hotel&touristik essenz 03/2022

man auch seinen eigenen Perfektionismus herunterschrauben.“ Den energiegeladenen Einsatz für eine bessere Kinderbetreuung hat sie in all den Jahren nie abgelegt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nämlich noch immer und insbesondere für Frauen eine große Herausforderung – beschönigend ausgedrückt. Die Unternehmerin setzt sich mit ganzer Kraft für flexible, qualitätsvolle Kinderbetreuung, flächendeckend in ganz Österreich, vomNeusiedler See bis zum Bodensee, ein. In der WKÖ-Zentrale selbst hat sie ein BestPractice-Modell etabliert. Was am 1. Februar 2020 mit 13 Kindern in Zusammenarbeit mit KIWI (Kinder in Wien) begann, bietet heute 35 Kindern von Mitarbeiter:innen, Mitgliedern und Familien in der Umgebung beste Betreuung. Die Warteliste ist lang. Die jungen Menschen erhalten eine bilinguale Förderung, schnuppern in MINT-Fächer, lernen kochen und den Wert von Bioprodukten schätzen, haben ein Labor zur Verfügung, bekommen Finanzwissen. Wie wichtig sinnstiftende Pädagogik von klein auf ist, beweist leider die Erfahrung in der Praxis, wie es um Österreichs Schulsystem bestellt ist. In den Küchen der Betriebe der Schultz-Gruppe werken Mitarbeiter:innen aus elf Nationen, kommuniziert wird auf Englisch, „wer bei der englischen Kommunikation leider oft schwer mithalten kann, sind unsere österreichischen Lehrlinge“, erzählt die Unternehmerin. Auch wenn sich die Situation in Österreich insgesamt verbessert hat, sind die Ziele bei Weitem nicht erreicht: Es gibt zu wenig Betreuungsplätze, insbesondere für Kinder unter drei Jahren. Und die Öffnungszeiten stimmen nicht mit den Arbeitsrealitäten berufstätiger Eltern überein, hält Schultz fest. Im Tourismus, wo auch amWochenende und besonders in den Ferienzeiten gearbeitet wird, ist die Situation noch dramatischer. „Hier braucht es dringend flexible ergänzende Möglichkeiten!“ Bessere Lösungen scheitern wie so oft am falsch verstandenen Föderalismus. Die Verantwortung wird hin und her geschoben, von den Ländern an die Gemeinden und zum Bund. Natürlich geht es auch um die Finanzierung. „Genauso wichtig, wie in ein Feuerwehrhaus oder einen Fußballplatz zu investieren, ist es, genügend Geld für Kinderbetreuung in die Hand zu nehmen. Wenn uns das gelingt, würde die Welt schon ganz anders ausschauen“, pocht Schultz auf mehr Verständnis. Sie verspricht, dran und hartnäckig zu bleiben. Jedes Kind, das einen Platz in einer Kinderbetreuung braucht, soll auch einen erhalten. „Wir sind uns diesbezüglich auch als Sozialpartner einig. Ich sage es jedem, ich gebe nicht auf.“

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