hotel&touristik essenz 03/2022

50 schlussworte n.vejnoska@manstein.at traveller-online.at „Ein fragliches Bild, wenn Frauen zum schmückenden Beiwerk degradiert werden – ihre Stärken damit achtlos vergeudet.“ Nadine Vejnoska, Redakteurin hotel & touristik essenz Vorbild gesucht Zum 14. Mal gab es in dieser Regierung einen Wechsel an einer Ministeriumsspitze. Die neue Volkspartei kann sich gar nicht oft genug neu erfinden, und während Van der Bellen aus demAngeloben nicht mehr herauskommt, sorgt die Verabschiedung von Elisabeth Köstinger für wenig bleibenden Eindruck. Ihre Arbeit für und mit dem Tourismus, die ohne Zweifel von den Vertretern der Branche wertgeschätzt und als unverzichtbare Stütze galt, steht nicht zur Debatte. Vielmehr hinterlässt ihr Rücktritt einen faden Beigeschmack. In einer Branche, die sich durch eine relativ hohe Frauenquote in Führungsetagen auszeichnet, gab sie dafür wenig Vorbildwirkung her. Denn dem Frauenbild tat sie wenig Gutes. Das Image der willigen Befehlsempfängerin trug sie stolz, wenn sie den Altkanzler in Postings noch zusätzlich überhöht („Danke, Sebastian Kurz, was du für unser Land und die Menschen in dieser schwierigen Zeit leistest“). Ihr Rücktritt tat das Übrige, der Abschiedsschmerz sei der Grund. Wenn Kurz geht, geht sie auch, gab sie unumwunden zu und zementiert den Auftritt der getreuen Gefolgsfrau. Viel Profil sucht man also vergebens. Die Chance, gerade in einer konservativen Wählerschicht das Bild einer modernen, unabhängigen und starken weiblichen Persönlichkeit zu etablieren, ist folgenlos vertan. Dabei senden gerade Politiker:innen mit ihrem öffentlichen Auftreten und Verhalten entscheidende Signale, die maßgeblich zumGesellschaftsbild beitragen können. Stattdessen werden festgelegte Rollenbilder fortgeführt, die Frauenquote zumAufputz männlicher Egos missbraucht. Wenn es schon an der Spitze des Staates nicht funktioniert, „lenkbare“ Ministerinnen ausgewählt werden, um den Frauenanteil zu erhöhen, wie soll man sich dann langfristig auf eine Gleichberechtigung der Geschlechter in der Gesellschaft einigen? Ein fragliches Bild, wenn Frauen zum schmückenden Beiwerk degradiert werden – ihre Stärken damit achtlos vergeudet. Wo eine Quote für Chancengleichheit und Gleichstellung zum Zwecke der Diskriminierung ausgenutzt wird, kann kaum eine Veränderung tragender Machtverhältnisse stattfinden. Unterschwellig bleibt das Gefühl, weibliche Arbeitskraft stehe auf schlechteren Beinen. Eines der frauenpolitischen Themen, die seit der Corona-Pandemie in der Politik nur mehr wenig Beachtung finden. In Hinblick auf den Fachkräftemangel im Tourismus zeigt sich deutlich, welches Potential – und auch welche Missverhältnisse – noch dahinterstecken. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, weil Haushalt und Familie noch immer nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind. Der Trend der Selbstoptimierung kann da wenig ausrichten – angetrieben durch Bilder auf Social Media, wie andere es stets besser machen, als man selbst. Langfristig bringt das keine Super-Power, sondern eher einen Super-Burnout. Es fehlt an Unterstützung, Kinderbetreuungsangebote, einem gesellschaftlichen Umdenken. Dass das ein reines „Frauen“-Thema und -Problem war, ist und wohl auch noch länger bleiben wird, hängt nicht zuletzt an gefestigten Vorstellungen von Erziehung und seiner unmittelbaren Verknüpfung mit dem weiblichen Geschlecht ab. Da wird der ein oder andere Quotenmann in der nächsten Baby-Werbung auch nicht dran rütteln. Die Kindererziehung ist nicht die „natürliche“ Aufgabe der Frau, der Mensch hat sich schon zu lange von der Natur entfernt. Der Erfolg im Beruf bleibt damit jenen vorbehalten, die entweder bereits Kinder haben, die schon groß sind, oder die keine Kinder wollen. Sind das dann Vorbilder, wenn die Bedingungen nach wie vor ungleich sind? Jung gedacht © Sabine Klimpt

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