hotel&touristik essenz 02/2022

29 Ländle-Trends Vorarlberg darf hoffen. Die Wintersaison verlief „zufriedenstellend und besser als erwartet“, wie Vorarlberg-Tourismusdirektor Christian Schützinger imGespräch mit hotel & touristik essenz betont. Man liege zwar im Rückstand von 15 bis 20 Prozent bei den Nächtigungen, die Zahlen seien jedoch durch den verspäteten Start in die Saison bedingt. Das Niveau von vor der Pandemie wird aber auch jetzt nicht erreicht. Einzig auf die Ferienzeit konnte man sich verlassen. Die buchungsstarken Monate Februar und März verliefen gut. Richtung Ostern und Sommer wird eine positive Entwicklung verzeichnet, es gibt aber noch Aufholbedarf. Die Gäste wollen unterdessen vielerorts länger bleiben. „Durch die Pandemie hat sich die Aufenthaltsdauer deutlich verlängert. Viele Gäste haben ihre Urlaube auf einen Haupturlaub reduziert“, gibt Schützinger einen Einblick in das veränderte Buchungsverhalten. „ImDurchschnitt bleiben sie fünf Tage.“ Der Trend Richtung qualitativen Urlaub verstärkt sich ebenfalls. So steigen die Reiseausgaben stärker als das Reisevolumen. „Man gönnt sich wieder etwas und gibt mehr aus“. Sorgenkind bleibt hingegen die Schweiz, mit einem Anteil von ca. 10 Prozent der zweitwichtigste Markt für Vorarlberg. Rund die Hälfte der Gäste sind im Jänner ausgefallen. Grund seien die österreichischen Coronamaßnahmen gewesen, die viele Gäste nicht mittragen wollten. Mit den Lockerungen Anfang März hat sich dies kurzfristig geändert und der Markt ist wieder deutlich angesprungen. Doch nicht nur die Pandemie beschäftigt den Vorarlberger Tourismus. Auch die Probleme von „Vor-Corona“ bleiben ein großes Thema. Der Fachkräftemangel sorgt im Tourismus für Unruhe. Die kurzfristig wechselnden Coronamaßnahmen und Quarantäneausfälle haben ihr Übriges zur unsicheren Mitarbeitersituation beigetragen und den Betrieben viel abverlangt. Hinzu kommen die Auswirkungen der Ukraine-Krise, die Gäste weiterhin kurzfristig buchen lassen. Und auch wenn sich gezeigt hat, dass Krisen wie Terror und Krieg vorwiegend regionale Auswirkungen haben, die allgemeine Unsicherheit spiegelt sich im Buchungsverhalten wider. „Viele warten ab, wie sich die Lage entwickelt. Für den Sommer bin ich aber durchaus optimistisch“, gibt Schützinger einen Ausblick für die kommende Saison. Ungebrochen ist die Investitionsbereitschaft in den Betrieben. „Viele Betriebe haben die Zeit genutzt für Renovierungen und andere Projekte.“ Gäste dürfen damit im Sommer ein modernes Ambiente auf dem neuesten Stand erwarten. Einzelne Betriebe wurden sogar mit Architekturpreisen ausgezeichnet, wie das Apartmenthaus „Tempel 74“ in Mellau mit traditioneller Bregenzerwälder Baukultur. „Zudemwird unser Freizeitangebot für Tagesausflügler immer interessanter. Bei den Buchungen unserer V-Card konnten wir in den letzten Jahren ein Plus von 30 Prozent erreichen.“ Der Trend geht dabei klar in Richtung Natur entdecken und die Region intensiv erleben. Kulinarisch Rad fahren im Bregenzerwald (auch mit E-Bikes), eine Naschrunde durch Bludenz oder eine Rundwanderung am sportlichen Ankommen und Heimkommen Tourismus auf dem Prüfstand Von Nadine Vejnoska In Vorarlberg setzt man auf Vielfalt und Diversität in der Unternehmensstruktur. Um als touristische „Manufaktur“ bestehen und erfolgreich bleiben zu können, muss man einiges um- und neu denken.

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