hotel&touristik essenz 03/2022

48 Leadership Nach Corona hat die Branche wegen des Krieges innerhalb kurzer Zeit bereits die zweite Krise zu bewältigen. Auch dieser Einbruch ist überaus heimtückisch, denn niemand kann sich ihm einfach entziehen. Die Unternehmen können sich weder von höheren Energiepreisen noch von teureren Lebensmitteln oder Vorprodukten abkoppeln. Das Geschehen auf demWeltmarkt macht vor niemandem halt. Alle Herkunftsmärkte sind von denselben Preiserhöhungen betroffen. Das Leben wird teurer und das verfügbare Freizeit- und Urlaubsbudget kleiner. Wenn die Verbraucher:innen mehr Geld für Energie, Treibstoffe, Heizung und Strom aufwenden müssen, wie viel bleibt dann für den Urlaub übrig? Und hier liegt der Unterschied zu vielen Krisen, die es auch vorher bereits gab: Trotz großer Reiselust und wiedergewonnener Freiheiten wird es zu einer Stagnation der Nachfrage kommen. Das Heimtückische dabei ist, dass zur gleichen Zeit verschiede Teuerungen im Betrieb zuschlagen. Das Betriebsergebnis kommt dadurch von mehreren Seiten unter Druck (Nachfrage über Auslastung und Preis vs. Kostenanstieg). Energie. Die Inflation erreichte schon im März, einen Monat nach dem Einmarsch der russischen Armee, schwindelerregende Höhen: Strom plus16,5 Prozent, Erdgas plus 71,9 Prozent und Heizöl plus 118 Prozent. In Österreich werden Hotelbetriebe zu rund einem Viertel mit Gas und weitere 40 Prozent mit Öl beheizt. Der Kostenanstieg für Energie ist für viele Hotelbetriebe nicht sofort spürbar und wirkt sich insbesondere bei Gas und Öl erst zeitverzögert aus – nämlich dann, wenn die Öltanks wieder gefüllt oder die Gasverträge verlängert werden müssen. Folgende Maßnahmen sollten zur Optimierung des Energiehaushaltes rasch umgesetzt werden: „„ Tiefgreifende Betriebsoptimierung mit Blickrichtung Energie „„ richtige Raumtemperatur „„ regelmäßige Reinigung und Wartung der Heizanlagen und Thermostatventile „„ Umstellung der Beleuchtungssysteme „„ stockweise Belegung der Gästezimmer „„ Einsatz alternativer Energieformen Lebensmittel. Für den Tourismus ist die Teuerung bei den Lebensmitteln natürlich sehr relevant. ImMärz kosteten Nahrungsmittel um 6,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Teurer wurden vor allem Brot/ Getreideerzeugnisse (+ 7,2 %), Weizenmehl (+ 19,7 %), Fleisch und Fleischwaren (+ 4,1 %), Geflügelfleisch (+ 8,9 %), Milch (+10,6 %), Öle und Fette (+ 13,3 %), Kaffee (+ 12,3 %) und Gemüse (+ 10,8 %). Mitarbeiter. Die Beschäftigten imHotel- und Gastgewerbe erhalten ab Mai 2022 im Schnitt um 3,7 Prozent mehr Geld. Außerdem fehlen noch viele Mitarbeiter:innen am touristischen Arbeitsmarkt, was wegen der Verknappung ebenfalls die Lohnkosten erhöht. Um- und Neubau. Mit demUkraine-Krieg und den Sanktionen ist Bauen nochmals teurer geworden. Der Baukosten-Index hat schon 2020/21 aufgrund der Verzögerungen in den Lieferketten um über 13 Prozent zugelegt. Viele Zulieferer kämpfen bereits seit Corona mit Lieferengpässen und hinken seitdem beim Abarbeiten von Aufträgen hinterher. Zinswende. Und nun steigen auch noch die Zinsen. Immer mehr spricht dafür, dass die Zeit von Null- und Negativzinsen zu Ende geht. Darauf muss sich die Branche einstellen. Lange lagen die Kreditzinsen unter einem Prozent, und daran hatte man sich schon fast gewöhnt. Doch das ist nun Vergangenheit. Das hängt damit zusammen, dass die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen, die relevant sind für die Bepreisung von Krediten, in der letzten Zeit deutlich gestiegen sind. Wie umgehen mit Preissteigerungen? Auch wenn nach zwei Jahren gefühlt endlich wieder ein „Urlaub wie früher“ möglich scheint, werden sich die Urlaubsangebote zwangsläufig verteuern. Die Kostenerhöhungen kann ein Betrieb nicht mehr alleine schlucken, er muss die steigenden Kosten weiterreichen. Als Ergebnis müssen die Preise angepasst werden. Doch dies muss mit Bedacht geschehen und unter Berücksichtigung dessen, was die Gäste mitzutragen bereit sind. Exemplarisch sei dargestellt, welche Preissteigerung bei angenommenen Kostensteigerungen notwendig ist, um das operative Betriebsergebnis (GOP) zu halten. Bei Steigerungen der Personalkosten (+ 8 %), des Wareneinsatzes (+ 15 %) und des Energieaufwandes (+ 25 %) muss der durchschnittliche Zimmererlös (netto, bei gleichbleibender Auslastung) um zwölf Prozent gesteigert werden, um das gleiche Betriebsergebnis zu erreichen. Preiserhöhung sind also wahrlich alternativlos. Allerdings ist die Erhöhung der Preise nur eine Seite der Medaille. Es geht um genaues Umsatz- und Kostenmanagement. Darauf abgestimmt muss man die eigene Das Comeback verzögert sich Stagnation & Teuerung Von Thomas Reisenzahn Im Tourismus explodieren wegen des russischen Krieges in der Ukraine die Kosten. Die Folgen sind Preissteigerungen auf breiter Front. Vieles, was den Betrieben im Sommer 2022 möglich schien, wird brutal ausgebremst. Und die Verbraucher:innen werden sich den höheren Preisen nicht entziehen können.

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