hotel&touristik essenz 04/2022

30 Wir müssen reden eine Erfolgsgeschichte. Man hat auch viel in die letzte Meile investiert. Das ConvenienceDenken für den Gast ist uns sehr wichtig, dass alles ganz einfach gebucht werden kann. Wo ich hinarbeiten möchte, ist eine Tirol Card, die auch bundeslandweit als Öffi-Karte dient – der Gast kennt keine Tourismusverbandsgrenzen. Wir wissen, im Sommer fahren die Gäste an einemTag teilweise 50 Kilometer und mehr für Ausflüge. So eine gemeinsame Gästekarte wäre ein gutes Signal, das Auto einmal stehen zu lassen. Muss uns Nachhaltigkeit mehr wert sein? Es ist ja auch von einer Nachhaltigkeitsabgabe die Rede. Die angekündigte Nachhaltigkeitsabgabe begrüße ich und der Gast versteht es und ist bereit, sie zu zahlen, wenn er etwas davon hat. Da bin ich wieder bei der Tirol Card: Wenn der ganze öffentliche Verkehr inkludiert ist und das für nur zum Beispiel ein Euro pro Nacht, dann versteht das der Gast. Ich bin überzeugt, dass dies auch jene verstehen, die weiterhin mit dem Auto fahren. Ist die Nachhaltigkeitsabgabe schon fixiert? Es gab erstmal die Ankündigung einer Idee. Diese ist gekoppelt mit den Aktivitäten der Tourismusverbände, die Nachhaltigkeitsmanager einstellen werden. Das ist imGesetz bereits verankert. Bis nächstes Jahr werden konkrete Konzepte und Maßnahmen erarbeitet, mit welchen Aktivitäten in den Regionen das Thema Nachhaltigkeit verfolgt wird. Die Nachhaltigkeitsabgabe könnte dann für die Umsetzung dieser Aktivitäten eingesetzt werden. Zu Ihren Aufgaben gehört nicht nur die Gestaltung und strategische Steuerung, sondern auch die Diplomatie. Wie wollen Sie die unterschiedlichen Interessen – am Arlberg gibt es andere Wünsche und Herausforderungen als in Osttirol oder in Innsbruck – und die verschiedenen Player unter einen Hut bringen? Im Sinne der Fairness sind klare Kriterien wichtig. Bei Innsbruck Tourismus hatten wir zwei Millionen Euro nur für Kultur- und Sportveranstaltungen. Da braucht es ganz klare Kriterien und fundierte Richtlinien. Ich mag gute Argumente und Transparenz und bin gar kein Freund des Bauchgefühls, das ist nicht mehr zeitgemäß. Man muss auch die Vielfalt hervorheben, darf nicht alle über einen Kamm scheren. Denn unterschiedliche Regionen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Jeder bekommt von uns die gleichen Möglichkeiten des Mitarbeitens für zum Beispiel Kampagnen oder Marketingauftritte. Wenn das wer nicht möchte, ist das auch okay. Aber die Voraussetzungen müssen für alle gleich sein. Weil Sie die Diplomatie angesprochen habe: Das verbindet man nicht so sehr mit mir, ich bin schon eher sehr direkt (lacht). Das ist ja gut, wenn man gleich weiß, worum es geht … Genau. Aber manchmal sagt man mir, dass wäre jetzt ein bisschen diplomatischer gegangen … (lacht). Ich denke, dass ist ein Mitgrund, warumman mich für den Job ausgewählt hat, weil ich die Dinge beim Namen nenne und mir nicht vorher zehnmal überlege, ob etwas falsch ankommen könnte. Sie sind die erste Frau an der Spitze einer Landestourismusorganisation. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Förderung von Frauenkarrieren? Sehen Sie sich als Vorbild? Ich war auch in Innsbruck die erste Geschäftsführerin, interessanterweise war das schon öfters in meiner Karriere so. Mit 26 habe ich in Wien als erste und jüngste Marketingleiterin bei Henkel angefangen. Ich habe das für mich eigentlich nie zu so einem großenThema gemacht. Erst als jetzt die Rückmeldungen kamen, auch von Männern, dass sie das ganz toll finden, ist mir bewusst geworden, das ist doch noch einThema. Ich bin dann gerne ein Vorbild, wenn es junge Frauen motiviert. Trotzdem sollen Leistung, Erfolg und das Agieren auf Augenhöhe zählen, dann spielt das Geschlecht keine Rolle. Was hat der Tourismus als Arbeitsplatz der Industrie bzw. Kosmetikbranche – Sie waren bei Henkel ja für Schwarzkopf verantwortlich – voraus? Mein Glück ist, dass ich immer positiv besetzte Produkte vermarkten durfte – Schönheit und Tourismus. Branchen, wo die Produkte mit guten Gefühlen aufgeladen sind. Der Unterschied ist für mich, dass in einem Konzern jeder weiß, warum er dort arbeitet und das Ziel der Arbeit ist für alle klar. Im Tourismus gibt sehr viele Player, von den großen Hoteliers über die Bergbahnen bis zum Tourismusverband, und keiner hat das Durchgriffsrecht. Das heißt, man ist immer am Vermitteln und Überzeugen. Viele Player verfolgen wiederum ihre eigenen Ziele. Alle gemeinsam auf größere Ziele und Visionen hinzutrimmen ist die Herausforderung. Wie das erfolgreich geht, sieht man am Beispiel Serfaus-Fiss-Ladis. Danke für das Gespräch.  Kurz gefragt Karin Seiler Was ist für Sie persönlich Erfolg? Wenn etwas gelingt, wo alle Beteiligten sagen können, jeder profitiert gleichermaßen aufgrund gemeinsamer Leistungen. Wie schaut TirolsTourismus 2030 aus – ein Idealbild? Ein harmonisches Miteinander auf Augenhöhe von Tirolern und Gästen. Haben Sie heuer Zeit für einen Sommerurlaub? Im Sommer nicht, jetzt steige ich erst einmal tief ins Unternehmen ein, um alles kennenzulernen. Im September plane ich zwei Wochen Urlaub, eine Woche im Lande und eine Woche in der Toskana.

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