hotel&touristik essenz 02/2022

34 KlaRe Rede 2022 steht touristisch unter demMotto „Celebrate Life. Experience Vienna”. In der Information an die Wiener Betriebe steht, „Gemeinsammit Ihnen wollen wir unseren Gästen zeigen, dass Wien noch lebendiger, moderner und prächtiger ist als vor der Krise.“ Woran kann man das festmachen? Zum einen, wo Wien nach zwei Jahren Pandemie steht. Innovation hört nie auf. Im ersten Jahr der Pandemie gab es zwei Museen-Eröffnungen, die Albertina Modern und die Wiedereröffnung des Freud Museums. Jetzt folgen wieder neue Einrichtungen und Attraktionen wie die Heidi Horten Collection, House of Strauss im Casino Zögernitz, die World of Mozart im Steffl – sie bereichern das Gesamterlebnis. Die Tendenz am Flughafen ist positiv, und Wien ist auch die am besten mit der Bahn angebundene Stadt Europas. Wien entwickelt sich ständig weiter. Wie geht es der Wiener Kulturlandschaft? Ich würde ihren Zustand als „verwundet“ umschreiben. Man muss zurückrudern, um dahin zu kommen, wo man herkommt. Die Hilfen haben imGroßen und Ganzen gepasst, letztendlich hat man ganz gut auf die Kultur achtgegeben. Grosso modo glaube ich an einen schnellen Aufholprozess. Der einzige große globale Imagefaktor für dieses Land ist die Kultur. Es muss allen daran gelegen sein, dass sie schnell wieder auf die Beine kommt. Das große Betriebe- und Angebotssterben findet also nicht statt? In geringeremAusmaß als von uns angenommen. Unsere erste Prognose zu Beginn der Pandemie ging von zwanzig Prozent weniger Betrieben aus, jetzt sind es 16 Prozent. Es hat uns erstaunt, wie resilient die Branche ist. Weil alle Zoom-Meetings abhalten, glauben wir überspitzt gesagt an die große Digitalisierung im Land. Wie weit ist das touristische Erlebnis auf der Customer Journey digital getragen? Die Spiegelung der Customer Journey in der digitalen Welt wird bleiben. Ich sehe das positiv, das wird auch nie der Ersatz sein für eine reale Reise. Wie digital ist der WienTourismus? Wir hätten die Pandemie ohne Digitalisierung nicht überlebt. Wir haben den WienTourismus um 180 Grad gedreht zu einemUnternehmen mit digitaler Basis und analogen Ausläufern. Unsere Destination-App „ivie“ ist schon über 120.000 Mal downgeloadet worden und bekam beim webAD 2021 eine Auszeichnung als beste App Österreichs. Der Umgang mit digitalen Medien ist eine Kulturtechnik. Deshalb muss die Grundlogik digital sein, analoge Einsprengsel werden aber bleiben. Da gibt es einen Paarlauf von Destinationen, Museen, Kulturinstitutionen etc.: Du musst alles digital abbilden, das wird aber niemals der Ersatz für das Erleben vor Ort sein. Wie und wo wirbt WienTourismus heuer? Wir arbeiten gerade an einer digitalen Kampagne, die wir ab April in Europa und den USA ausspielen. Wir haben während der Pandemie gelernt, wie wir Kampagnen flexibel und auf Knopfdruck starten und stoppen können. Und wir arbeiten an einer großen Kampagne für den Frühsommer, mit der wir europaweit Impact auslösen wollen. Es geht um die europäische Stadt, alle Partner sind begeistert mit dabei. Das hat es so noch nicht gegeben. Danke für das Gespräch.  Die Wiener Kulturlandschaft „ist verwundet“, umschreibt es Norbert Kettner. Mit bekannter Stärke und neuen Attraktionen wird das Comeback gelingen. Wien Facts 5 Mio. Nächtigungen 2021 (+ 8,9 %) 305,6 Mio. Euro Netto-Umsätze aller Unterkünfte 2021. Das ist um 28 % mehr als 2020, aber um 70 % geringer als im Rekordjahr 2019. In 5*-Hotels betrug der Nettoumsatz pro Nächtigung 150,8 Euro. Im ersten Pandemiejahr waren es 116,3 Euro, und 2019 ebenfalls weniger mit 136,4 Euro. 347 Betriebe, 31.835 Zimmer, 63.363 Betten* Kultur und Sehenswürdigkeiten ist für 74 % Entscheidungsgrund für ihre Wien-Reise 68 % der Wien Gäste haben einen Hochschul-/Universitätsabschluss. Quelle: WienTourismus; * Erhebung Mai 2021

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