hotel&touristik essenz 01/2022

editorial © Sabine Klimpt Der Waran macht Augen Ein Land sperrt auf. Die Gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination – in guter lugnerischer Tradition „Gecko“ genannt, als ob die Dramatik der Realität dadurch weniger groß wäre – nickte weitreichende Maßnahmenlockerungen ab März ab. Unter der Diskokugel kann wieder getanzt werden, Gäste dürfen nun gut getestet einreisen, FFP2-Masken verstauben in der Lade. Österreich stellte sich mit diesem Schritt in die Reihe europäischer Staaten wie Dänemark oder Schweiz, die schon zuvor sperrangelweit öffneten. Die Warnungen aus der Wissenschaft verhallen ungehört, dass die Öffnungen zu rasch kämen und zu weit gehen. Ob wir in Österreich über den Berg und bei den Neuinfektionen auf Talfahrt sind oder nur ein Wellental durchwandern, war zumindest zum Zeitpunkt der Entscheidung nämlich unklar. Trotzdem: Es ist Zeit! Die Hospitalisierungen bleiben stabil relativ niedrig und das war ja immer die Messlatte für Maßnahmen. Vor allem das Urlaubs- und Kulturland Österreich darf aufatmen. Ein „Freudentag“ ist das, hörte man aus der Branche, mit vollem Schwung geht es in die letzten Wochen der Wintersaison rein ins Frühjahr. Die neue Hoffnung wird prickelnd zu spüren sein. Gleichzeitig heißt es wachsam bleiben, denn die Pandemie ist nicht abgesagt. Das Bedrohungsszenario ist, dass wir imHerbst wieder wie von einem Tsunami überrollt werden. Weil uns die zu niedrige Impfquote – und ich rechne aufgrund bevorstehender Wahlkämpfe oder der Vorbereitung darauf mit der Absage der Impfpflicht – auf den Kopf fallen wird. Maske rauf wo nötig, routinemäßige Händehygiene, testen lassen bei Symptomen – alles, was wir in den letzten Jahren gelernt und fleißig geübt haben, darf nicht wieder leichtfertig vergessen sein. Die Schule des Lebens ist hart, immer mehr gehen denWeg des geringstenWiderstands. Die Mitarbeiterproblematik in der Branche entwickelt sich zur Pandemie, gegen die es keine Spritze gibt. Einfache Antworten sowieso nicht. Österreich verliert nicht nur bestens ausgebildete Fachkräfte an das Ausland – in der Schweiz lächeln sie die Problemdes „Ostens“ mit Frankenbeschwerten Hosentaschen einfach weg –, sondern baut sich gerade die nächste Falle. Die Tausenden jungenMenschen, die in den vergangenen Jahren in anderen Gewerben gelandet sind oder lieber gleich weniger machen, sind wohl für die Branche verloren. Über Zukunftsfragen und interessante Karrierebeispiele haben wir in dieser Ausgabe unter anderemmit demneuen ÖHV-PräsidentenWalter Veit, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna MiklLeitner, Kreuzfahrtprofi Klaus Lugmaier, Gastronomen und Ausbildungsexperten Gerold Royda sowie den Brau-Union-Chefs Klaus Schörghofer und Gabriela Maria Straka gesprochen. Und ÖHT-Generaldirektor Wolfgang Kleemann schreibt in seiner Kolumne: „Wir haben nicht nur einen Fachkräftemangel, wir haben auch einen Unternehmermangel.“ Die Branche braucht für den Arbeitsmarkt keinen Gecko, besser wäre ein Komodowaran. Chefredakteur t.schweighofer@manstein.at, stammgast.online

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