hotel&touristik essenz 02/2022

9 TEAMS-GehSPRÄCHE Rücktritt und vor allemmit der Pandemie ist der Stillstand ausgebrochen. „Mir fehlt jede politische Strategie und Fantasie“, drückt Wolfgang Kleemann den Finger auf offene Wunden. „Ich denke, dass wir politisch derzeit strategielos vertreten sind.“ Damit rennt er bei Joschi Walch offene Türen ein. „Wir sind verloren, in allen Belangen“, meint er. Während die Hilfsmaßnahmen vor allem zu Beginn der Pandemie noch wunderbar funktionierten, sei die Stimmung jetzt gekippt. Die Banken agieren extrem restriktiv, „Geld bekommt man so gut wie überhaupt nicht und die Ratings der Betriebe werden schlechter“. Joschi Walch fordert einen völlig neuen Zugang für die Finanzierung von Tourismusbetrieben. „Es braucht eine Tourismusanleihe in Höhe von zwei, drei Milliarden Euro, die von der ÖHT verwaltet wird“, so sein Vorschlag. „Keine Förderung, sondern eine normale Schuldverschreibung. Die ÖHT prüft nach ihren Kriterien und verteilt. Das nimmt den Druck von den Banken.“ Gleichzeitig wünscht er sich endlich die Möglichkeit, mehr Wahrheit in den Bilanzen abbilden zu dürfen. Das heißt, eine Bilanzaufwertung, weg vom Buch- hin zum Verkehrswert. Schlussendlich sei eine praxisnahe Umsetzung der kleinen AG an der Zeit. „Da würden so viele zeichnen und wir könnten uns endlich selbst finanzieren. Ein Freund vomMax Natmessing hat in Tribeca in New York das „One White Street“ eröffnet. Dafür gab es von ein paar Unternehmern zehn Millionen Dollar auf die Hand. Es funktioniert, in Österreich wäre das unmöglich.“ Es passiert leider politisch das Gegenteil von dem, was immer gepredigt wird. „In Wirklichkeit verwalten wir nur und gestalten gar nicht“, seufzt der ÖHT-Generaldirektor, der stolz ist auf das Erfinden und unbürokratische Umsetzen von funktionierenden Förderaktionen (nicht nur) während der Pandemie. „Wir wissen seit gefühlt eineinhalb Jahren, dass wir eine neue Förderrichtlinie brauchen, weil die alte ausläuft. Seitdem werden die alten Richtlinien immer wieder um ein paar Monate verlängert. Das ist eine Schande! Corona hindert uns nicht daran, etwas zu tun. Das ist nur eine faule Ausrede.“ Förderung müsse endlich den Mut haben, einen tourismuspolitischen, wirtschaftspolitischen Lenkungseffekt ausüben zu wollen. Heißt: Die Förderstelle stellt einen risikotragenden und zinsgestützten Kredit zur Verfügung und setzt darauf einen maßgeblichen Motivationsbestandteil – etwa für Mitarbeiterwohnungen bzw. Startwohnungen („das Thema Mitarbeiterzimmer ist längst obsolet“). Neben der Schwierigkeit, das Geld für Mitarbeiterwohnungen zu bekommen, fehlen die leistbaren Grundstücke, wirft Walch ein: „Die Konsequenz ist, dass ich von meinem Nachbarn, der eine Pension betreibt, diese für zehn Jahre miete. Die dreißig Gäste, die er hatte, fehlen aber dem Ort. Was sollen wir sonst tun? Der Quadratmeter kostet bei uns Minimum 3.000 Euro und darauf bauen wir Mitarbeiterhäuser!“ „Die aktuellen (Rekord) Zahlen zur Investitionstätigkeit zeigen, dass eine strategische Förderpolitik ein wirksames Mittel ist, um den Tourismusstandort zu stärken.“ Wolfgang Kleemann Förderungen der ÖHT für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft JAHR FÄLLE INVEST.-VOLUMEN* 2014 980 € 780.182.286 2015 515 € 405.677.281 2016 724 € 662.715.122 2017 834 € 697.939.058 2018 758 € 711.308.726 2019 748 € 703.989.493 2020 585 € 788.784.719 2021 760 € 896.806.740 *gesamtes Investitionsvolumen Quelle: ÖHT

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