen hat, haben charmante „Arnie-ähnliche“ Tonspuren hinterlassen. Ohne nichts ist nichts. Wie kommt nun ein Bub aus einer 2.600-Seelen-Gemeinde in die Millionenmetropole in der Biscayne Bay, um bei einer der erfolgreichsten Kreuzfahrtreedereien anzudocken und es dann dort bis in lichte Managementhöhen zu bringen? Geschenkt hat Lugmaier die Erfüllung seines Lebenstraums und den beruflichen Erfolg nicht bekommen. Oder wie er es ausdrückt: „Ohne nichts ist nichts.“ Für Klaus Lugmaier war von Anfang an klar, dass man etwas leisten muss, um das Ziel zu erreichen. Und das war schon in Kindheitstagen klar definiert: In die USA gehen und die Welt bereisen. Mit jungen 20 Jahren war es so weit. „Freunde, die bereits am Schiff gearbeitet haben, haben vom tollen Job auf hoher See nur so geschwärmt. Da siehst du die Welt und machst Karriere, so der Lockruf, und weil ich ja immer schon nach Miami wollte, habe ich mich nach der Lehre in Kitzbühel und einem kurzen Abstecher ins Hotel de Berg – damals eines der besten Hotels in der Schweiz – in den Flieger gesetzt und in Turku den Fuß erstmals auf ein NCL-Schiff gesetzt.“ Genauer auf die MS Seaward, die in den späten 1980er-Jahren mit dem allerersten À-la-Carte-Restaurant auf einem Schiff gänzlich neue Standards setzte, hier nahm Lugmaiers Karriere bei NCL als Headwaiter Fahrt auf. „Das war erstmals Fine Dining auf einemMass-Market-Ship, wie NCL überhaupt viele Innovationen auf den Markt brachte.“ Für den Buben aus Österreich, der, wie er erzählt, bis dahin außer einem Ruderboot am Schwarzsee noch nie ein Schiff gesehen hatte, war es eine gänzlich neue Welt, in die er bei NCL eintauchte und die ihm große Chancen eröffnete. „NCL hat bereits damals jungen Menschen viele Möglichkeiten geboten. Es war eine grandiose Zeit.“ Es gibt auf See eigentlich nichts mehr, was es nicht gibt. Grandios ist der Job am Wasser für Lugmaier auch heute noch, obwohl sich zwischenzeitlich vieles verändert hat. Die Kreuzfahrt hat ihr verstaubtes Image längst abgelegt, Schiffe und Produkt sind fast in den Himmel gewachsen und Kreuzfahrten zu einem lebendigen Urlaubsmuster für alle Zielgruppen, Altersklassen und Geldbörsen geworden. Dass heute ein Hochseeschiff wie seinerzeit die MS Seaward über keine Balkone, lediglich über zwei Main-Dining-Rooms mit fixen Tischzeiten, nur ein Café und eine Weinbar verfügt und Shuffleboard das gesellschaftliche Highlight im Entertainmentangebot darstellt, ist für die moderne Kreuzfahrtklientel nicht mehr vorstellbar. „Heute ist ein Kreuzfahrtschiff ein schwimmendes Hotel mit allen Finessen, das für jedermann „Der Job sollte nicht nur ein Job sein, um Geld zu verdienen und Karriere zu machen, sondern man soll Spaß dabei haben.“

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