hotel&touristik essenz 04/2022

22 Die neue Mobilität E-Mobilität in Fahrt Der Trend ist unumkehrbar, auch weil der gesellschaftliche Druck immer größer wird. Das Ende der Verbrennungsmotoren im Individualverkehr ist eingeläutet. Gastgeber:innen sollten das als Chance sehen. Die Hoteliervereinigung schrieb schon in ihrem vor zwei Jahren veröffentlichen Leitfaden „E-Ladestationen in der Hotellerie“, dass die Elektromobilität für die Hotellerie „durchaus als Chance gesehen werden kann und mit der man sich zumindest auseinandersetzen sollte“. Heute stellt sich die Frage gar nicht mehr: Jeder Betrieb, der mit eigenem Fahrzeug anreisende Gäste begrüßt und sich mit demThema Elektromobilität noch nicht beschäftigt hat, hat mit einem steigenden Lösungsdruck zu kämpfen. Ein Blick auf die Fakten: Im Vorjahr wurden in Österreich rund 150.000 Benzin- und Diesel-Pkw verkauft und bereits 33.400 Elektrofahrzeuge und 56.600 Hybride (solche mit Wasserstoff-Brennzelle schaffen es nur knapp in den zweistelligen Bereich). Das waren um ein Viertel mehr Elektro-Pkw als im Jahr davor. Die EU ist zudem drauf und dran, den Pkw-Verbrennungsmotor zu beerdigen, ab 2035 sollen keine neuen Benziner und Diesel mehr verkauft werden. Die Union hinkt mit ihrem Beschluss sogar zahlreichen Autoherstellern hinterher, die bis Ende des Jahrzehnts den Ausstieg planen. Imweltweit größten Motorenwerk der BMWGroup in Steyr entstehen in Österreich auch entscheidende Konzepte im Bereich Elektromobilität. Hotels als Vorreiter. Best Western etwa wirbt damit, dass rund 70 Prozent aller Hotels der Gruppe in der Region Central Europe, das sind mehr als 180 Hotels, eine E-Ladestation im Umkreis von maximal fünf Kilometern vorweisen können. „Viele unserer Hotels haben den Trend E-Mobilität früh erkannt, bieten den Gästen dieses Extra an Service und verschaffen sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten ohne Ladestationen“, hält Marcus Smola, Geschäftsführer BWH Hotel Group Central Europe, fest. Hotels sind nicht die einzigen Tourismusunternehmen, die die Zeichen der Zeit längst erkannt haben. Am Flughafen Graz sind bereits über 25 Prozent der Fahrzeuge auf E-Mobility umgestellt. In Wien-Schwechat ist der „Green Airport“ in die Nähe gerückt, schon kommendes Jahr ist der gänzlich CO2-neutrale Betrieb geplant. Rund 400 elektrisch betriebene Fahrzeuge rollen bereits über das Vorfeld, vom Pkw über Gepäckfahrzeuge, Hebebühnen und Cateringfahrzeuge bis hin zum neuen Flugzeugschlepper. Und zu den Vorzeigeregionen im Bereich sanfter Mobilität – die in Österreich immer mehr werden – zählt Werfenweng im SalzburgerLand, das seit rund 20 Jahren auf autofreie Urlaubsangebote setzt. Dass nachhaltige Mobilitätslösungen im Individualverkehr auch für viele positive Emotionen sorgen können, beweisen die Feiern zum 40-jährigen Jubiläums des „Hotels Gut Brandlhof “ mit einer MotorZeitReise mit Showfahrten von außergewöhnlichen Fahrzeugikonen. Darunter der von Leopold Prinz von Bayern gesteuerte mit Biosprit betriebene BMW 3,0 CSL von 1973. „Schöne, alte Autos kann man auch ohne aufwendigen Umbau nachhaltiger betreiben: Durch das Tanken mit E-Fuel“, ist der Prinz überzeugt. Der Oldtimer ist zwar nicht CO2-neutral unterwegs, in puncto E-Mobilität ist der Brandlhof jedoch grundsätzlich weit voraus: Knapp 30 E-Autos können im Saalfeldener Tophotel gleichzeitig aufgeladen werden. „Als wir im Juli 2021 27 E-Ladestationen in Betrieb genommen haben, haben wir uns schon kurz gedacht, ob wir da zu schnell unterwegs waren. Es war aber genau die richtige Entscheidung und wird von unseren Gästen aktiv nachgefragt“, erklärt Hoteleigentümer und frühere Auto-Rennfahrer Alexander Strobl. ts © www.vogl-perspektivew.at Nachhaltige Fortbewegung war schon vor 50 Jahren ein Thema. Die Hoteliers Alexander Strobl (l.) und Birgit Maier mit Ex-Rennfahrer Manuel Reuter und Leopold Prinz von Bayern (M.) und dem BMW 3.5 CSL

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