hotel&touristik essenz 02/2022

editorial © Sabine Klimpt Eine blöde Fortsetzung der Politik … Der größte Feind des Menschen ist der Mensch. Ich habe nachgeforscht: Seit dem Jahrtausendwechsel gab (und gibt) es weltweit 31 Kriege – Nebenkonflikte und lokale Brutalitäten beiseitegelassen. Trotz des hohen Blutzolls leben wir in der friedlichsten aller Zeiten – das behauptet zumindest der amerikanische Star-Psychologe Steven Pinker. Der ist bekannt für gut zu verkaufende Sager und ist ein „Freund steilerThesen“, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal umschrieb. Er rechnet vor, dass es imMittelalter 30Mal wahrscheinlicher war, umgebracht zu werden als im 21. Jahrhundert. Vielleicht trügt der persönliche und gegenteilige Eindruck, weil Gewalt und Krieg noch nie so bildgewaltig vor aller Augen abliefen wie gerade jetzt. Ein Zwölfjähriger hat auf seinem Smartphone eine reale Bluttat früher gesehen als ein Pornovideo. Das will etwas heißen – und beides nichts Gutes. Statistiken bilden nie die individuellen Tragödien ab. Die junge Afghanin unter dembrutalen Talibanregime, die keine Schule besuchen darf und der die eigenbestimmte Zukunft genommen wird, hat von der Friedensstatistik genauso wenig wie der Flüchtling aus Syrien, dem für die Überfahrt übers Mittelmeer das sprichwörtlich letzte Hemd ausgezogen wurde, wenn er sie denn überlebt. Die Beispiele sindmannigfaltig, jedes einzelne ist eine Schande. Ein Verbrechen ist der Angriffskrieg auf die Ukraine. Verwurzelt ist dieser auf demMisthaufen des Wladimir Putin und leider mit hochgezogen von zu vielen seiner Untertanen, gedüngt imWirbel der Propaganda. Der Medienkrieg zwischen denMächten wird schon lange geführt. Propaganda, ja, die gibt es auch bei uns, aber Journalisten sind hier nicht zu reinenMikrofonständern degradiert. Die von der Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ erstellte Rangliste der Pressefreiheit gibt eine gute Ahnung davon, wemmanmehr glauben darf. Freiheit undWerte der liberalen Gesellschaft sind keine Selbstverständlichkeit, sondern deren Verteidigung bedarf permanenter Anstrengungen. Darin sind wir uns hoffentlich irgendwann alle einig: In Anlehnung an den preußischen Militärwissenschaftler Carl von Clausewitz müsste es endlich heißen „Der Krieg ist eine blöde Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln!“ Frieden für die Ukraine! Und für Jemen, Syrien, Äthiopien, die Rohingya, Uiguren, Palästinenser und Israeli … Niemals vergleichbar, aber auch keine banale Zahl, versteckt in einer bunten Balkengrafik, sind für uns die Folgen der immensen Energiekosten, der Warennot, der auslaufenden Corona-Hilfsmaßnahmen und vor allemdes Klimawandels. Dazu kommt, dass ein konkretes Regelwerk, was zu tun ist, wenn imHerbst ein OmikronVerwandter düster lächelnd an die Türe klopft, nur ein frommer Wunsch bleiben wird. Was trotzdem zumOptimismus berechtigt, wenn wir denn das Richtige tun, erklären in dieser Ausgabe Persönlichkeiten mit Köpfchen – zumBeispiel in der Coverstory ab Seite 6 Joschi Walch undWolfgang Kleemann. Viel Lesespaß wünscht Ihr Thomas Schweighofer. Chefredakteur t.schweighofer@manstein.at, stammgast.online

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