hotel&touristik essenz 01/2022

47 Karrierewege „wir haben wirklich großartige CEOs“ – gut überstanden hat. Honiglecken war es keines, alleine nur von den von Lugmaier verantworteten Schiffen galt es zahlreiche Passagiere und die Crews sicher von Bord und nach Hause zu bringen. „Keiner wusste, wie und wann es wieder weitergehen wird.“ Restart auf „österreichisch“. Wie imHotel an Land kann man auch ein Schiff nicht einfach zusperren, auch hier muss der Hotelbetrieb auf Sparflamme weiterlaufen. Alle Schiffe blieben über 500 Tage mit reduzierter Crew von rund 150 Personen in MinimumOperation. „Das Schönste war, als wir die Mannschaften – alle geimpft – wieder an Bord holen konnten. Als die ersten Gäste – auch alle geimpft, was bei NCL von Beginn an Pflicht war – in Port Canaveral, erstmals wieder an Bord der Norwegian Escape gingen, war ich megastolz auf mein Team und die Musik hat wieder in den höchsten Tönen gespielt. Was man in Österreich besonders gut versteht, Gastfreundschaft und Hospitality from the Heart, waren sofort wieder da,“ beschreibt Lugmaier den Neustart und betont nicht ohne Stolz, dass die Ausbildung, die man in Österreich erfährt, Gold wert ist. Ehrgeiz, Ehrlichkeit und besonders der Arbeitswille – der Österreicher arbeitet, wenn es seinmuss, auch 48 Stunden, bis der Job eben ordentlich gemacht ist – zeichnen für Lugmaier die Österreicher imHospitality- und Gastronomiebereich besonders aus. „Nicht umsonst gibt es viele Top-Leute, die weltweit in Hotellerie, Gastronomie und auf Schiffen erfolgreich sind.“ Wie Klaus Lugmaier, der sich auf einWiedersehen und ein Tratscherl bei einer feinenMelange mit österreichischen Gästen auf „seinen“ Schiffen freut. Denn auch wenn er vor 33 Jahren von der alten in die neueWelt aufbrach, vergessen, wo er herkommt, wird er nie: „Ich bin stolz, Österreicher zu sein, liebe meine Heimat, auch wenn ich schon lange in Amerika lebe undMiami mein Zuhause geworden ist. Die Grundausbildung, die man in Österreich erhält, ist einfach toll. Man kann jede Schule oder Uni besuchen, die Ausbildung wirdmehr oder weniger vom Staat bezahlt. Auch Krankenversicherung, Arztbesuche, Pension und so weiter – in den USAmuss man all das selbst bezahlen. Den Österreichern geht es schon sehr gut.“ Das ist ein Job, für den man lebt und brennt. Irgendwann, wenn Klaus Lugmaier seinen Traumjob an den Nagel hängt, wird er zwischen Österreich und den USA pendeln. Ein halbes Jahr dort, ein halbes Jahr da, bis dahin ist aber noch Zeit. Also packt er weiterhin zwei Koffer – einen mit warmen und einen mit luftigen Klamotten – wird mindestens ein halbes Jahr auf den von ihm für alles, was den Hotelbereich betrifft, verantworteten fünf Schiffen unterwegs sein und zwischen Miami, der Karibik und Kanada pendeln. Eines wollen wir vom seinerzeit jüngsten Hoteldirektor bei NCL – Lugmaier war 27 Jahre – noch wissen: Ob er den Job auf See – egal in welchem Bereich – dem heutigen Nachwuchs empfehlen würde? Selbstverständlich, sagt er, weil es nämlich völlig egal ist, was man tut, wenn man liebt, was man tut. „Der Job sollte nicht nur ein Job sein, umGeld zu verdienen und Karriere zu machen, sondern man soll Spaß dabei haben. Der Job auf See ist ein super Leben mit tollen Karrieremöglichkeiten – heute mehr denn je, weil nahezu jedes Kreuzfahrtunternehmen auf Expansionskurs fährt – und ein sicherer Arbeitsplatz. Ja, man muss hart arbeiten, aber wie schon gesagt, nirgendwo bekommt man etwas geschenkt. Auch ich musste von ganz unten beginnen, was wichtig ist, um die Systeme und Abläufe eines Schiffes zu verstehen. NCL fördert und unterstützt Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, ich wurde damals auf die Cornell Universität geschickt, heute gibt es mit Onlinetrainings viel einfachere Möglichkeiten. Ich habe mein Lebensziel gefunden.“ Und so bleibt für Klaus Lugmaier nur eines: Dass die Krise bald vorbei ist, Crew, alle Gäste, Kollegen auf See und an Land gesund bleiben und man Hoffnungen und Träume nie aufgibt, weil im Leben alles möglich ist und man sowieso nur ein Schnitzel auf einmal essen kann. „Ich bin Norwegian Cruise Line sehr dankbar, denn ohne NCL wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Für mich ist NCL nicht bloß eine Firma, es ist Familie, in der alle – Ship & Shore – super zusammenarbeiten. Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe und noch lange weitermachen kann. Es macht mir einfach einen Riesenspaß, eigentlich geht’s jetzt erst richtig los …“  Zur Person Klaus Lugmaier wurde in Amstetten geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in Kematen an der Ybbs. Nach der in Kitzbühel absolvierten Lehre ging er in die Schweiz, wo er im Hotel de Berg erste Erfahrungen sammelte. 1988 begann auf der MS Seaward seine Bilderbuchkarriere bei Norwegian Cruise Line, die ihn vom Headwaiter über den jüngsten Hoteldirektor bei NCL bis zum Regional Vice President Fleet Hotel Operations führte. In dieser Funktion zeichnet Lugmaier für den Hotelbereich auf fünf von gesamt 17 NCL-Schiffen verantwortlich und wird auch die Indienststellung der neuen NCL-Schiffsklasse, der Norwegian Prima, im August dieses Jahres begleiten. Wenn er nicht zwischen der Karibik und Kanada auf See ist, lebt Lugmaier in Miami. Die Norwegian Sky vor Miami, die Stadt, die für Klaus Lugmaier Heimat geworden ist.

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