hotel&touristik essenz 02/2022

02/22 02/22 Österreichische Post AG, GZ02Z031825, Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., Euro Plaza 5 Gebäude J, Kranichberggasse 4, 1120 Wien; Retouren an Postfach 100, 1350 Wien genusskünstler Walch | Kleemann | Gillig | Neuner | Kettner | Schützinger | Bittermann | Matzek

austriatourism.com Die ATB findet im Rahmen der Österreichischen Tourismustage (16. bis 19. Mai 2022) in Wien statt. Sie ist die größte österreichische Tourismusfachmesse und damit die ideale Plattform, um Ihre Angebote internationalen Einkäuferinnen und Einkäufern zu präsentieren. Die Österreichischen Tourismustage bestehen aus der Tourismusfachmesse ATB, dem Wissenscampus der WKO, einem Innovationscampus zur Zukunft des Reisens, der Travel Tec mit Einblicken in zukunftsweisende PraxisAnwendungen für Betriebe sowie einem Convention-Schwerpunkt, der internationale Buyer mit den heimischen Anbietern vernetzt. Alle Informationen unter: www.tourismustage.at/atb Fachmesse ATB bei den Österreichischen Tourismustagen #oett22

3 inhalt Saudi-Arabien Ein Land öffnet sich der ganzen Welt. Ein touristischer Einblick. Cover Tourismusgrößen diskutieren über die Themen und die Zukunft der Branche. Sterne sehen Der gebürtige Leutascher Hans Neuner hält in Portugal seit Jahren zwei Michelin-Sterne. Im Exklusivinterview spricht er über Heimat, Eliten und Mannschaftssport. 04 & 05 Kompakt & Editorial 14 Genusslust Zwischen Melk und Krems lebt die Weinkultur besonders gesund 18 Event Im November lockt „Die Presse-Schau“ ein hochkarätiges Publikum 20 Vila Vita Parc Wie zwei Österreicher eines der besten Hotels Portugals nachhaltig prägen 28 Vorarlberg Die Tourismusmanufaktur imWesten lebt die Vielfalt und Qualität 32 Die Stadt Tourismusdirektor Norbert Kettner im Interview über Wiener Werte 36 Heiße Sache Bittermann und Matzek mit einem Plädoyer für Qualität am Rost 40 Warennot Das sagen die Großhändler zu Versorgungssicherheit und Preisrallye 42 Leadership Den Lebenszyklus eines Betriebs verstehen, auf Krisen vorbereitet sein 44 Social Media Füllen Sie Ihre leeren Hotelbetten schon mit Instagram? 50 Jung gedacht Warum ein Rezept vor Kopie nicht sicher ist Impressum Medium: hotel & touristik essenz; Medieninhaber/Verleger: Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H., Verlagsort/Anschrift Redaktion/Herausgeberin/Medieninhaber: Euro Plaza 5, Gebäude J, Kranichberggasse 4, 1120 Wien; Internet: www.manstein.at, stammgast.online, traveller-online.at; Tel.: +43/1/866 48-0; Fax: DW -100; Geschäftsführung: Mag. Markus Gstöttner, Herausgeberin: Mag. Dagmar Lang, MBA; Die Manstein Zeitschriftenverlagsges.m.b.H. ist eine 100% Beteiligung der dfv Mediengruppe, Frankfurt/Main; Sprecher der Geschäftsführung Deutscher Fachverlag GmbH: Peter Esser, Sönke Reimers Chefredaktion: Mag. Thomas Schweighofer (ts / t.schweighofer@manstein.at); Autoren dieser Ausgabe: Mag.(FH) Axel Schimmel, Brigitte Charwat, Nadine Vejnoska, Thomas Reisenzahn, Alexandra & Fabian Räbiger ; Marketing- und Anzeigenleitung: SusanneWernbacher-Pretsch (s.wernbacher@manstein.at); Mitarbeiter Marketing- und Anzeigen: Manuela Sommer (m.sommer@manstein.at); Lektorat: Thomas Fisher, MSc.; Grafisches Konzept: Himmer, Buchheim& Partner; Art Director: Georg Vorstandlechner; Coverfoto: Rote Wand Gourmethotel/Ingo Pertramer, Im Bild: Joschi und Natascha Walch; Hersteller: Friedrich Druck &Medien GmbH, Herstellungsort: Zamenhofstraße 43, 4020 Linz; Erscheinungsweise: monatlich; DVR-Nr. 075/3220. Für Inhalt und Gestaltung haftet der Auftraggeber. Abo 2021: Inland € 59,– (exkl. 10%MwSt.), Ausland € 86,– (exkl. 10%MwSt.), Studenten 50% Ermäßigung, Vertrieb: +43/1/866 48-511, Joanna Kirkowska (j.kirkowska@manstein.at). Impressum gemäß § 25 MedienG ist unter stammgast.online/impressum.html abrufbar. Aus Gründen der Lesbarkeit wird darauf verzichtet, geschlechtsspezifische Formulierungen zu verwenden. Soweit personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise. 24 46 06

4 kompakt 11.122.334 6,9 % Der Beitrag des Tourismus zum Bruttoregionalprodukt fällt in Tirol am höchsten aus. Dahinter folgt Salzburg mit 13,7 Prozent. Aufgrund der Branchenstruktur ist dieser in Oberösterreich mit 2,6 Prozent am geringsten. Quelle: Statistik Austria Jubeltag für den Filmtourismus Die Stadt Wien hat mit dem „Vienna Film Incentive“ eine neue Förderschiene ins Leben gerufen, die Film- und Serienproduktionen (auch Streamingplattformen) in die Stadt locken soll. „Die neue Förderschiene ist explizit als Filmförderung zu verstehen, die auf die Tourismuswirtschaft Bezug nimmt. Sie soll der Wiener Visitor Economy zugutekommen – denWirtschaftstreibenden und demTourismusstandort “, soWirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Gefördert werden bis Ende 2023 internationale Produktionen, die zur Gänze oder teilweise inWien gedreht werden und mindestens zwei Tage dauern. Der Fördertopf ist zwei Millionen Euro schwer. Schon jetzt werden rund 8 Prozent der Wien-Gäste durch Film, Fernsehen oder Hörfunk auf die Destination aufmerksam, macht Marijana Stoisits, Geschäftsführerin der Vienna Film Commission, aufmerksam. Der „Vienna Film Incentive“ soll auch bei der Erschließung von Fernmärkten helfen, „wo wir Bekanntheitsgrad und Imagefaktor Wiens über den Hebel der Populärkultur noch weiter steigern wollen“, erklärt WienTourismus-Direktor Norbert Kettner. filmincentive.vienna.info Hoteldirektor mit Ansage Dominic Nachbaur, Rezeptionist im ibis StylesWien City, kämpfte als Austrian Best Receptionist des AICR (Amicale Internationale des Sous Directeurs et Chefs de Réception des Grand Hôtels) kürzlich um denWeltmeistertitel. Der Wettkampf ist geschlagen, die Entscheidung wird jedoch erst Ende April bekannt gegeben. Der gebürtige Vorarlberger ist Absolvent der Tourismusschule Bludenz, in der Hotellerie fühlt er sich bestens aufgehoben. „In jedem Schuljahr wurde es für mich immer deutlicher, ich will nichts anderes mehr machen, als im Hotel zu arbeiten. Ich habe mich verliebt in die Hotels“, schwärmt Nachbaur. Mit seinen 21 Jahren hat er sich schon viel Reputation erworben, neben dem Job absolviert er gerade ein Fernstudium in Hotelmanagement an der IU Internationale Hochschule. Sein Karriereziel lautet: „Ich will einmal Hoteldirektor sein. Dort sehe ich mich.“ aicrinternational.org/austria-section ibisstyleswien.com © Schweighofer © PID/David Bohmann Die Kette schnurrt Unglaublich schöne Radtouren auf allen Kontinenten, vom Bodensee bis nach Tasmanien, vereinen sich in diesem Buch. Ob Tagesfahrten, mehrtägige oder mehrwöchige Touren – auf diesen Strecken finden Reise- und Radbegeisterte Inspiration und Hilfe bei der Planung mit Karten, vielen Fotos, Tipps und genauen Beschreibungen. Die 100 schönsten Radtouren auf allen Kontinenten. DK Verlag 2021. 256 Seiten. € 25,70. ISBN 978-3-7342-0637-5 Restaurants mit 3 Sternen von Guide Michelin Stand 2021; Quelle: statista.de © Zagory – stock.adobe.com Frankreich Japan USA China Spanien, Italien Deutschland UK Schweiz Niederlande, Südkorea, Belgien, Singapur Dänemark, Schweden, Österreich, Taiwan 30 22 14 11 10 5 3 2 1 13

