hotel&touristik essenz 04/2022

Alles Gute, Grünes Herz! © Steiermark Tourismus | Tom Lamm www.steiermark.com/gruenes-herz traut sich instinktiv zu bewegen“, scherzt sie. Schlussendlich erledigt sie auch diesen Job hochprofessionell. Eigene Wege finden. Obwohl Jahrgang 1955, ist sie seit vielen Jahren sehr technikaffin, kann sich für digitale Lösungen wie Speisekarten und Spa-Menüs am iPad begeistern. Sie ist nicht zuletzt deshalb der Überzeugung, dass der Tourismus durch den Einsatz von gezielter Digitalisierung stärker werden kann. „Unsere herzliche Gastfreundschaft gepaart mit wunderbarer Landschaft und Kulturangeboten macht den Tourismusstandort Österreich aus. Die Digitalisierung kann – bei richtigem Einsatz – gerade in diesem Bereich zur Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit führen.“ Das einheitlich digitale Gästeblatt für ganz Österreich will sie als Nächstes finalisieren – wenn die Hürden des Systems es zulassen. Dass sie imMinisterium von Martin Kocher angesiedelt ist, der nicht nur familiär bedingt – sein Vater Edi war langjähriger Direktor des Tourismusverbandes AltenmarktZauchensee – etwas vomTourismus versteht, sondern auch die Arbeitsmarktagenden überhat, sieht sie als Vorteil. Kritiker:innen, die bei ihrer Bestellung meinten, als Hotellerie-Interessenvertreterin müsse sie erst lernen, weitere Branchenbereiche zu vertreten, nimmt sie denWind aus den Segeln. „Erstens, ich bin ‚auch‘ eine Hotelière! Ich habe lange und intensiv in der Tourismusberatung gearbeitet, wo es um den gesamten Tourismus ging. Ich war immer schon in der Gesamtkoordination aller touristischen Player involviert“, so die erfahrene Managerin, die weiß, wie man sich schnell an neue Situationen anpasst und Strukturen verinnerlicht. Mit der Angelobung zur Staatssekretärin hat sie alle Geschäftsführungen und Aufsichtsratsmandate niedergelegt. Und natürlich auch ihre Funktion als Obfrau des Fachverbands der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, die sie seit 2018 innehatte. Zur Interessenvertreterin wurde sie schon Mitte der 1990er Jahre in der WKNÖ. Dem europäischen Dachverband des Gaststättenwesens Hotrec – Hotels, Restaurants & Cafés in Europa stand sie von 2015 bis 2018 als Präsidentin vor. Diese „politische“ Erfahrung kommt ihr gepaart mit der Expertise imTourismus in der neuen Rolle zugute. Vergangenheit und Zukunft. Ebenso vorteilhaft ist ihre prägnante Eloquenz, mit der sie gerade während der Pandemie in vielen öffentlichen Auftritten auffiel. In der Kritik mancher Regierungsmaßnahmen hat sie sich da nie ein Blatt vor den Mund genommen. Bei steigenden Fallzahlen und im Angesicht einer Sommerwelle und der Sorge vor einemweiteren großen Coronacomeback imHerbst ist die Politik gefragt, frühzeitig richtige Antworten zu finden. Neuerliche Lockdowns sollen das nicht mehr sein, ist der Wunsch der Wirtschaft und großer Teile der Bevölkerung. „Es ist allen bewusst, dass ein Lockdown nur ein allerletztes Notmittel sein kann“, weiß KrausWinkler. Man habe gelernt, dass Länder wie die Schweiz oder Schweden, die nur partielle Einschränkungen setzten, mindestens gleich gut durch die Krise kamen. „Das Überschießende, glaube ich, gehört der Vergangenheit an.“ Die Erfahrungen aus der Praxis und Interessenvertretung bringe sie daher permanent in Gesprächen mit den Kolleg:innen der Regierung ein. Es braucht Kontinuität bei den Entscheidungen und Maßnahmen, kein undurchschaubares Vor und Zurück. Es ist ein anderer Umgang mit Covid nötig und möglich, weil man Präventionsmaßnahmen gelernt hat. Obwohl sie ihre Hunde, ihr Pferd und ihre Rosen liebt, soll das nicht der alleinige Zeitvertreib für ein Leben nach der Politik sein. „Mein Know-how, mein Netzwerk, meine Kontakte – das möchte ich dann schon wieder wo einbringen“, sagt Kraus-Winkler und hofft, dass dieser Wunsch ebenso in Erfüllung geht wie der Vorsatz, Familie und Freunde nicht zu vernachlässigen. 

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