hotel&touristik essenz 02/2022

47 Weltwunder Na Du traust Dich was? In ein Land zu fahren, in demMenschenrechte ignoriert und Frauen unterdrückt werden, Alkohol tabu und die Todesstrafe „en vogue“ ist und man sich von oben bis unten verhüllen muss. Derartiges und noch mehr bekam ich von manch tolerantem Freund wie auch stets up-to-date informierten Kollegen – zumindest glauben sie’s immer zu sein - als erste Reaktion zu meiner Reise nach SaudiArabien zu hören. Weil, was für ein Affront der demokratischen, freiheitsliebenden und friedvollen Welt – man suche den Fehler – und vor allem der Frau gegenüber, in solche Länder darf man einfach nicht reisen. Das sollte doch gerade ich als „alter Hase in der Reisebranche“ eigentlich wissen. Denn nur, weil Frauen in Saudi-Arabien seit ein paar Jahren Autofahren dürfen, so der allgemeine Tenor, hängen sie dennoch am Rockzipfel der stolzen arabischen Männerwelt und haben nichts zu sagen, vom Rest ganz zu schweigen. Die Freiheit der Frau inklusive. Zugegeben, auch ich stand demWüstenstaat nicht ganz vorurteilsfrei gegenüber, aber, und das war’s letztlich, was ich meinen „besorgten“ Moralisten antwortete: Ich weiß, dass ich nichts weiß und Vorurteile kann man nur abbauen, indemman sich vomGegenteil überzeugt. Und eben das habe ich getan und durfte auf Einladung von FTI Touristik und der Saudi Tourism Authority ein Land kennenlernen, das, wenn man so will, gerade von der Steinzeit temporeich in der Neuzeit ankommt und einen gewaltigen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Reform- und Modernisierungsprozess – die Freiheit der Frau inklusive – absolviert. Frau sein, nur so viel noch zu diesemThema, hat mit dem gängigen Bild der unterdrückten und rechtlosen Frau nicht mehr viel gemein. Und auch wenn man noch lange nicht am Ende des Weges angelangt ist, hat sich doch schon sehr viel spür- und sichtbar zum Besseren verändert. Ja, die Abaya und das Kopftuch prägen nach wie vor das Bild, getragen wird das lange Überkleid ob mit oder ohne Niqab jedoch individuell. Denn eine Tragepflicht und Kleidervorschriften gibt es ebenso wenig wie eine Sittenpolizei und so treffen in den Straßen von Riad, Jeddah oder Al Ula traditionelle auf westliche Modestile. Frauen genießen Reisefreiheit und dürfen ohne Mann an der Seite in Hotels absteigen und auch immer öfter das tun, was Männer immer schon getan haben: Sie schmauchen nach Lust und Laune öffentlich Zigaretten oder Shisha. Frauen sind in Saudi-Arabien also ein fixer Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens und stehen für den Wandel. Sie drängen immer mehr in Managementpositionen, vor allem im Tourismus, wo sie vom CEO bis zu DMCs, Hotels und Tour Guides, als Barista, Uber Driver oder Chefkoch in feinen Restaurants bereits in allen Bereichen etabliert sind. „Wir haben unser Land nie so dargestellt, wie es wirklich ist. Das ist kein Fehler der Medien, sondern unser eigener“, betont Abdullah Bin Azzam Al Dakhil, Spokesperson Saudi Tourism Authority. Und so rückt jetzt die junge Generation – mit 77 Prozent der Bevölkerung unter 35 Jahren und dem Weihrauch, Kaffee & Kardamom Von Brigitte Charwat Mehr als 7.000 Jahre hochstehende Kultur und Menschen, denen Gastfreundschaft im Blut liegt, präsentieren sich vor einer fantastischen Berg- und Wüstenkulisse, am Roten Meer und in pulsierenden Metropolen und nehmen den Besucher auf eine Reise in ein besonderes Land mit. Saudi-Arabien macht sich gerade auf den Weg in eine neue Ära, in der für starre Strukturen und alte Vorurteile kein Platz mehr ist. GemeinsamGahwa zu trinken ist Ausdruck höchster Gastfreundschaft. Noura AlSadoun (M.) lädt im Rahmen einer Saudi Home Experience ins Haus ihres Vaters (r.), der stolz vom neuen Saudi-Arabien mit Rechten für die Frau erzählt.

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