hotel&touristik essenz 02/2022

8 TEAMS-GehSPRÄCHE nach Stockholm ins ‚Frantzén‘“, macht er uns nasse Augen. „Ich muss ja Erfahrungen sammeln“, so der Vorarlberger Genussmensch. Er will aufs Radar der internationalen FoodTravel-Organisationen. „Mir wurde gesagt, Joschi, mach mit, wenn sie dich einmal kennengelernt haben, wollen sie zu dir.“ Wolfgang Kleemann, gelernter Koch und Kellner, leckt sich bei den genannten Restaurants die Lippen. „Joschi, nimmst mich auch mit? Ich suche eine neue Herausforderung“, lacht er, der Ende März der ÖHT, die er prägte wie kein anderer, pensionsbedingt Ade winkte. Eine Anekdote zumThema hat Kleemann gleich einmal im Köcher: Zur Hochzeit des Heinz Hanner traf er einmal in dessen Lokal einige Pariser, die mit dem Privatjet extra nach Wien gedüst waren, um dort und am nächsten Tag bei Heinz Reitbauer zu speisen. Dort traf man sich zufällig wieder. „Oh, machst du och öhne Tour?“, fragten ihn die französischen Foodies. Gastronomie und Tourismus, das passt und gehört zusammen. Die „Rote Wand“ ist so ein Schmelztigel des guten Geschmacks, der Menschen von Nah und Fern – oft die Schweiz und Deutschland – lockt. „Wir haben eine gewisse Grundanzahl an Nächtigungen, die nur wegen der Gastronomie kommen“, so Walch. „Das rettet uns imHerbst. Wir verkaufen Pakete, das füllt uns das Haus.“ Dass der Guide Michelin fehlt, schmerzt. Das einzige wahre Nachschlagwerk für die internationale Reputation einer Kulinarikdestination zieht in Österreich eine Grenze umWien und die Stadt Salzburg. Schon vor Jahren noch unter Minister Mitterlehner hatte man versucht, in gemeinsamer Kraftanstrengung den bedeutendsten Gastroführer zurück ins ganze Land zu holen. „Sachlich ungeheuer wichtig“, betont Kleemann. Rund eine Million Euro pro Jahr hätte das damals schon gekostet, ein Großteil davon, so die Bedingung, muss von staatlicher oder staatsnaher Stelle fließen. Leider bewegt sich da wenig, bedauern die Diskutanten. „Es entspricht nicht der österreichischen Mentalität. Die lautet besser ein schlechter Durchschnitt als ein paar Spitzenbetriebe“, analysiert Walch. Es werde zwar immer von den tollen Betrieben im Land geredet, aber tatsächlich etwas für die Besten getan werde nicht. „Mit demDurchschnitt als Maß schafft man es nie an die Spitze. Und wo wollen die Mitarbeiter hin? Sicher nicht in den Durchschnittsbetrieb.“ Die Anziehungskraft eines Landes sollte neben demGast nämlich auch für Mitarbeiter mitgedacht werden, ist Joschi Walch überzeugt. DiesenWinter arbeiteten in der „RotenWand“ 17 Griechen, in der Küche wurde Englisch gesprochen. Österreichs Tourismus müsse sich in der Arbeitsmarktfrage noch viel mehr internationalisieren; und an bestimmten Stellschrauben drehen. „So viele Einheimische kriegen wir gar nicht, die wir brauchen würden. In Österreich holen wir für den Job die Leute außerdem viel zu früh ab. Steigen sie mit 18 in den Job ein, werden sie gut. Bei uns in der Küche sind vier Lehrlinge, der jüngste ist 19“, erzählt der Hotelier. Und damit sind wir mitten drinnen in den strategischen Details, bei denen einem die Politik in den Nacken haucht. Beim Plan T hatte man noch das Gefühl, „dass wir langsam in die Gänge kommen“, nach dem Ibiza-Skandal, spätestens dem KurzModerne Archtiktur und das Interieur up to date: im Rote Wand Gourmet Hotel stimmt das große Ganze wie die kleinen Details. © Rote Wand Gourmet Hotel/West, Rote Wand Gourmet Hotel/Angela Lamprecht, ÖHT Die Rote Wand 62 Zimmer ca. 180 Restaurantsitzplätze rd. 26.000 Nächtigungen in Normaljahren

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