hotel&touristik essenz 04/2022

37 kommentar MehrNachhaltigkeit statt Nächtigungen Land auf, Land ab besteht unter Touristiker:innen, Unternehmer:innen und Politiker:innen weitgehend Einigkeit darüber, dass wir im Tourismus „endlich mehr Nachhaltigkeit“ benötigen. Worüber allerdings zu wenig Einigkeit besteht, ist die konkrete Zielsetzung. Was wollen wir erreichen und wie gestalten wir gemeinsam den Weg dorthin? Ein Vorschlag ist die teilweise Verabschiedung von traditionellen Kennzahlen wie Ankünfte, Nächtigungen, Umsätze etc. Denn von dieser „Erfolgsmessung“ werden wir uns bereits kurz- bis mittelfristig ohnedies verabschieden müssen. Es muss gelingen Nachhaltigkeit als Erfolgsgröße zu definieren und gleichzeitiges als individuelles, regional durchaus unterschiedliches Alleinstellungsmerkmal in der touristischen Angebotsentwicklung zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, diese neue Leitlinie als einen Mix aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten. Als Transformationstreiber imTourismus darf sie in Zukunft nicht weiter als eigenständiger, sondern integrierender Aufgabenbereich gesehen werden. Besonders für das Destinationsmanagement gilt dabei besonders, Nachhaltigkeit in all ihren Facetten als innovativen Faktor künftiger Wertschöpfung anzusehen und auf allen Ebenen der Angebotsentwicklung in das Urlaubserlebnis, also in betriebliche, überbetriebliche und regionale Betrachtungen einzubinden. Gerade in Bezug auf die Vermarktung regionaler Tourismusstrategien kann diese Sichtweise zum entscheidendenWettbewerbsvorteil, in der einen oder anderen Präzisierung sogar zu einemUSP, amnationalen und internationalen Gästemarkt werden. Digital und nachhaltig zu sein ist heute weder Neuland noch Nice-tohave! Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt uns, dass einige Regionen beispielsweise in Slowenien oder Südtirol es bereits seit mehreren Jahren erfolgreich geschafft haben, Nachhaltigkeit als fixen Bestandteil in das Urlaubserlebnis zu integrieren und den Gästen in den unterschiedlichsten Angebotsbereichen authentisch zu vermitteln. Ökologie- und Umweltbewusstseinmüssen zukünftig also als End-to-end-Prozess zur Erfüllung der Gästebedürfnisse gedacht und als integrierender Bestandteil der Unternehmensstrategie auf operativer Unternehmensebene gelebt werden. Nicht als Marketing-Gag sondern als für die Gäste echt erlebbare Ausrichtung der Gastgeber:innen. Der Umstieg auf nachhaltige Energieträger ist zum Beispiel ein wesentlicher Ansatzpunkt, ummit Förderinstrumenten den Umstieg auf eine moderne Energieversorgung zu erleichtern. Dass Förderung als tourismuspolitisches Steuerungstool funktioniert, haben wir in der Vergangenheit bereits öfters bewiesen. Warum also nicht auch in diesemZusammenhang? Grundsätzlich beobachten wir imBereich der Investitionsfinanzierung aktuell einen deutlichen Anstieg an „grünen Investments“ imTourismus. Aufgrund der imVergleich zu anderen Branchen zumTeil deutlich kürzeren Investitionszyklen, speziell in der Hotellerie, können nachhaltige Investitionen wohl auch weiterhin immer nur einen gewissen Anteil der Gesamtprojektkosten einnehmen. Bei ÖHT Finanzierungen beträgt der Anteil grüner Investitionskosten derzeit rund 10 bis 15 Prozent der Gesamtprojektkosten. Das Ziel der Tourismuswirtschaft sollte es sein, diesen grünen Investitionsanteil sukzessive auszubauen und vielleicht dadurch bald zum „Nachhaltigkeits-Weltmeister“ aufzusteigen. Denn Overtourismus und Nächtigungsrekorde sindmit ziemlicher Sicherheit kein nachhaltiger Erfolgsweg!  Auf den Punkt gebracht von Matzer & Zellmann Matthias Matzer ist Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank ÖHT, Florian Zellmann ist Prokurist und leitet die Sonderförderungen und das EFRE-Programm. Sie sind damit wichtigste Ansprechpartner, wenn es um Förderungen und Investitionen in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft geht. © ÖHT

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