hotel&touristik essenz 02/2022

41 Weniger & Teurer Ziel ist und bleibt die Lieferzuverlässigkeit“, so Kröswang gegenüber hotel & touristik essenz (Stand Ende März). Die Preiserhöhungen werden genau unter die Lupe genommen und nur jene Forderungen der Industrie werden akzeptiert, die für Kröswang wirklich nachvollziehbar sind. „Trotz alledem erleben wir die stärkste Preisrallye der jüngeren Geschichte. Aktuell rechnen wir von einer durchschnittlichen Preissteigerung von 10 Prozent quer über alle Warengruppen“, rechnet der Kröswang-Eigentümer und -Geschäftsführer vor. Die Preise müssen schlussendlich für alle Teilnehmer fair genug sein, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Kühltruhen werden knapp. Bei Metro gab es Stand Ende März keine Ausfälle in der Lieferkette zu beklagen, mit Ausnahme Sonnenblumenöle. Auch dort, wo es knapper wird, können Mengen in vernünftigem Rahmen an die Gastronomiekunden weitergegeben werden. „Wichtig sind Vernunft und Weitblick, wer jetzt große Geschäfte mit Sonnenblumenöl macht, riskiert bewusst, dass die Ware missbräuchlich als Spekulationsobjekt genommen werden kann“, warnt Thomas Rudelt, Director Offer- and Supply Chain Management bei Metro. Mit Verzögerungen bei der Warenverfügbarkeit ist weiter zu rechnen, die Sanktionen für Russland zwingen dazu, alternative Routen zu nutzen. Kühltruhen zum Beispiel sind derzeit eine Mangelware, die werden nach einer Bestellung Anfang September erst jetzt angeliefert. Normal wären zehn Wochen. Ein weiteres Beispiel sind Stapler, weil wichtige Bestandteile nicht geliefert werden können. Auch aktuelle Investitionen von Metro, zum Beispiel bei einem Standortumbau, sind betroffen. Die Baufirmen wollen aufgrund der Baustoffpreise und Treibstoffkosten an der Preisgestaltung drehen. Im Bereich Energie ist Metro derzeit nicht betroffen, weil man vor zwei Jahren Verträge „zu wirklich guten Konditionen“ abschließen konnte; was 2023 wieder ganz anders ausschauen kann. Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs werden somit immer wichtiger. Preise werden steigen. Bei Eurogast bestätigt man die angespannte Lage in den Sektoren Energie, Weizen-Korn- und Ölsaat. „Die Börsennotierungen zeigen sehr steil nach oben, sollte hier keine Entspannung sichtbar werden, wird dies unweigerlich auch auf viele Endprodukte wie Futtermittel und auf die verarbeitende Lebensmittelindustrie durchschlagen“, so Geschäftsführer Peter Krug. Dazu kommt, dass die Ukraine ein großer Produzent im Bereich Hühnerfleisch und Eiprodukte ist. Eurogast handle zwar keine Hühnerprodukte aus der Ukraine, die fehlende Versorgung treibt jedoch auch hier die Preise von heimischen Produkten an. Krug befürchtet als Folge längerer Sanktionen gegenüber Russland, und falls keine Entspannung in der Ukraine eintritt, einen Versorgungsengpass wegen des Ausfalls dieser Kornkammern Europas: „Der Anbau in den Regionen beginnt in den nächsten zwei Monaten, diese sind entscheidend, ob und wie viel Ware auf den Märkten gehandelt werden kann.“ Da Eurogast mit seinen Produkten seit jeher auf den heimischen Markt fokussiert ist, erwarte man keine gravierenden Versorgungsengpässe. „Wir verhandeln auf Augenhöhe mit unseren heimischen Bauern und Lebensmittelherstellern. Daher müssen letztendlich die gestiegenen Rohstoffpreise, aber auch Energiepreise, auf die Produkte umgeschlagen werden“, weiß Krug. Bei Transgourmet wird die Warenverfügbarkeit in allen Bereichen als gut bezeichnet. „Wir müssen davon ausgehen, dass aufgrund der teilweise unterbrochenen Lieferketten und der massiven Preissteigerungen für Energie in vielen Warengruppen die Verkaufspreise steigen werden“, spricht es auch Thomas Panholzer, Geschäftsführer Transgourmet Österreich, klar aus . Die Volatilität der Märkte und die aktuelle Dynamik würden es jedoch erschweren, allgemein gültige Aussagen zu konkreten Preissteigerungen zu machen. „Fakt ist, dass diese Preisanpassungen zeitnah umgesetzt werden müssen.“ Belastende Folgen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es durch eine Vielzahl marktbeeinflussender Veränderungen zu gegebenenfalls sprunghaften Preissteigerungen bei einzelnen Produktgruppen kommen kann“, bestätigt auch Lorenz Wedl, Mitglied der Geschäftsführung beimHandelshaus Wedl. „Im Speziellen gilt dies für Speiseöle und deren Folgeprodukte (wie beispielsweise Mayonnaise) sowie Weizenerzeugnisse aller Art.“ Aber auch am internationalen Fisch- bzw. Fleischmarkt herrsche derzeit eine angespannte Situation. „Im Sinne einer gesteigerten Planbarkeit und ausreichender Vorlaufzeiten für alle Beteiligten empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden aus Gastronomie und Hotellerie eine möglichst frühzeitige Durchführung ihrer Bestellungen und Aufträge.“ Die in die Höhe schnellenden Energiekosten sowie die politischen Ereignisse werden sich also massiv auf die Preise, aber auch auf die Liefer- und Versorgungsketten auswirken, betont Wedl. Als Großhändler ist man natürlich bemüht, Auswirkungen bestmöglich abzufedern. Bei Wedl umfasst das zum Beispiel die Suche nach alternativen Lieferpartnern und Substitutionsprodukten für Weizenerzeugnisse. Wedl: „Gemeinsammit unseren Partnern und Lieferanten gelingt es uns so, die jederzeitige Versorgung unserer Kunden auf gewohnt professionellemNiveau sicherzustellen.“  Die globalisierte Welt ist fragiler, als man glauben wollte. © rangizzz – stock.adobe.com

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