editorial © Sabine Klimpt Eine blöde Fortsetzung der Politik … Der größte Feind des Menschen ist der Mensch. Ich habe nachgeforscht: Seit dem Jahrtausendwechsel gab (und gibt) es weltweit 31 Kriege – Nebenkonflikte und lokale Brutalitäten beiseitegelassen. Trotz des hohen Blutzolls leben wir in der friedlichsten aller Zeiten – das behauptet zumindest der amerikanische Star-Psychologe Steven Pinker. Der ist bekannt für gut zu verkaufende Sager und ist ein „Freund steilerThesen“, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal umschrieb. Er rechnet vor, dass es imMittelalter 30Mal wahrscheinlicher war, umgebracht zu werden als im 21. Jahrhundert. Vielleicht trügt der persönliche und gegenteilige Eindruck, weil Gewalt und Krieg noch nie so bildgewaltig vor aller Augen abliefen wie gerade jetzt. Ein Zwölfjähriger hat auf seinem Smartphone eine reale Bluttat früher gesehen als ein Pornovideo. Das will etwas heißen – und beides nichts Gutes. Statistiken bilden nie die individuellen Tragödien ab. Die junge Afghanin unter dembrutalen Talibanregime, die keine Schule besuchen darf und der die eigenbestimmte Zukunft genommen wird, hat von der Friedensstatistik genauso wenig wie der Flüchtling aus Syrien, dem für die Überfahrt übers Mittelmeer das sprichwörtlich letzte Hemd ausgezogen wurde, wenn er sie denn überlebt. Die Beispiele sindmannigfaltig, jedes einzelne ist eine Schande. Ein Verbrechen ist der Angriffskrieg auf die Ukraine. Verwurzelt ist dieser auf demMisthaufen des Wladimir Putin und leider mit hochgezogen von zu vielen seiner Untertanen, gedüngt imWirbel der Propaganda. Der Medienkrieg zwischen denMächten wird schon lange geführt. Propaganda, ja, die gibt es auch bei uns, aber Journalisten sind hier nicht zu reinenMikrofonständern degradiert. Die von der Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ erstellte Rangliste der Pressefreiheit gibt eine gute Ahnung davon, wemmanmehr glauben darf. Freiheit undWerte der liberalen Gesellschaft sind keine Selbstverständlichkeit, sondern deren Verteidigung bedarf permanenter Anstrengungen. Darin sind wir uns hoffentlich irgendwann alle einig: In Anlehnung an den preußischen Militärwissenschaftler Carl von Clausewitz müsste es endlich heißen „Der Krieg ist eine blöde Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln!“ Frieden für die Ukraine! Und für Jemen, Syrien, Äthiopien, die Rohingya, Uiguren, Palästinenser und Israeli … Niemals vergleichbar, aber auch keine banale Zahl, versteckt in einer bunten Balkengrafik, sind für uns die Folgen der immensen Energiekosten, der Warennot, der auslaufenden Corona-Hilfsmaßnahmen und vor allemdes Klimawandels. Dazu kommt, dass ein konkretes Regelwerk, was zu tun ist, wenn imHerbst ein OmikronVerwandter düster lächelnd an die Türe klopft, nur ein frommer Wunsch bleiben wird. Was trotzdem zumOptimismus berechtigt, wenn wir denn das Richtige tun, erklären in dieser Ausgabe Persönlichkeiten mit Köpfchen – zumBeispiel in der Coverstory ab Seite 6 Joschi Walch undWolfgang Kleemann. Viel Lesespaß wünscht Ihr Thomas Schweighofer. Chefredakteur t.schweighofer@manstein.at, stammgast.online

Ein Fleckerl in Vorarlberg wie im Paradies. Hier wirkt Gastronom und Hotelier Joschi Walch, der sich mit Mut und Innovationsgeist zu den Größen der Branche hochgearbeitet hat. © Rote Wand Gourmet Hotel/West, Rote Wand Gourmet Hotel/Ingo Pertramer

7 TEAMS-GehSPRÄCHE So unglaublich köstlich wäre es gewesen. Geplant war ein, imwahrsten Sinne des Wortes, Gipfeltreffen in Zug am Arlberg auf erfrischenden 1.510 Meter Seehöhe. Ziel für unsere Rubrik GEHspräche war Walch’s „Rote Wand Gourmethotel“, bekanntermaßen eines der besten, wenn nicht das beste Hotel im Land, wenn es um die Verknüpfung mit der Gastronomie geht. Vor mehr als 60 Jahren hatte der 2020 verstorbene Genusspionier Josef Walch senior das Fondue zum Arlberg gebracht und die Basis für die Gourmettradition des Hauses gelegt. Der Koch des Jahres Max Natmessnig begeistert heute mit seinem edlen „Chef ’s Table im Schualhus“, der gleichermaßen hochtalentierte Florian Armbruster verantwortet das Hotelrestaurant und die Stuben. Wer Messer und Gabel nicht nur in der Hand hält, um den Bauch zu befriedigen, sondern Zunge, Gaumen, Nase und Augen etwas Gutes tun möchte, ist genau dort richtig. Hirn und Herr mit Herz der „Roten Wand“ ist Joschi Walch. Er hatte uns eingeladen, gemeinsammit seinem Freund und jahrzehntelangen Begleiter in wirtschaftlichen Fragen, demGeneraldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank Wolfgang Kleemann, seinen Betrieb zu spüren und zu erschmecken. Da streckte gnadenlos, wie Corona nunmal ist, den Autor dieser Zeilen nieder. Statt GEHspräche samt „Jausensackerl“ auf Vier-Hauben-Niveau diesmal halt Teams-Gehspräche mit Bürokaffee neben demLaptop. Mit in der Runde Florian Zellmann, Prokurist der ÖHT und Leiter Sonderförderprogramme sowie der strategischen Unternehmensentwicklung: Sozusagen die nächste Generation, die Tourismus imLand ganzheitlichmitgestaltet. „Ehrlich gesagt bin ich trotzdem zum Chef ’s Table gegangen mit meiner Natascha“, schmunzelt Joschi Walch bei der Begrüßung. Er wollte wieder einmal selbst erleben, „wo wir stehen.“ Außerdemwar es eine Trainingseinheit für den Hotelier und Wirt, denn Ende März stand eine lang geplante Foodtour in den Norden Europas am Programm. „Ich fliege nach Kopenhagen, wir sind am ersten Abend im ‚Noma‘, am zweiten im ‚Alchimist‘, am dritten im ‚Jordnær‘. Dann geht’s weiter nach Oslo ins ‚Maaemo‘ und Wir müssen uns radikal anpassen Joschi Walch & Wolfgang Kleemann Von Thomas Schweighofer Grundsatzdiskussion über den Tourismus können so zäh verlaufen wie eine Wintersaison in der Pandemie – aber mitnichten, wenn die Denkenden und Sprechenden Joschi Walch und Wolfgang Kleemann heißen. Eine Doppelconférence mit Visionen und Humor.

8 TEAMS-GehSPRÄCHE nach Stockholm ins ‚Frantzén‘“, macht er uns nasse Augen. „Ich muss ja Erfahrungen sammeln“, so der Vorarlberger Genussmensch. Er will aufs Radar der internationalen FoodTravel-Organisationen. „Mir wurde gesagt, Joschi, mach mit, wenn sie dich einmal kennengelernt haben, wollen sie zu dir.“ Wolfgang Kleemann, gelernter Koch und Kellner, leckt sich bei den genannten Restaurants die Lippen. „Joschi, nimmst mich auch mit? Ich suche eine neue Herausforderung“, lacht er, der Ende März der ÖHT, die er prägte wie kein anderer, pensionsbedingt Ade winkte. Eine Anekdote zumThema hat Kleemann gleich einmal im Köcher: Zur Hochzeit des Heinz Hanner traf er einmal in dessen Lokal einige Pariser, die mit dem Privatjet extra nach Wien gedüst waren, um dort und am nächsten Tag bei Heinz Reitbauer zu speisen. Dort traf man sich zufällig wieder. „Oh, machst du och öhne Tour?“, fragten ihn die französischen Foodies. Gastronomie und Tourismus, das passt und gehört zusammen. Die „Rote Wand“ ist so ein Schmelztigel des guten Geschmacks, der Menschen von Nah und Fern – oft die Schweiz und Deutschland – lockt. „Wir haben eine gewisse Grundanzahl an Nächtigungen, die nur wegen der Gastronomie kommen“, so Walch. „Das rettet uns imHerbst. Wir verkaufen Pakete, das füllt uns das Haus.“ Dass der Guide Michelin fehlt, schmerzt. Das einzige wahre Nachschlagwerk für die internationale Reputation einer Kulinarikdestination zieht in Österreich eine Grenze umWien und die Stadt Salzburg. Schon vor Jahren noch unter Minister Mitterlehner hatte man versucht, in gemeinsamer Kraftanstrengung den bedeutendsten Gastroführer zurück ins ganze Land zu holen. „Sachlich ungeheuer wichtig“, betont Kleemann. Rund eine Million Euro pro Jahr hätte das damals schon gekostet, ein Großteil davon, so die Bedingung, muss von staatlicher oder staatsnaher Stelle fließen. Leider bewegt sich da wenig, bedauern die Diskutanten. „Es entspricht nicht der österreichischen Mentalität. Die lautet besser ein schlechter Durchschnitt als ein paar Spitzenbetriebe“, analysiert Walch. Es werde zwar immer von den tollen Betrieben im Land geredet, aber tatsächlich etwas für die Besten getan werde nicht. „Mit demDurchschnitt als Maß schafft man es nie an die Spitze. Und wo wollen die Mitarbeiter hin? Sicher nicht in den Durchschnittsbetrieb.“ Die Anziehungskraft eines Landes sollte neben demGast nämlich auch für Mitarbeiter mitgedacht werden, ist Joschi Walch überzeugt. DiesenWinter arbeiteten in der „RotenWand“ 17 Griechen, in der Küche wurde Englisch gesprochen. Österreichs Tourismus müsse sich in der Arbeitsmarktfrage noch viel mehr internationalisieren; und an bestimmten Stellschrauben drehen. „So viele Einheimische kriegen wir gar nicht, die wir brauchen würden. In Österreich holen wir für den Job die Leute außerdem viel zu früh ab. Steigen sie mit 18 in den Job ein, werden sie gut. Bei uns in der Küche sind vier Lehrlinge, der jüngste ist 19“, erzählt der Hotelier. Und damit sind wir mitten drinnen in den strategischen Details, bei denen einem die Politik in den Nacken haucht. Beim Plan T hatte man noch das Gefühl, „dass wir langsam in die Gänge kommen“, nach dem Ibiza-Skandal, spätestens dem KurzModerne Archtiktur und das Interieur up to date: im Rote Wand Gourmet Hotel stimmt das große Ganze wie die kleinen Details. © Rote Wand Gourmet Hotel/West, Rote Wand Gourmet Hotel/Angela Lamprecht, ÖHT Die Rote Wand 62 Zimmer ca. 180 Restaurantsitzplätze rd. 26.000 Nächtigungen in Normaljahren

9 TEAMS-GehSPRÄCHE Rücktritt und vor allemmit der Pandemie ist der Stillstand ausgebrochen. „Mir fehlt jede politische Strategie und Fantasie“, drückt Wolfgang Kleemann den Finger auf offene Wunden. „Ich denke, dass wir politisch derzeit strategielos vertreten sind.“ Damit rennt er bei Joschi Walch offene Türen ein. „Wir sind verloren, in allen Belangen“, meint er. Während die Hilfsmaßnahmen vor allem zu Beginn der Pandemie noch wunderbar funktionierten, sei die Stimmung jetzt gekippt. Die Banken agieren extrem restriktiv, „Geld bekommt man so gut wie überhaupt nicht und die Ratings der Betriebe werden schlechter“. Joschi Walch fordert einen völlig neuen Zugang für die Finanzierung von Tourismusbetrieben. „Es braucht eine Tourismusanleihe in Höhe von zwei, drei Milliarden Euro, die von der ÖHT verwaltet wird“, so sein Vorschlag. „Keine Förderung, sondern eine normale Schuldverschreibung. Die ÖHT prüft nach ihren Kriterien und verteilt. Das nimmt den Druck von den Banken.“ Gleichzeitig wünscht er sich endlich die Möglichkeit, mehr Wahrheit in den Bilanzen abbilden zu dürfen. Das heißt, eine Bilanzaufwertung, weg vom Buch- hin zum Verkehrswert. Schlussendlich sei eine praxisnahe Umsetzung der kleinen AG an der Zeit. „Da würden so viele zeichnen und wir könnten uns endlich selbst finanzieren. Ein Freund vomMax Natmessing hat in Tribeca in New York das „One White Street“ eröffnet. Dafür gab es von ein paar Unternehmern zehn Millionen Dollar auf die Hand. Es funktioniert, in Österreich wäre das unmöglich.“ Es passiert leider politisch das Gegenteil von dem, was immer gepredigt wird. „In Wirklichkeit verwalten wir nur und gestalten gar nicht“, seufzt der ÖHT-Generaldirektor, der stolz ist auf das Erfinden und unbürokratische Umsetzen von funktionierenden Förderaktionen (nicht nur) während der Pandemie. „Wir wissen seit gefühlt eineinhalb Jahren, dass wir eine neue Förderrichtlinie brauchen, weil die alte ausläuft. Seitdem werden die alten Richtlinien immer wieder um ein paar Monate verlängert. Das ist eine Schande! Corona hindert uns nicht daran, etwas zu tun. Das ist nur eine faule Ausrede.“ Förderung müsse endlich den Mut haben, einen tourismuspolitischen, wirtschaftspolitischen Lenkungseffekt ausüben zu wollen. Heißt: Die Förderstelle stellt einen risikotragenden und zinsgestützten Kredit zur Verfügung und setzt darauf einen maßgeblichen Motivationsbestandteil – etwa für Mitarbeiterwohnungen bzw. Startwohnungen („das Thema Mitarbeiterzimmer ist längst obsolet“). Neben der Schwierigkeit, das Geld für Mitarbeiterwohnungen zu bekommen, fehlen die leistbaren Grundstücke, wirft Walch ein: „Die Konsequenz ist, dass ich von meinem Nachbarn, der eine Pension betreibt, diese für zehn Jahre miete. Die dreißig Gäste, die er hatte, fehlen aber dem Ort. Was sollen wir sonst tun? Der Quadratmeter kostet bei uns Minimum 3.000 Euro und darauf bauen wir Mitarbeiterhäuser!“ „Die aktuellen (Rekord) Zahlen zur Investitionstätigkeit zeigen, dass eine strategische Förderpolitik ein wirksames Mittel ist, um den Tourismusstandort zu stärken.“ Wolfgang Kleemann Förderungen der ÖHT für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft JAHR FÄLLE INVEST.-VOLUMEN* 2014 980 € 780.182.286 2015 515 € 405.677.281 2016 724 € 662.715.122 2017 834 € 697.939.058 2018 758 € 711.308.726 2019 748 € 703.989.493 2020 585 € 788.784.719 2021 760 € 896.806.740 *gesamtes Investitionsvolumen Quelle: ÖHT

10 TEAMS-GehSPRÄCHE © Rote Wand Gourmet Hotel/Ingo Pertramer (3), Rote Wand Gourmet Hotel/West

TEAMS-GehSPRÄCHE Your Direction to Perfection. www.miele.at/pro/benchmark Das in den Keller fallende Rating der Betriebe habe übrigens nichts mit der Qualität der Unternehmen und Unternehmer zu tun und ob die Geschäftsmodelle funktionieren oder nicht, sondernmit banktechnischen Bewertungsmechanismen. Stundungen, sinkendem Eigenkapital usw. – viele Tourismusbetriebe habenmittlerweile ein Ramsch-Rating erreicht. Die weitere Verschärfung der Kriterien wird dazu führen, dass es alternative Finanzierungsinstrumente braucht. Kleemann: „Die Banken wollen uns nichts Böses, aber sie dürfen uns auch nichts Gutes tun.“ Wir leben „noch“ in einer Welt des Nullzinses, neben der Kredit- auch auf der Einlagenseite. „Es gibt ungeheuer viele Leut, die ungeheuer viel Geld haben. Diese Leut leiden jeden Tag darunter, dass sie für ihre Geldaufbewahrung Spesen bei Banken zahlenmüssen. Die haben aber auch einen gesunden Spieltrieb und würden in ein Anlageprodukt, wo sie relativ wenig Risiko tragen, furchtbar gerne investieren“, ist der Touristiker überzeugt. Zurück in die Gegenwart. Mehr Betriebe als man glaubt prüfen derzeit, ob sie ihr Dienstleistungsangebot reduzieren – vom Volldienstleistungs- in ein Hotel Garni oder Aparthotel. Oder weniger Tage aufsperren; selbst im „Rote Wand“ wird darüber diskutiert, verrät Joschi Walch. Kommenden Winter kommt für die Mitarbeiter eine Viereinhalb-Tage-Arbeitswoche (bei vollen Stunden) und im Sommer könnten notgedrungen zwei Schließtage in der Woche das Angebot reduzieren. Die Mitarbeiterproblematik trifft selbst die Besten. „Sogar langjährige Mitarbeiter entschuldigen sich bei mir, dass sie etwas anderes machen wollen“, plaudert Walch aus demNähkästchen. „In den letzten zwei Jahren ist in der Branche viel kaputtgegangen.“ Wolfgang Kleemann kennt die Situation der Betriebe aus dem Effeff, aber er ist ebenso davon überzeugt, dass die Branche insgesamt mehr in die Mitarbeitermotivation und Bindung investieren muss. „Ihr wisst, ich habe in eine Hoteliersfamilie eingeheiratet“, erzählt er. „Meine Schwiegereltern hatten 65 Mitarbeiter und faktisch null Personalfluktuation. Einer der Puzzlesteine war, dass sie jedemMitarbeiter ein individuelles Weihnachtsgeschenk gemacht haben, das ihn emotional erwischte.“ Er selbst kannte es anders: In seinem Lehrbetrieb verköstigte man mit einem eigenen Personalbrot und einer Personalwurst in minderer Qualität. Sein Lehrherr sagte damals zu ihm: „Personal, das sind bezahlte Feinde.“ Der Tourismusweltmeister Österreich ist in Gefahr, weil das Dienstleistungspodest wankt. Walch stört sich an dem in der Öffentlichkeit vermittelten Bild der Branche. Während andere genauso drängend suchen, wird nur im Tourismus ein strukturelles Problem vorgeschoben. „Nirgendwo liest du, Tischler gibt’s keine, weil die Arbeitsbedingungen und Bezahlung schlecht sind.“ Man sei auch selbst verantwortlich an der Gestaltung des Images, ergänzt Kleemann: „Es ist heikel, aber ich sage es trotzdem: Die Hoteliervereinigung tut der Branche nichts Gutes, wenn sie permanent die Mitarbeiterprobleme aufbringt. Da wird ein Bild in die Tagespresse getragen, dass der Gast sich fürchten muss imHotel sozusagen von einemGrantscherben serviciert zu werden, der nicht einmal Deutsch kann.“ Das brancheninterne Sudern müsse ein Ende finden. „Wenn wir selbst erklären, dass der Tourismusjob Schei... ist, werden irgendwann alle davon überzeugt sein. Auch die potenziellen Mitarbeiter aus dem Ausland.“ Die 150 Millionen Gästenächtigungen im Land sind eine Geschichte der Vergangenheit, das Comeback dorthin zurück gar nicht so sehr erwünscht. Wertschöpfung ist das neue Mantra. „Ist mir ein Gast, der viel ausgibt, nicht viel lieber, als zehn Gäste die nichts ausgeben?“, stellt Kleemann, der damals als Student auf der Wirtschaftsuniversität als erster Bankwesen und Tourismus verknüpfte, eine zentrale Frage in den „Es ist ein Scheitelpunkt gekommen, an dem ich positiv steuern kann, in welche Richtung der österreichische Tourismus läuft.“ Joschi Walch

12 TEAMS-GehSPRÄCHE Raum. „So ist es“, assistiert Joschi Walch. „Es ist so gewachsen, dass wir Mitarbeiter in Systemen einsetzen, die die Wertschöpfung nicht bringen. Auf Teufel komm raus, jeder Bürgermeister wollte ein Hotel, egal wo, denn Tourismus muss sein“, kritisiert er. Wertschöpfung und Hotelgastronomie, das ist so eine diffizile Kombination, die gut funktionieren kann – oder eben nicht. Laut ÖHTKennzahlen 2020 beträgt der Anteil des Verpflegungserlöses bei den Tophotels der Kategorie 4/5 Sterne nur elf Prozent, imMedian in dieser Kategorie sind es 15 Prozent. Rentiert sich Hotelgastronomie überhaupt? Zunächst einmal lassen sich die Unterschiede der Zahlen mit geringeren Gesamterlösen der breiten Masse erklären. Dazu kommt, dass „wir in den Spitzenbetrieben der Beherbergung nach wie vor zu wenig Mut zum Preis haben“, spricht Wolfgang Kleemann ein strukturelles Problem an. Hotelgastronomie rentiere sich also nur imGesamtkunstwerk, nicht per se betrachtet. „Gastronomie kann für viele Betriebe die Todeskeule sein, wenn zummiesen Zimmer eine lausige Gastronomie dazukommt. Eine Tiroler Wirtin hat den treffenden Spruch gebracht, das Geld kommt die Stiege runter: Du verdienst am Übernachtungseuro signifikant mehr als am Verpflegungseuro.“ In Kombination mit der Mitarbeitersituation wird der dann halt wegrationalisiert, es kommt zur Garnisierung der Hotellerie. „Wenn der Gast irgendwann im Luxuszimmer sitzt und ein Extrawurstsemmerl vom Billa nascht, ist etwas falsch gelaufen.“ Nur ist, das beweisen die nackten Zahlen, der Ertrag pro eingesetztem Euro in einem dienstleistungsintensiven Betrieb um ein Vielfaches geringer als zum Beispiel in einem der boomenden Chaletdörfer. „Das ist eine Gefahr, es entstehen uns gerade gewaltige Konkurrenzen.“ Kulinarik ist Identität für die „Rote Wand“. Das eine mag man sich ohne das andere nicht vorstellen. Ab 2011 hat man sich dieser Rolle ganz hingegeben. Ausgangspunkt waren Gästebefragungen, die der Küche stets beste Qualität bescheinigten. „Also haben wir uns daraufgesetzt“, so Walch. Ganz einfach. „Das ‚Schualhus‘ zumThema Vorzeigeregionalität zu positionieren und mit einemChef ’s Table etwas auszulösen und Begehrlichkeit zu schaffen, wenn man es gut macht, war uns klar. Durchgerechnet haben wir es nie, das war ein Bauchgefühl.“ Die Entscheidung an einemOrt wie Zug so eine hochwertige Gastronomie aufzuziehen, lässt sich wohl nur schwer in einen Businessplan packen. Dabei wollte der Herr über die „Rote Wand“ eigentlich lieber Rechtsanwalt und Politiker werden. Bei sieben Kindern imHaus wich manche Zukunftsvision der realistischen Variante. „Das Faszinierende amWirt sein und imTourismus zu arbeiten, ist die Gestaltungsmöglichkeit, Innovationskraft“, hat er längst verinnerlicht. Aktuell kämpfe man mit der steigenden Nachfrage, bedingt auch durch die Reduktion der gastronomischen Verfügbarkeit in der Region. „Wir machen jeden Abend 200 bis 260 Gedecke – ohne Chef ’s Table. Das ist viel Arbeit!“, erzählt Joschi Walch. Der Gast muss bei ihmmindestens zwei Gänge bestellen, sonst würde es sich nicht rentieren. „Das heißt, wenn du ein Wiener Schnitzel bestellst amAbend – das kriegst du, wenn ich gut aufgelegt bin –, zahlst du trotzdem zwei Gänge, im Prinzip zwei Wiener Schnitzel“. Ärgern muss er sich noch immer über die damals verordnete „blöde Sperrstunde“ um 22 Uhr. „Da schaust du jeden Tag auf die Uhr und siehst 2.000 Euro davonschwimmen. Nach 60 Tagen sind 120.000 Euro verloren.“ Er wünscht sich, dass zukünftig Vollanbieterhotels anders beurteilt werden als Hotel Garni und darunter, „sonst sind wir die Idioten. Wir sind der Kirchenwirt von früher, den es braucht, damit das System Tourismus lebt.“ Darauf Wolfgang Kleemann: „Wenn wir die Betriebe gastronomisch entkleiden, bleibt inWirklichkeit kein Tourismuserlebnis über. Dann verlieren wir die Weltmeisterrolle imTourismus ganz gewiss.“ Die beiden Freunde stoßen virtuell an. Auf eine langjährige Zusammenarbeit im Dienste des Unternehmertums. „Der Joschi und ich hatten nur ein einziges Mal eine Krise“, packt Kleemann eine letzte Anekdote aus. „Da ging es um ein Außenschwimmbecken, das er wollte – in Zug auf 2.000 Metern Seehöhe mit gefühlt 825 Schattentagen im Jahr. Joschi, das tun wir nicht, habe ich ihm gesagt. Später ruft mich irgendwann sein Nachbar an und fragt, ob wir ihmwirklich das Bad finanzieren. Ich antworte mit nein und frage warum. Er darauf: ‚Der baut ja schon‘“. Da kann sich Joschi Walch ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Jeder baut mittlerweile ein Schwimmbad! Jeder! In Obergurgel, in Seefeld … davor war ich der Einzige.“ Erfolg kommt selten auf der Autobahn daher, die Serpentinen muss man auch fahren können. Kleemann: „Wenn wir die erfolgreichsten zehn Betriebe in Österreich betrachten, sind acht davon in zumindest zweiter Generation in Familienbesitz. Darauf können wir stolz sein. In Wirklichkeit haben wir Tourismusweltmeisterfamilien in Österreich. Amen!“  Familybusiness: Joschi und Natascha mit den Kindern Magdalena, Josef-Martin und Valentin. Hund Alma gehört natürlich auch dazu. © Rote Wand Gourmet Hotel/Angela Lamprecht

13 Slow Food MIT WENIGER. DAS BESTE Schnecken auf den Tellern Kärnten setzt seit einigen Jahren auf die Slow Food-Idee und verfeinert damit das kulinarisch touristische Angebot. Der bereits dritte „Slow Food Guide“ präsentiert die Highlights dieser Entwicklung. Die Kärntner Küche ist auf der Karte besonderer kulinarischer Regionen in Europa angekommen. Mit dem neuen Slow Food Kärnten Guide zeigt Kärnten die positive Auswirkungen, wenn man kompromisslos auf Herkunftssicherung setzt und gleichzeitig eine großartige Alpen-Adria Küche in Österreich entwickeln kann. „Es reicht nicht, nur ein bisschen Marketing zu machen und großartig zu kochen – es geht auch um Fairness und Transparenz. Entscheidend ist die Entwicklung einer neuen Esskultur. Dies ist der Weg, den alle unsere Partner in Kärnten konsequent gehen“, erklärte Christian Kresse, Geschäftsführer der Kärnten Werbung, bei der Präsentation des Guide im Palais Coburg in Wien. Und Tourismus- und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, selbst Kärntnerin, betonte: „Warum jemand erfolgreich ist liegt an der Authentizität – das ist in Kärnten besonders ausgeprägt.“ Der Slow Food Kärnten Guide 2022 stellt über 90 herkunftsgeprüfte Restaurants vor, von denen sich 31 Betriebe verbessern konnten. Zwölf Betriebe erreichten die Höchstwertung von fünf SlowFood-Schnecken. Weiters wurden mehr als 30 Buschenschenken und Almhüttenmit den begehrten Schnecken ausgezeichnet. Die vorgestellten Betriebe unterziehen sich einer durchgehenden Überprüfung von Qualität und Herkunft und werden zusätzlich von einer Fachjury sowie einem Redaktionsteamunter die Lupe genommen. Das Netzwerk Kulinarik mit demAMA-Gütesiegel sowie das Genussland Kärnten bilden die wichtigen Partner bei dieser Zertifizierung. ts © Kärnten Werbung/Gert Steinthaler

14 Die Weine der Domäne Wachau stehen außer Frage, nicht aber die Klientel. Behutsam legen die Weingutsleiter Roman Horwath und Heinz Frischengruber die bleierne Schwere der Tradition ab und öffnen das Weingut auch für jüngere Kunden. Nicht weniger als 19 Termine im jährlichen Eventkalender untermauern die Bemühungen, frischen Wind durch die Rebzeilen wehen zu lassen. Von Stand-up-Paddeling, Mountainbike-Trails über Joga &Wein bis hin zu Besuchen von befreundeten Winzern reichen die Ideen, die einen möglichst bunten Rahmen schaffen sollen. Fast schon ein wenig bieder muten da die monatlichen Riedenwanderungen an, bei denen nicht nur die wunderschöne Landschaft der Wachau per pedes erschlossen wird, sondern auch noch viel Wissenswertes über Boden, Klima, Vegetation und eben Vinifizierung vermittelt. Der mit Abstand publikumswirksamste Event hört auf den Namen „Music &Wine“ und ist eine Art Rave (was die beiden Geschäftsführer natürlich nie so aussprechen würden), der mitten amWeingut vor der Kulisse des prächtigen Kellerschlössls in Dürnstein abgehalten wird. Die Strategie dahinter ist klar, man will auch von einer jüngeren Klientel wahrgenommen werden. Seit demWeinskandal Mitte der 1980er-Jahre und der darauffolgenden Qualitätsrevolution ist mit dieser Art Neubeginn auch eine Generation vonWeingenießernmitgewachsen, die nun schön langsam ein Alter erreicht, das man auch als „honorig“ bezeichnen darf. Nicht zuletzt äußert sich das auch an zahlreichen Betriebsübergaben in der Winzerszene, in der jetzt die Kinder nachrücken und das Ruder übernehmen. Das Leben ist ein Federspiel Von Schimmel, Charwat & Schweighofer Eine kulinarische Reise an einen der schönsten Flecken Österreichs, entlang der Donau zwischen Melk und Krems, hebt das Gemüt. Die herausragenden Winzer prägen Landschaft, kulinarisches Selbstverständnis und den Tourismus. © Domäne Wachau, Helge Kirchberger / Winzer Krems Wo der Wein flieSSt

15 Weinwunder Dieser Generationswechsel ist auch bei den Weinkonsumenten feststellbar. Roman Horwath betont imGesprächmit hotel & touristik essenz: „Es tut sich an allen Ecken und Enden was, eine gewisse Aufbruchstimmung ist spürbar. Diesen Schwung wollen wir nutzen und auch thematischmitgestalten.“ Ein klarer Trend dabei ist: die präsumtiven Kunden bereisenmit Hingabe dieWeinbaugebiete und wollen sich auch ein Bild von denWinzern machen, deren Kreszenzen sie trinken. Diese Entwicklung sorgt in der Steiermark schon seit Jahren für volle Betten und es wundert keinenmehr, wennman imHerbst mehr Vorarlberger oder Salzburger Kennzeichen sieht als „einheimische“. Behutsame Öffnung. Wobei die Domäne Wachau jetzt nicht auf „berufsjugendlich“ macht, sondern gezielt die 25- bis 30-jährigen Genießer im Blick hat. „Wir haben keine Berührungsängste“, betont Horwath, „probieren einiges aus und wenn etwas nicht funktioniert, ist das auch kein Beinbruch.“ Es kommt immer einem geschickten Balanceakt gleich, bestehende Kunden ebenso gebührend zu pflegen und dennoch neue Klientel anzuziehen. Für den Inbegriff von Tradition als Wachauer Weinbaubetrieb muss die Domäne Wachau zwar das verlässliche Urmeter von Rieslingen und Veltlinern bleiben und dabei doch neue attraktive Facetten entwickeln. Denn mit der mitgewachsenen Kundschaft hat sich auch der Weingeschmack verändert. So verzeichnet die „Steinfeder“, die leichtgewichtige erste Qualitätsstufe der Wachau, einen Rückgang, zwar auf hohemNiveau, aber immerhin. Die Mittelgewichtslage „Federspiel“ wiederum zählt seit Jahren zumWachstumssegment. Nicht umsonst bezeichnet Roman Horwath den Grünen Veltliner Federspiel Terrassen als den „Brot- und Butterwein“ der Domäne Wachau. Das höchste Qualitätslevel der Wachau, die Smaragde, verteidigen in der Verkaufsstatistik ein anhaltend hohes Niveau, das Segment wächst leicht, wird aber vom Federspiel überflügelt. A „Fanny“ Story. 19 gemütliche Minuten mit dem Auto weiter liegt Stratzing im Kremstal nördlich von Krems. Christian Mößlinger vom gleichnamigen Weinbaubetrieb ist zu verdanken, dass die Venus vom Galgenberg für die Winzer von Stratzing und die klimapositiven Mößlinger-Weine als „Fanny“ zur Weinbotschafterin wurde. Die kleine Figurine aus grünem Serpentin wurde nämlich 1988 haarscharf an der Grenze zu Krems-Rehberg gefunden, also ließ sich Mößlinger „Fanny“ patentrechtlich schützen und bewies damit Weitblick. Denn auch die Kremser erkannten alsbald das werbewirksame Potenzial der kleinen Lady, halt um ein Eutzerl zu spät, wie Mößlinger mit keckem Lächeln erzählt. Anfangs elf, sind es aktuell sieben Winzer, die die Vereinigung der „Fanny-Winzer“ bilden und die tanzende Venus als Markenzeichen und Symbol für eine schonende Produktion auf ihren Qualitätsweinen tragen. „Fanny ist unser Herzstück, ohne sie ginge nichts“, sagt Mößlinger und so steht die aufgrund ihrer tänzerisch anmutenden Haltung nach der österreichischen Ballerina Fanny Elßler benannte 7,2 cm große Figur und ältestes Kunstwerk Österreichs bei den Mößlingers für den neuen klimapositiven Weg, den auch bereits die junge Generation mitgeht. Während für den Vater „ein Wein schlank und süffig sein muss“, kümmert sich Sohn Georg um die schwereren Reserve-Weine, und beweist dabei ein goldenes Händchen. 18 verschiedene Weine erster Güte werden auf zwölf Hektar Weinbaufläche mit viel Liebe und Sorgfalt an – und ausgebaut. Logisch, dass der Grüne Veltliner als DAC oder Weinzierlberg die Hauptsorte bildet. Aber auch der Rote Veltliner ist fixer Sortimentsbestandteil, ein Erfolgsprodukt, wie Mößlinger sagt, „mit dem ich einfach umgehen kann und ohne den ich nicht auskäme.“ Dann natürlich ein Riesling und als Verschnittpartner für die Cuvée ein Müller-Thurgau. Als neuere Sorten ergänzen ein goldprämierter Sauvignon Blanc, ein Gelber Muskateller und bei den Roten ein Blauer Zweigelt in den Ausbaustufen Klassik und Barrique das Sortiment. Ja, und dann hat sich der gelernte Winzer irgendwann auch einen Blauen Burgunder eingebildet, der zwar nicht wunschgemäß reüssierte, aber mit dem fruchtigen Beerenaroma der Burgundertraube zu Der Schauweingarten von Winzer Krems bringt das Weinerlebnis genauso begeisternd näher wie „Sandgrube 13 wein.sinn“.

16 Weinwunder einem Rosè der süffig-leichten Spitzenklasse und letztlich auch zur „Fanny“ führte. Kohle fürs Klima. Egal jedoch obWeiß, Rot oder Rosè, leicht, klassisch oder schwer ausgebaut, in den Verkauf kommt nur, was dem Winzer selbst schmeckt, ansonsten wird’s nicht verkauft, sagt Mößlinger und nimmt einen genussvollen Schluck vom sanftgelb imGlas schimmernden Ried Hochsatzen der letzten Ernte. Ein wunderbarer wie besonderer Tropfen, der sich wohlig weich amGaumen ausbreitet und Lust auf mehr macht, dennmit diesemGrünen Veltliner und demZweigelt ist man, was die klimapositive Produktion vonWein betrifft, in Österreich, möglicherweise sogar weltweit, Vorreiter imWeingarten. Terra Preta nennt sich das Wunderding, das aus Pflanzenreststoffen erzeugt der Erde wieder zugeführt wird. Diese Pflanzenkohle, die Mößlinger von den Allgäuer Kohlekumpels bezieht, macht die Böden gegen klimatische Veränderungen resistenter und fördert zudemdie Artenvielfalt. Die Pflanzenkohle speichert Wasser, Nährstoffe und CO2 – dauerhaft. „Die Menge, die wir in denWeingarten einstreuen, basiert auf Berechnungen des IFES Instituts, wie viel CO2 bei der Weinproduktion freigesetzt wird und wieviel CO2 die Kohle speichert. Für uns bedeutet das, dass wir imWeingarten um 20 Prozent mehr CO2 speichernmüssen, als durch den Ertrag produziert wird. Messbar ist das ganz einfach an den Ertragszahlen“, erklärt Mößlinger. Eingebracht wird die klimafreundliche Terra Preta imHerbst bzw. Frühsommer, heuer möchte der Winzer die Pflanzenkohle spätestens imMai in den frisch umgebrochenen Boden ausbringen, weil sie sich da tiefer einarbeiten lässt. CO2 quasi wegtrinken, welch einfache, genussvolle, aber vor allem zielführende Methode mit hohemPotenzial zum Nachahmen, umder Natur Gutes zu tun. Vorsprung durch Technik. Vielleicht auch in somanch anderemBetrieb der Winzergenossenschaft Krems, der auchMößlinger als nachhaltig zertifizierter Betrieb angehört und wo er seit 1994 imAufsichtsrat sitzt. Dort in Österreichs größtemWeingut hat man zu Jahresbeginn eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Eine weitere zukunftweisende Investition: ImVordergrund der Investition stand nicht nur eine Kapazitätserhöhung – die neue Anlage ist mit 15.000 Flaschen um 20 Prozent leistungsfähiger –, sondern vielmehr eine weitere Qualitätssteigerung. „Sie ist auch ein Ausrufezeichen hinsichtlich Arbeitssicherheit sowie eines ressourcenschonenden Umgangs mit unserer Umwelt“, betont Obmann Florian Stöger. Es wurde kein Grünland verbaut, auf der Füllhalle thront ein Gründach und die Abfüllanlage wird, ebenso wie der Keller der Winzer Krems, mit einer 125-kWp-Photovoltaik-Anlage betrieben. Die Winzer Krems Der Sommerfrische. Eine weiße trockene Cuvée sowie ein halbtrockener Rosé zeichnen sich durch eine frische, intensive Duftigkeit aus. Grüner Veltliner Bio. Premiere bei Winzer Krems: Der Grüne Veltliner, Jahrgang 2021 mit 13,0 % vol. stammt aus biozertifizierten Weingärten. www.winzerkrems.at Domäne Wachau Grüner Veltliner Federspiel Terrassen. Das typische „Pfefferl“ erfrischt mit rassiger Struktur und toller Harmonie. Riesling Federspiel Bruck, Spitzer Graben. Ein balancierter, sehr eleganter Riesling mit Länge und Kraft. Grüner Veltliner Smaragd Achleiten. Eine der beeindruckendsten Lagen der Wachau. Punktet mit Mineralität, Raffinesse und einer extrem langen Lagerfähigkeit. www.domaene-wachau.at/de Music-&-WineEvent mit dem barocken Kellerschlössl im Mittelpunkt. © Domäne Wachau, Brigitte Charwat; Weine: Weingüter

www.domaene-wachau.at Energieversorgung ist vorausschauend von Gas auf Fernwärme umgestellt worden. In der Halle gibt es verbesserte Arbeitsbedingungen und dieWege sind kurz. Bis 2023 werden dann Keller, Weinabfüllung und Flaschenlager rundum erneuert sein. Mit einemBudget in Höhe von rund 37Millionen Euro wird so die Existenz und der Erfolg von 800Winzerfamilien nachhaltig gesichert. „Unsere fruchtig vinifiziertenWeiß- und Rotweine sind national und international ein Aushängeschild für den österreichischenWein und den nachhaltigen, schonenden Umgang mit Ressourcen“, gibt Sandgrube-13-Geschäftsführer Ludwig Holzer einen weiteren Hinweis, warumman sich über Millioneninvestitionen drüber traut. Für die neuen Bio-Weine hat man die komplette Produktion bio-zertifizieren lassen. In den nächsten Jahren will man den Anteil an Bio-Wein sukzessive steigern; zu den bereits bestehenden Bioflächen imAusmaß von sieben Hektar sind weitere ca. zehn Hektar Hektar derzeit in Umstellung. Dass man hier Weinkultur und die Beziehung zur Natur und Gesellschaft ernst nimmt, beweist der Erfolg des Weinerlebnisses „Sandgrube 13 wein.sinn“. Der durch Corona verstärkte Trend zu kurzfristigen Ausflügen in Österreich anstatt Fernreisen spielt dem beliebten Ausflugziel sicherlich auch in die Karten. Die lockdownbedingte Schließphase im Vorjahr hat man genützt und eine Station des Rundgangs völlig neu gestaltet: „Wein.Kosmos“ nennt sich der neu gestaltete Raum nach dem 4D-Kino im Keller. In 3D-Hologrammen zeigt sich die kulinarische Vielfalt von Grünem Veltliner und Co. Auf einer skyline-ähnlichen Videowand zeigen die Winzer-Krems-Weine ihre weltweite Präsenz und nehmen die Besucher mit auf eine Reise um den Erdball – und man wird erkennen, dass es kaumwo so schön ist wie zwischen Melk und Krems.  Weinbau Mösslinger Fanny vom Galgenberg. Der erste klimapositive Wein Europas als Grüner Veltliner und Rosé. Elemente aus verschiedenen Regionen, Früchten und Gewürzen kombiniert für ein einzigartiges Geschmacksprofil. www.moesslinger.at, www.fanny.wine Christian und Petra Mößlinger haben die Weinkultur im Blut und scheuen sich nicht vor innovativer Weiterentwicklung.

18 Eventtipp „Die Presse“-SCHAU: Jetzt Aussteller werden! Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr öffnet die Messe für anspruchsvollen Lifestyle erneut ihre Tore von 4. bis 6. November 2022 in der Marx Halle. Fixpunkt ist neuerlich die Themenwelt Reise – Traumurlaube für gehobenen Anspruch. „‚Die Presse‘-Schau wird imHerbst einen wesentlichen Akzent für das schöne Leben setzen, wir präsentieren unseren anspruchsvollen und qualitätsbewussten Leserinnen und Lesern eine Messe für den außergewöhnlichen Lebensstil“, so Rainer Nowak, Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der „Presse“. Auf die Besucher:innen warten in der Marx Halle in Wien auf über 5.000 m² verschiedene Erlebniswelten und kulinarische Schmankerl. Aussteller:innen präsentieren ihre Trends, Innovationen und Designs, die das Leben schöner, angenehmer und einfacher machen. Der exklusive Branchenmix sorgt für eine perfekte Synergie und ein harmonisches und rundum inspirierendes Ereignis für die Gäste der Messe. Themenwelt Reisen – exklusiv, individuell und einzigartig. In den Erlebniswelten Design, Uhren & Schmuck, Handwerk und Mobilität ist die Erlebniswelt Reise einzigartig vertreten und stellt auf ihreWeise einen besonderen Höhepunkt der Messe dar. Drei Tage lang präsentieren nationale und internationale Aussteller ihre Top-Reiseziele und Angebote. Die Besucher:innen erhalten Expert:innenTipps, ausführliche Beratung und Inspirationen für den perfekten Traumurlaub. Für die Aussteller 2021 war „Die Presse“- Schau allemal ein besonderes Erlebnis, betont etwa David Heidler von Akwaba Travel: „‚Die Presse‘-Schau war seit Pandemiebeginn die erste Möglichkeit unserer Wiener Kundschaft persönlich zu begegnen. Hier konnten wir in entspanntemAmbiente an neuen Reiseträumen feilen und unsere neuesten Traumreisen vorstellen.“ Und Helga Freund, Geschäftsführerin Ruefa und Vorständin Verkehrsbüro bestätigt: „‚Die Presse‘-Schau 2021 hat gezeigt, dass die Besucher:innen sehr interessiert an hochwertigen Reiseangeboten sowie an neuen, exklusiven Reisearten sind. Unsere Reiseexpert:innen waren ebenso begeistert, in diesemRahmen intensiv und umfassend beraten zu können. ‚Die Presse‘-Schau 2022 verspricht wieder eine tolle Kombination vieler schöner und exquisiterThemen zu werden – und wir sind zuversichtlich, dass die Besucher:innen imNovember 2022 ebenso wieder mit großer Urlaubssehnsucht und Fernweh kommen werden!“  Wer seine Expertise zeigen und exklusive, individuelle und einzigartigen Angebote präsentieren möchte, meldet sich bei Ursula Böhm unter: ursula.boehm@diepresse.com © „Die Presse“/Roland Rudolph; Bezahlte Anzeige „Die Presse“-SCHAU Wann: 04. - 06.11.2022 Wo: Marx Halle Wien Öffnungszeiten: Freitag, 04. November 2022 10:00 – 19:00 Uhr Samstag, 05. November 2022 10:00 – 19:00 Uhr Sonntag, 06. November 2022 10:00 – 18:00 Uhr Bei der „Die Presse“-Schau in der Marx Halle sind interessierte und kaufkräftige Besucher garantiert.

19 essenzielles Die kleinen Dinge machen das Leben so richtig schön. Gönnen Sie sich mehr Genuss. Locker am Stau vorbei Hopper. Aus Augsburg kommt ein innovativer Hybrid aus Fahrrad und Auto, der jetzt vorbestellt werden kann. Das Gefährt wird mit einem Lenkrad gesteuert, ein Elektroantrieb sorgt für ausreichend Geschwindigkeit. Dank seiner kompakten Bauart findet sich fast überall ein Platz zum Parken. Zugleich bietet die futuristische Fahrerkabine Schutz vor Wind undWetter. Gefahren werden darf auch auf Radwegen. Ein Führerschein wird nicht benötigt. Zum Marktstart wird der Hopper 7.299 Euro kosten. Ab 300 Euro kann eine Reservierung getätigt werden. Das Start-up bietet 800 Euro Rabatt für die ersten Modelle. hopper-mobility.com/vorbestellung Zeit für Upcycling Aikon #tide. Die neue Uhrenlinie von Maurice Lacroix ist das Produkt der Zusammenarbeit mit #tide, einem Schweizer Unternehmen, das weggeworfenen Plastikmüll aus den Ozeanen fischt. Daraus entsteht dann ein Verbundstoff, der doppelt so hart ist wie gewöhnliches Plastik und fünfmal widerstandsfähiger. Darüber hinaus liegt seine Kohlenstoffbilanz sechsmal unter der von PET. Neben ihren leuchtenden Farben in acht Varianten und ihrem Gehäuse verfügt die AIKON #tide über ein Zifferblatt mit „Vague du Jura“-Motiv, das stilvoll die Wellen des Ozeans symbolisiert. Die Uhr ist zudem wasserdicht bis 100 Meter. www.mauricelacroix.com/ch_en Meisterwerk 4X50 R.N.P. Finely Distilled Superior Rum. Hans Reisetbauer hat gemeinsam mit drei Freunden den weltweit ersten Super-Premium-„Social Rum“ kreiert. Der „4X50“ ist zu 82 Prozent Eigenprodukt, gereift in Yspertaler Eichenfässern in Axberg. Zu 18 Prozent wird der SuperPremium-Rum mit handverlesenen Rumsorten aus zwei jamaikanischen Destillerien sowie jeweils einer Destillerie aus Guyana, Nicaragua, Venezuela und Guatemala verblendet. Durch den sehr geringen Zuckergehalt von drei Gramm Zucker pro Liter kommen die fruchtigen, rauchigen und puren Zuckerrohrnoten voll zur Geltung. Der „4X50 R.N.P. Finely Distilled Superior Rum“ ist bei KattusBorco erhältlich. www.reisetbauer.at, www.kattus-borco.at Der Duft von Gemüse Vegetarisch genießen. Sternekoch Andreas Mayer („Mayer’s Restaurant“ auf Schloss Prielau in Zell am See und „menschmayer“ in Saalfelden) präsentiert sein erstes vegetarisches FineDining-Kochbuch und erfüllt sich damit einen lang gehegten Herzenswusch. Mit vielseitig raffinierten Rezepten und seiner einzigartigen Verbindung zur Welt der Aromen schickt er die Leser auf eine Genussreise der Sinne. Die vegetarische Küche kann „sowohl fein und leicht als auch kräftig deftig sein“ und biete damit unendliche Möglichkeiten, so Mayer. Andreas Mayer: Der Duft von Gemüse – Vegetarische Gerichte für Genießer. Matthaes-Verlag. 240 Seiten. 51,30 Euro. ISBN 978-3-98541-053-8 © Hopper Mobility, Kattus-Borco, Maurice Lacroix, Matthaes

20 Sterne über Portugal Von Brigitte Charwat 30 Jahre elegante Ungezwungenheit und exquisite Kulinarik im luxuriösen Vila Vita Parc sind auch 37 Jahre Österreich. Denn eine kongeniale Kärnten-Tirol-Connection gehört zu dieser feinen Adresse an der Algarve wie die Sonne zu Portugal einfach dazu. © Vila Vita Parc (3) Die Vision von Einzigartigkeit

21 Luxuswelten Der eine managt in legerem Sneakers-Look das 22 Hektar große Resortareal mit mehr als 203 eleganten Gästezimmern, Suiten und Villen und allem, was für ein Luxushotel dieser Dimension dazugehört. Der andere ist einer der besten Köche Österreichs und kulinarischer Kosmopolit, Chef des ZweiMichelin-Sterne-Aushängeschilds. Die Rede ist vom Kärntner Kurt Gillig und dem Tiroler Hans Neuner – der eine General Manager, der andere Executive Chef –, die das noble Haus an einem der schönsten Strände Portugals mit großer Leidenschaft und vielleicht auch mit der demÖsterreicher imHotel- und Gastronomiebereich angeborenen Selbstverständlichkeit zum herausragenden Resort Portugals gemacht haben. „Diskretion gehört zu unserem Leitbild und Selbstverständnis. Wir machen keinen Wirbel um unsere honorigen Gäste, stehen auch nicht in der Yellow Press,“ so Kurt Gillig, der vor nunmehr 22 Jahren ins Vila Vita Parc nach Portugal kam, wo er nicht nur die Frau fürs Leben, sondern auch seine Berufung gefunden hat. Portugal, der „exotische“ Teil Europas. Dabei wusste der damals 31-jährige Lavanttaler, wie er erzählt, nicht wirklich viel über das Land am letzten Zipfel Europas. „Mein Wissen beschränkte sich auf Portwein, Estoril und die Formel 1 und durch meinen damaligen Job in Kärntner Hotels mit vielen Golfern als Gästen wusste ich noch, dass die Algarve mit vielen Top-Golfplätzen verbunden wird. Man kann also nicht sagen, dass ich Portugal kannte.“ Damit ging es Gillig wie damals vielen seiner Landsleute und selbst heute, 30 Jahre später, hat Portugal bei österreichischen Urlaubern noch immer den Nimbus des eher „exotischen“ Europas. Aus der Welt ist das Vila Vita Parc deswegen aber nicht. Wie die aktuell starke Nachfrage und fast schon rekordverdächtige Buchungseingänge zeigen, ist man nach Monaten pandemiebedingter Einschränkungen und strikten Restriktionen, die eine ordentliche Stornowelle nach sich zogen, wieder in der Spur. „In der Mandelblüte ist die Algarve besonders schön, auch nach 22 Jahren ist es für mich Tag für Tag ein Traum“, so Gillig, der, wie er sagt, sich sehr glücklich schätzt, an einem Platz leben und arbeiten zu dürfen, an dem viele Menschen für viel Geld ihren Urlaub verbringen. „Ich bin in das Land verliebt, wenn man nach Portugal kommt, wird man mit offenen Armen empfangen. Ich habe hier meine Frau kennengelernt und mein Sohn ist hier geboren“, schwärmt Gillig, will aber die Liebe zu Portugal ganz und gar nicht so verstanden wissen, dass es in Österreich nicht minder schön und lebenswert ist. „Österreich ist ein wundervolles Land mit fantastischer Kultur, Landschaften und großem Brauchtum. In Portugal ist es halt eine andere Art von Leichtigkeit. Heute ist heute, morgen ist morgen und übermorgen ist noch ganz weit weg.“ Eben diese Lebensweise des südländischsten aller Europäer, der ein sehr fleißiger und produktiver Mensch mit hohem Bildungsniveau ist, ist, was Gillig nicht bloß beeindruckt hat, sondern auch eine der wesentlichen Säulen, auf dem der Erfolg von Vila Vita Parc gebaut ist. (K)eine Frage der Chemie. Die Hardware eines Top-Hotels ist heute kein großes Unterscheidungsmerkmal mehr, da hat der Kunde an ein Fünf-Sterne-Hotel automatisch eine hohe Erwartungshaltung. Gillig geht es um Authentizität im Service, also die Art, wie man sie dem Gast darbringt. Daher kommt den Mitarbeitern, die eigentlich Familienmitglieder sind – nennt sich doch das Unternehmen aufgrund seines familiären Umgangs Vila Vita Family – die Hauptrolle zu. Und Kurt Gillig quasi als „Familienoberhaupt“ schaut seit dem ersten Tag in seiner Führungsposition darauf, dass die Chemie zwischen den Gästen und Mitarbeitern, aber vor allem auch unter den Mitarbeitern stimmt. Und die stimmt, das belegt das stabil gute Gästefeedback: „Die Mitarbeiter sind unser Schatz, sie machen mit ehrlicher Freundlichkeit und Natürlichkeit und der authentischen Darstellung dessen, was wir sind – ein Urlaubsresort und kein Businesshotel –, den Aufenthalt für den Gast perfekt.“ Ganz ohne Schulbuch-Schulungen und starren Trainings, davon hält der Managing Director nicht viel. „Wir sind zwar ein großes Haus, aber kein Konzern- oder Kettenhotel. Wir arbeiten alle für den Eigentümer, die Familie Pohl, und eben diese Familiarität spiegelt sich in Loyalität und einer hohen Identifikation mit dem Haus.“ Dass es aber ohne regelmäßigem Austausch nicht geht, ist logisch, der kann aber auch beim gemeinsamen Mittagstisch, bei dem sich Kurt Gillig leger unter die Crew mischt, in gemütlicher Runde stattfinden. „Ebenso wenig wie ich ein Hoteldirektor bin, der mit Anzug und Krawatte aus dem schicken Büro agiert, brauchen wir steife Schulungen, um dem Personal zu vermitteln, wie sie wann und wo mit dem Gast zu kommunizieren haben. Sie müssen nur die Philosophie von Vila Vita verstehen, das ist, was ich vom ersten Tag in meinen ungezwungenen Briefings vermittle.“ In Zusammenarbeit mit der Deutschen Handelskammer hat Kurt Gillig dennoch vor mehr als 20 Jahren ein duales Ausbildungssystem initiiert, um dem Hotel- und Gastronomie-Nachwuchs bereits in der Lehre wichtige Praxiserfahrung zu ermöglichen. Denn in Portugal sieht die dreijährige Ausbildung zum Koch- und Kellner im Gegensatz zu Österreich nur drei Jahre „Wir haben das große Glück, dass wir mit der Unterstützung der Familie Pohl jenen monetären Spielraum haben, um unsere Ideen zu verwirklichen.“ Kurt Gillig Über Vila Vita Parc Das mehrfach ausgezeichnete Vila Vita Parc Resort & Spa gehört zur deutschen Vila Vita Hotel Gruppe der Familie Pohl, wurde 1992 eröffnet und ist als zu den Leading Hotels of the World zugehörig eines der Top-Resorts in Portugal. Es verfügt über 203 Gästezimmer, Suiten und Villen, bietet in sechs Bars und elf Restaurants, darunter das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete „Ocean“, höchste kulinarische Genüsse. Ein ganzheitliches Verwöhnprogramm wird im 1.600 m2 großen Vila Vita Spa by Sisley geboten. Seit 1997 zählt auch das Landgut und Hotel Herdade dos Grous im portugiesischen Alentejo zum Vila Vita Portfolio. www.vilavitaparc.com

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