hotel&touristik essenz 03/2022

8 GEHSPRÄCHE Diese Frau inspiriert. Das erzähltenmir durchwegs alle, die mit ihr zu tun haben. Wie diese erfolgreiche Persönlichkeit, die Geschäftsführerin der Schultz-Gruppe und WKÖ-Vizepräsidentin ist, tickt, durfte ich dann innerhalb kurzer Zeit bei zwei Gelegenheiten erleben. Zunächst imRahmen einer Pressereise nach Hochfügen imRahmen eines Skitags und der Einkehr in dieWedelhütte Hochzillertal – ein exklusives Refugium auf 2.350Metern Seehöhe. Ein Konzept, das sie gemeinsammit ihremBruder Heinz wie so oft gegen die Meinung von Besserwisser:innen erfolgreich etablierte. Dort mit Blick auf die winterlichen Gipfel der Tiroler Berge erzählte sie uns von der Gourmetidee in luftiger Höhe und den jüngsten Bemühungen, denWintersportwochen neues Leben einzuhauchen. Die Zeit nahm sie sich für uns, obwohl sie erst amTag davor von einer anstrengenden Reise mit einer Wirtschaftsdelegation aus São Paulo zurückgekehrt war. Das, was Martha Schultz tut, macht sie gerne und hat Bedeutung. Es dient nicht dem Selbstzweck oder der Karriereplanung, sondern der Sache. „Mir geht es weniger um Karriereschritte, sondern um Ziele, die ich mir gesetzt habe und erreichen möchte“, erzählt sie ein paar Wochen später beim GEHspräch in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in der Wiedner Hauptstraße in Wien. Von Martha Schultz hört man kein Politikersprech, sie argumentiert immer sachlich und faktisch. Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar, auch und vor allem Entscheidungsträgern. „Meine Motivation ist heute noch dieselbe wie 1983, als ich begonnen habe, mich beimNetzwerk ‚Junge Wirtschaft‘ zu engagieren: Ich möchte mich für die Interessen aller österreichischen Unternehmen – und natürlich speziell für jene der Unternehmerinnen – einsetzen und etwas bewegen“, betont sie. „Unternehmerin und Interessenvertreterin mit Leib und Seele“. Das war schon immer so, das Kämpferische liegt ihr im Blut. Eine dicke Haut erarbeitete sie sich im Familienunternehmen, wo sie sich ab den 1980ern gegenüber Vater Heinrich sen., der 2004 im Alter von 63 Jahren verstarb, behaupten musste. Kinder wehren sich gegen Regeln und testen Grenzen aus, das ist normal, in einem großen Familienbetrieb kann das schon einmal ungewöhnlich ausfallen: Einmal kaufte Martha mit ihrem Bruder Heinz ohne das Wissen des Patriarchen ein Hotel imOrt. Der war naturgemäß wenig erfreut, dann aber doch stolz, dass die beiden damit Erfolg hatten. Wie Wirtschaft funktioniert, diese Erfahrungen holte sich die Absolventin der Tourismusschule Klessheim früh. Ins gemachte Bett konnte sie sich nicht legen, als alleinerziehende und berufstätige Mutter, die gleichzeitig Unternehmerin ist, schulterte sie mehr Verantwortung als nur für sich selbst. „Das war für mich – wie für alle alleinerziehenden Mütter – enorm schwierig“, blickt sie imGEHspräch in der Christoph Leitl Lounge zurück. Vor mehr als 30 Jahren stellte sie deshalb im Zillertal die erste private Kinderbetreuung in Tirol außerhalb Innsbrucks auf die Beine. Gegen alle Widerstände im Sinne von „wer braucht das“ und „was bringt das“. Man kennt es leider. Schultz boxte sich durch. Weil sie wusste, das bringt was und das braucht man. „Ein Tiroler Unternehmer sagte mir damals, so eine wie dich hätte man früher am Scheiterhaufen verbrannt“, erzählt Martha Schultz, wie verdreht sich mancher Mann die Welt zusammenzimmert. So eine Aussage macht betroffen, „aber das hat mich motiviert, noch mehr weiterzubringen“, verrät sie. Schultz ist nämlich niemand, die sich einschüchtern lässt und vor allem voraus- und nicht zurückblickt. Sie resümiert über die Zeiten als alleinerziehende berufstätige Mutter: „Heute kann ich sagen: Es geht nicht ohne gutes Zeitmanagement und verlässliche Mitarbeiter:innen. Und manchmal muss Erfolgreiche Unternehmerin, engagierte Interessensvertreterin und Vorkämpferin für bessere Chancen für Frauen und Frauenkarrieren: Martha Schultz. © Thomas Suchanek / elephant and porcelain / hotel & touristik essenz

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