hotel&touristik essenz 01/2022

7 Nachgefragt 100 Jahre Niederösterreich: Was wünscht sich Landesmutter Johanna Mikl-Leitner für ihr Bundesland? Wie soll sich Niederösterreich wirtschaftlich, kulturell, gesellschaftlich weiterentwickeln? Durch die Loslösung von Wien hat Niederösterreich unglaublich an Eigenständigkeit, an Profil und an Selbstbewusstsein gewonnen. Niederösterreich hat es verstanden, historische Ereignisse für seine dynamische Entwicklung zu nutzen. Ich denke hier etwa an den Fall des Eisernen Vorhanges, an den Beitritt zur europäischen Union, an die EU-Erweiterung und die Ernennung von St. Pölten zur Landeshauptstadt. In den letzten 100 Jahren hat sich Niederösterreich jedenfalls vom reinen Agrarland zusätzlich zu einemWirtschafts-, Wissenschafts- und Tourismusland entwickelt. Damit es auch in Zukunft erfolgreich weitergeht, schauen wir in diesem Jubiläumsjahr nicht nur zurück, sondern mit der Erarbeitung unserer Landesstrategie 2030 auch nach vorne. Im Miteinander aller Regierungsparteien, mit Expertinnen und Experten und der Einbeziehung aller Landsleute wird die zukünftige Ausrichtung unseres Bundeslandes gerade erarbeitet und imHerbst präsentiert. Ohne Hilfsleistungen der öffentlichen Hand hätten viele Betriebe die vergangenen beiden Jahre wirtschaftlich nicht überstanden. Wie lange können sich Bund und Länder die Hilfsleistungen noch leisten? Und was bedeutet das für künftige Budgets und Steuermaßnahmen? Auch da haben wir auf die Expertinnen und Experten gehört, die gesagt haben, in der Pandemie ist das Wichtigste zu investieren und Fördermittel bereitzustellen. Wir können speziell bei uns in Niederösterreich sagen, dass diese Strategie aufgegangen ist. Wir sind besser durch die Krise gekommen als viele andere Regionen. Wir hatten für das Jahr 2021 ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent – so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Und die niedrigste Arbeitslosenquote seit 15 Jahren. Das alles spricht dafür, dass die Förderungen geholfen haben. Wir werden auch 2022 für ganz konkrete Schwerpunkte wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Digitalisierung und das Jungunternehmertum Wirtschaftshilfen von 90 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Wir hoffen natürlich, dass sich die Investitionen lohnen und Steuern zurückfließen und streben damit so schnell wie möglich auch wieder ein Nulldefizit an. Viele Unternehmen leiden jetzt vor allem daran, dass sie keine Mitarbeiter finden. Ja, es gibt genügend Betriebe, die Arbeits- und Fachkräfte suchen und gleichzeitig Menschen, die in der Arbeitswelt nicht Fuß fassen können. Daher haben wir im Land zahlreiche Arbeitsmarktinitiativen für Jung und Alt, um noch mehr Menschen in die Arbeitswelt zu bringen. Erst kürzlich haben wir eine blau-gelbe Initiative gegen Langzeitarbeitslosigkeit – Job.ReAct – ins Leben gerufen, die 110 Langzeitarbeitslose an Firmen, Vereine et cetera vermittelt. Das Projekt wird zu 100 Prozent von der Europäischen Union finanziert und ist bereits ein Erfolg. „Ein Aushängeschild des Miteinanders“ 100 Jahre Niederösterreich Von Dagmar Lang &Thomas Schweighofer Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Exklusivinterview über ihr Niederösterreich und die Rolle im Herzen Europas, die kontroverse Impfpflicht, warum es mehr Frauen in der Politik braucht und was der Tourismus leisten muss. „Für Niederösterreich als größtes Flächenbundesland gelten eben andere Regeln als im urbanen Raum.“

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxNTI=