hotel&touristik essenz 03/2022

33 Leadership Sie sind als echter Quereinsteiger zu den Casinos Austria geholt worden, mit 20 Jahren Managementerfahrung in großen Industrie- und Handelskonzernen, wie ist es Ihnen ergangen? Ich bin sehr gut aufgenommen worden, was für einen Quereinsteiger nicht selbstverständlich ist. Wann immer man wechselt, muss man zunächst bereit sein, viel zuzuhören, zu lernen, nicht zu schnell eigene Meinungen artikulieren. Außerdemmuss man sehr viel Zeit investieren, möglichst schnell fachliche Kompetenz aufzubauen. Was war Ihre Herangehensweise? Die Casinos Austria sind ein starkes People Business. Gerade in den ersten Monaten war es für mich essenziell, die zwölf Betriebe und ihre Führungskräfte im operativen Geschäft kennenzulernen, dazu die Kolleg:innen in den Zentralfunktionen, weil es ja darum geht, neue Strategien und Visionen zu entwickeln, denn das Geschäft hat sowohl unter den veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen wie unter Corona gelitten. Wir wollen nicht nur unsere Stammgäste zurück bringen, sondern auch neue und jüngere Zielgruppen ansprechen und haben dafür schon neue Produkte und Dienstleistungen kreiert. Sie haben mit Markenartikelindustrie, Handel und Freizeitwirtschaft sehr unterschiedliche Branchen erlebt. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es? Wenn man neu in eine Branche kommt, ist es wichtig, dass man aus dem Erfahrungsschatz der anderen schöpfen kann. Als Quereinsteiger ist man ja auf alle Fälle mal offen für neue Ideen. Ich glaube, in allen Branchen gilt aber als oberste Prämisse: Wie gehst du mit den Menschen und den Teams um? Man muss mit dem Team konkrete Strategien entwickeln und in Ziele herunterbrechen. Und man muss allen transparent machen, welche Ziele verfolgt werden. Was ebenfalls in allen drei Branchen gilt, ist der Stolz der Mitarbeitenden, auf ihr Produkt, ihre Marke. Und Handel und Freizeitwirtschaft haben im Gegensatz zur Industrie die direkte Rückkoppelung zumGast bzw. Kunden, was mir besonders viel Freude macht. Und beide Branchen erlauben in der Führungsebene mehr Gestaltungsspielraum als internationale Industriekonzerne. Welche Unterschiede sind Ihnen zum Handel aufgefallen? In der Freizeitwirtschaft kommt noch ein entscheidender Faktor hinzu: die Emotion. Die Faszination eines Casino-Besuchs für den Gast spürt man direkt vor Ort beim Spiel und bei der Konsumation. Ist sicher spannender als beim Bipa Waschmittel einkaufen? Es ist nicht meine Tätigkeit spannender, sondern die Erfahrung des Gastes emotional spürbarer. Braucht es für die verschiedenen Branchen unterschiedliche LeadershipEigenschaften? Diese Frage habe ich mir schon beimWechsel zu den Casinos gestellt und nach sieben Monaten kann ich sagen: Die Anforderungen sind ähnlich, es geht um gemeinsames Entwickeln von Strategien und transparente Kommunikation. Dafür muss man manchmal auch neue Formate entwickeln, um alle Mitarbeitende zu erreichen. Gekommen, um zu gestalten Der entscheidende Faktor Emotion Von Dagmar Lang Thomas Lichtblau ist seit 20 Jahren im Top-Management tätig, seit September 2021 als Managing Director bei den Casinos Austria. Der Entdecker von „alles gurgelt“ bei Bipa schätzt die Emotion, die sein neues Business mit sich bringt. Als begeisterter Tennisspieler weiß er, wie wichtig ein gutes Team ist. „Alle, die glauben, sie retten die Welt allein, sind überholt.“

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