hotel&touristik essenz 01/2022

8 Nachgefragt Der Tourismus ist eine der hauptbetroffenen Branchen. In der Tourismusstrategie 2025 wurde die Steigerung der Qualität und der Wertschöpfung des Tourismus klar festgelegt, einige Projekte sind schon auf Schiene. Was sind für Sie die Kernpunkte, um die Wettbewerbsfähigkeit der niederösterreichischen Tourismuswirtschaft zu steigern? Jetzt startet die große Aufholjagd, um im Tourismus wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen. Strategisch gesehen wollen wir Niederösterreich nicht nur als Ausflugs-, sondern noch stärker auch als Urlaubsziel etablieren. Dafür haben gerade in den letzten zwei Jahren unsere Hotelbetriebe die Zeit genutzt, um noch stärker in die Qualität des Nächtigungstourismus zu investieren. Das Land Niederösterreich investiert auch ganz konkret in den Regionen, zuletzt wurden von der SchröcksnadelGruppe die Skigebiete Hochkar und Ötscher-Lifte/Lackenhof erworben. Welche touristische Zukunft hat Lackenhof? Das Skigebiet Lackenhof ist eines mit einer langen Geschichte und einer noch größeren Tradition. Und weil wir Niederösterreicher diesemGebiet emotional sehr verbunden sind, ist das Land mit einer Zwischenlösung eingesprungen, damit die Region die Chance hat, ein Ganzjahres-Tourismuskonzept zu entwickeln. Dazu gibt es eine Task Force, in die Unternehmen, Grundeigentümer und Investoren eingebunden sind, die einen Ideenwettbewerb gestartet hat. Bestes Beispiel, dass die Neuaufstellung gelingen kann, ist St. Corona amWechsel. Und wir hoffen, dass das auch in dieser Region gelingen wird. Ein Problemkind der vergangenen Jahre war der Semmering. Wie wollen Sie die Region „aus demDornröschenschlaf wecken“? Der Semmering ist der König der Voralpen. Ein Zentrum, das einst Weltliteraten und Philanthropen angezogen hat und auch heute noch diesen Charme des sogenannten Fin de Siècle ausstrahlt. Das inspiriert und ist die Chance, ein internationales Publikum auf den Semmering zu locken. Es ist bereits gelungen, zwei Investoren zu gewinnen, die das Kurhotel und das Südbahnhotel wieder zum Leben erwecken wollen. Wird Niederösterreich selbst investieren? Wir werden die Infrastruktur auf die Höhe der Zeit bringen und deshalb auch kräftig in die Region investieren. Außerdem ist uns der Kulturschwerpunkt immer schon ein wichtiges Anliegen gewesen, den wir seitens des Landes auch künftig fördern werden. Sie sind in Coronafragen nie so laut wie andere Landeshauptleute geworden, sind trotz enger räumlicher Nähe teils andere Wege in denMaßnahmen als Wien gegangen, warumhaben Sie so entschieden? Für Niederösterreich als größtes Flächenbundesland gelten eben andere Regeln als imurbanen Raum – sei das etwa beim Testangebot. Für uns war es immer wichtig, die Gemeinden einzubinden, damit wir so niederschwellig und nahe wie möglich zu den Menschen kommen. So haben wir es auch bei den Impfungen gemacht, da gibt es insgesamt über 600Möglichkeiten quer durch Niederösterreich, sich die Coronaschutzimpfung abzuholen – vom Impfzentrumüber Impfbusse bis hin zumniedergelassenen Bereich. Das heißt, ja, hier sind wir teils einen anderen Weg gegangen, obwohl es wichtig ist, bundeseinheitliche Vorgaben zu haben. Faktum ist, heute sind wir das Flächenbundeslandmit der höchsten Durchimpfungsrate. Glauben Sie, dass die Impfpflicht den nötigen Booster für die Impfquote bringen wird? Keiner wollte sie, aber sie ist wichtig und notwendig, weil nur die Impfung Corona zurückdrängen kann und vor schweren Erkrankungen schützt. Ich habe Verständnis für die Sorgen der Menschen, appelliere aber, sich zu informieren und impfen zu lassen. Wenn es neue Erkenntnisse oder Medikamente gibt, die eine Impfung nicht mehr notwendig machen, dann bin ich die Erste, die dafür ist, die Impfpflicht wieder aufzuheben. Bei den Straußenbauprojekten S1, S8 und Lobautunnel gehen Sie mit Michael Ludwig Hand in Hand. Wie groß sehen Sie die Chancen, dass Sie sich gegen BM Eleonore Gewessler durchsetzen? Wien und Niederösterreich sind im intensiven Austausch. Michael Ludwig und ich haben uns vorgenommen, alle rechtlichen Mittel zu nutzen, um zu einer Verkehrsentlastung zu kommen. Wir wissen, dass die Ostregion seit Jahrzehnten auf eine Entlastung wartet. Die Projekte sind unter Einhaltung aller Vorgaben bis ins letzte Detail geprüft. Auch die Evaluierung durch die grüne Stadträtin Maria Vassilakou im Jahr 2017 hat ergeben, dass dieses Verkehrskonzept zu einer Entlastung führt. Die alleinige Entscheidung der Frau Bundesminister ist ein Schlag in das Gesicht der Menschen, die hier leben. Jeder muss erkennen, dass eine moderne Infrastruktur auch weiterhin bestehen muss, denn auch E-Autos oder wasserstoffbetriebene Lkw brauchen sie. Die Bio-Erdäpfel werden im 1. Bezirk nicht mit Drohnen abgeworfen. Die Politik ist noch immer eine ziemliche Männerpartie. Ein Regionalmediumhat neulich gemeint, Sie seien in Wahrheit die Mächtigste imKreis der Landeshauptleute. Wie geht es Ihnen persönlichmit den acht Kollegen? Ich komme mit allen Kollegen gut zurecht. Natürlich würde ich mir noch mehr Damen in der Politik und in der Wirtschaft wünschen, denn Frauen bringen neue Perspektiven mit ein, fragen sich aber auch viel öfter als Männer: „Kann ich das?“ Deshalb setze ich mich für Frauenförderung ein. In

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