hotel&touristik essenz 02/2022

15 Weinwunder Dieser Generationswechsel ist auch bei den Weinkonsumenten feststellbar. Roman Horwath betont imGesprächmit hotel & touristik essenz: „Es tut sich an allen Ecken und Enden was, eine gewisse Aufbruchstimmung ist spürbar. Diesen Schwung wollen wir nutzen und auch thematischmitgestalten.“ Ein klarer Trend dabei ist: die präsumtiven Kunden bereisenmit Hingabe dieWeinbaugebiete und wollen sich auch ein Bild von denWinzern machen, deren Kreszenzen sie trinken. Diese Entwicklung sorgt in der Steiermark schon seit Jahren für volle Betten und es wundert keinenmehr, wennman imHerbst mehr Vorarlberger oder Salzburger Kennzeichen sieht als „einheimische“. Behutsame Öffnung. Wobei die Domäne Wachau jetzt nicht auf „berufsjugendlich“ macht, sondern gezielt die 25- bis 30-jährigen Genießer im Blick hat. „Wir haben keine Berührungsängste“, betont Horwath, „probieren einiges aus und wenn etwas nicht funktioniert, ist das auch kein Beinbruch.“ Es kommt immer einem geschickten Balanceakt gleich, bestehende Kunden ebenso gebührend zu pflegen und dennoch neue Klientel anzuziehen. Für den Inbegriff von Tradition als Wachauer Weinbaubetrieb muss die Domäne Wachau zwar das verlässliche Urmeter von Rieslingen und Veltlinern bleiben und dabei doch neue attraktive Facetten entwickeln. Denn mit der mitgewachsenen Kundschaft hat sich auch der Weingeschmack verändert. So verzeichnet die „Steinfeder“, die leichtgewichtige erste Qualitätsstufe der Wachau, einen Rückgang, zwar auf hohemNiveau, aber immerhin. Die Mittelgewichtslage „Federspiel“ wiederum zählt seit Jahren zumWachstumssegment. Nicht umsonst bezeichnet Roman Horwath den Grünen Veltliner Federspiel Terrassen als den „Brot- und Butterwein“ der Domäne Wachau. Das höchste Qualitätslevel der Wachau, die Smaragde, verteidigen in der Verkaufsstatistik ein anhaltend hohes Niveau, das Segment wächst leicht, wird aber vom Federspiel überflügelt. A „Fanny“ Story. 19 gemütliche Minuten mit dem Auto weiter liegt Stratzing im Kremstal nördlich von Krems. Christian Mößlinger vom gleichnamigen Weinbaubetrieb ist zu verdanken, dass die Venus vom Galgenberg für die Winzer von Stratzing und die klimapositiven Mößlinger-Weine als „Fanny“ zur Weinbotschafterin wurde. Die kleine Figurine aus grünem Serpentin wurde nämlich 1988 haarscharf an der Grenze zu Krems-Rehberg gefunden, also ließ sich Mößlinger „Fanny“ patentrechtlich schützen und bewies damit Weitblick. Denn auch die Kremser erkannten alsbald das werbewirksame Potenzial der kleinen Lady, halt um ein Eutzerl zu spät, wie Mößlinger mit keckem Lächeln erzählt. Anfangs elf, sind es aktuell sieben Winzer, die die Vereinigung der „Fanny-Winzer“ bilden und die tanzende Venus als Markenzeichen und Symbol für eine schonende Produktion auf ihren Qualitätsweinen tragen. „Fanny ist unser Herzstück, ohne sie ginge nichts“, sagt Mößlinger und so steht die aufgrund ihrer tänzerisch anmutenden Haltung nach der österreichischen Ballerina Fanny Elßler benannte 7,2 cm große Figur und ältestes Kunstwerk Österreichs bei den Mößlingers für den neuen klimapositiven Weg, den auch bereits die junge Generation mitgeht. Während für den Vater „ein Wein schlank und süffig sein muss“, kümmert sich Sohn Georg um die schwereren Reserve-Weine, und beweist dabei ein goldenes Händchen. 18 verschiedene Weine erster Güte werden auf zwölf Hektar Weinbaufläche mit viel Liebe und Sorgfalt an – und ausgebaut. Logisch, dass der Grüne Veltliner als DAC oder Weinzierlberg die Hauptsorte bildet. Aber auch der Rote Veltliner ist fixer Sortimentsbestandteil, ein Erfolgsprodukt, wie Mößlinger sagt, „mit dem ich einfach umgehen kann und ohne den ich nicht auskäme.“ Dann natürlich ein Riesling und als Verschnittpartner für die Cuvée ein Müller-Thurgau. Als neuere Sorten ergänzen ein goldprämierter Sauvignon Blanc, ein Gelber Muskateller und bei den Roten ein Blauer Zweigelt in den Ausbaustufen Klassik und Barrique das Sortiment. Ja, und dann hat sich der gelernte Winzer irgendwann auch einen Blauen Burgunder eingebildet, der zwar nicht wunschgemäß reüssierte, aber mit dem fruchtigen Beerenaroma der Burgundertraube zu Der Schauweingarten von Winzer Krems bringt das Weinerlebnis genauso begeisternd näher wie „Sandgrube 13 wein.sinn“.

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