hotel&touristik essenz 02/2022

50 schlussworte n.vejnoska@manstein.at traveller-online.at „Ein Rezept schützen lassen zu wollen, hat bisher selten funktioniert.“ Nadine Vejnoska, Redakteurin hotel & touristik essenz Wenn’s schmeckt Kann ein Rezept „geistiges Eigentum“ sein und was passiert, wenn tatsächlich originelle Rezepte frech kopiert werden? Die Antwort: nichts. Denn ein Copyright für Rezepte gibt es (aktuell) nicht und das ist gut so. Die Debatte, ob Rezepte ähnlich schützenswert sind wie beispielsweise ein Song oder ein Buch, ist eine interessante und im Hintergrund des Kochbuchplagiats der Jungköchin Elizabeth Haigh eine gar nicht so unwesentliche. Diese hatte dreist Rezepte aus einem älteren Kochbuch von Sharon Wee manchmal bis aufs Wort genau übernommen. In diesem Fall ließ sich das Plagiat allerdings nur anhand der abgeschriebenen Anekdoten nachweisen. Der Verlag nahm das Buch vom Markt, aber nicht, weil die Rezepte kopiert waren. Das ist wohl nichts Neues, denn Rezepte wurden schon immer von Generation zu Generation weitergegeben – und heutzutage passiert das eben auf globaler Ebene im Internet. Brisant wird die Sache erst, wenn auf ein Gericht ein Monopol erhoben wird, um daraus Profit zu schlagen. Aber kann und soll man Rezepte deshalb nun schützen lassen können wie ein literarisches Werk? Bekanntestes Beispiel ist wohl die Sachertorte. Deren 200 Jahre altes Rezept hat es dank des Erfinders Franz Sacher schon lange zu Weltruhm gebracht. Allerdings in vielen Varianten und mit teils stark abgewandelten Zutaten. Damit ist die Sachertorte mittlerweile zum ‚Gattungsbegriff‘ in der Konditorei geworden und darf – wie viele oft fälschlicherweise nicht glauben – auch rechtens so genannt werden. Das Original, die Sachertorte des Hotels Sacher, behält sich nur durch den geschützten Zusatz „Original“ dieses Recht vor. Die juristischen Streitigkeiten über die Verwendung des Namens „Sachertorte“ datieren nämlich schon zurück ins Jahr 1963 und endeten stets in einer Niederlage für Sacher. Einziger Ausweg schien, sich erfolgreich als die „echte“ Sachertorte zu etablieren und auf die charmante Entstehungsgeschichte rückzuverweisen. Geschadet haben die „anderen“ Sachertorten dem Unternehmen jedenfalls nicht. Der unverkennbare Name wurde im Gegenteil in die Welt hinausgetragen und bleibt doch eng mit der Stadt Wien verbunden. Ein Rezept schützen lassen zu wollen, hat also bisher selten funktioniert. Neuester „Auswuchs“ dieser Intention ist es, alles unter die Strafe der kulturellen Aneignung zu stellen. So beanspruchen ganze Kulturen ein Rezept für sich und gehen sprichwörtlich auf kulinarische Hexenjagd. Dass dabei ein Hummus mit Schokolade nicht mehr als solcher verkauft werden darf, sondern als „Aufstrich mit Kichererbsen“ (und Schokolade), sind nur einige wenige der abstrusen Begebenheiten, die sich im Problemkreis der kulturellen Ordnungshüter auftun. Rechtlich ist da wenig geregelt und das „Verbot“ ergibt sich eher aus der Angst vor Shitstorms. Die Freiheit für das Entwickeln neuer Kreationen wird damit schon arg eingeschränkt. Sollte es dann tatsächlich noch möglich sein, ein Rezept juristisch schützen zu lassen, ist das wohl der Todesstoß für die heutige globale Fusionsküche. Und wenn nun ein Rezept kopiert wird, dann ist das wohl Beweis genug, dass es schmeckt. Ich selbst würde mich geehrt fühlen, wenn es meine eigenen kreativen „Leistungen“ einmal um die Welt schaffen. Meine „berühmten“ Pesto-Spaghetti mit geschmolzenen Tomaten werden dafür wohl nicht reichen … Jung gedacht © Sabine Klimpt

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