hotel&touristik essenz 02/2022

TEAMS-GehSPRÄCHE Your Direction to Perfection. www.miele.at/pro/benchmark Das in den Keller fallende Rating der Betriebe habe übrigens nichts mit der Qualität der Unternehmen und Unternehmer zu tun und ob die Geschäftsmodelle funktionieren oder nicht, sondernmit banktechnischen Bewertungsmechanismen. Stundungen, sinkendem Eigenkapital usw. – viele Tourismusbetriebe habenmittlerweile ein Ramsch-Rating erreicht. Die weitere Verschärfung der Kriterien wird dazu führen, dass es alternative Finanzierungsinstrumente braucht. Kleemann: „Die Banken wollen uns nichts Böses, aber sie dürfen uns auch nichts Gutes tun.“ Wir leben „noch“ in einer Welt des Nullzinses, neben der Kredit- auch auf der Einlagenseite. „Es gibt ungeheuer viele Leut, die ungeheuer viel Geld haben. Diese Leut leiden jeden Tag darunter, dass sie für ihre Geldaufbewahrung Spesen bei Banken zahlenmüssen. Die haben aber auch einen gesunden Spieltrieb und würden in ein Anlageprodukt, wo sie relativ wenig Risiko tragen, furchtbar gerne investieren“, ist der Touristiker überzeugt. Zurück in die Gegenwart. Mehr Betriebe als man glaubt prüfen derzeit, ob sie ihr Dienstleistungsangebot reduzieren – vom Volldienstleistungs- in ein Hotel Garni oder Aparthotel. Oder weniger Tage aufsperren; selbst im „Rote Wand“ wird darüber diskutiert, verrät Joschi Walch. Kommenden Winter kommt für die Mitarbeiter eine Viereinhalb-Tage-Arbeitswoche (bei vollen Stunden) und im Sommer könnten notgedrungen zwei Schließtage in der Woche das Angebot reduzieren. Die Mitarbeiterproblematik trifft selbst die Besten. „Sogar langjährige Mitarbeiter entschuldigen sich bei mir, dass sie etwas anderes machen wollen“, plaudert Walch aus demNähkästchen. „In den letzten zwei Jahren ist in der Branche viel kaputtgegangen.“ Wolfgang Kleemann kennt die Situation der Betriebe aus dem Effeff, aber er ist ebenso davon überzeugt, dass die Branche insgesamt mehr in die Mitarbeitermotivation und Bindung investieren muss. „Ihr wisst, ich habe in eine Hoteliersfamilie eingeheiratet“, erzählt er. „Meine Schwiegereltern hatten 65 Mitarbeiter und faktisch null Personalfluktuation. Einer der Puzzlesteine war, dass sie jedemMitarbeiter ein individuelles Weihnachtsgeschenk gemacht haben, das ihn emotional erwischte.“ Er selbst kannte es anders: In seinem Lehrbetrieb verköstigte man mit einem eigenen Personalbrot und einer Personalwurst in minderer Qualität. Sein Lehrherr sagte damals zu ihm: „Personal, das sind bezahlte Feinde.“ Der Tourismusweltmeister Österreich ist in Gefahr, weil das Dienstleistungspodest wankt. Walch stört sich an dem in der Öffentlichkeit vermittelten Bild der Branche. Während andere genauso drängend suchen, wird nur im Tourismus ein strukturelles Problem vorgeschoben. „Nirgendwo liest du, Tischler gibt’s keine, weil die Arbeitsbedingungen und Bezahlung schlecht sind.“ Man sei auch selbst verantwortlich an der Gestaltung des Images, ergänzt Kleemann: „Es ist heikel, aber ich sage es trotzdem: Die Hoteliervereinigung tut der Branche nichts Gutes, wenn sie permanent die Mitarbeiterprobleme aufbringt. Da wird ein Bild in die Tagespresse getragen, dass der Gast sich fürchten muss imHotel sozusagen von einemGrantscherben serviciert zu werden, der nicht einmal Deutsch kann.“ Das brancheninterne Sudern müsse ein Ende finden. „Wenn wir selbst erklären, dass der Tourismusjob Schei... ist, werden irgendwann alle davon überzeugt sein. Auch die potenziellen Mitarbeiter aus dem Ausland.“ Die 150 Millionen Gästenächtigungen im Land sind eine Geschichte der Vergangenheit, das Comeback dorthin zurück gar nicht so sehr erwünscht. Wertschöpfung ist das neue Mantra. „Ist mir ein Gast, der viel ausgibt, nicht viel lieber, als zehn Gäste die nichts ausgeben?“, stellt Kleemann, der damals als Student auf der Wirtschaftsuniversität als erster Bankwesen und Tourismus verknüpfte, eine zentrale Frage in den „Es ist ein Scheitelpunkt gekommen, an dem ich positiv steuern kann, in welche Richtung der österreichische Tourismus läuft.“ Joschi Walch

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