hotel&touristik essenz 04/2022

47 Reisetrends Mit Wizz Air geht es mit der Nachmittagsmaschine in rund 95 Minuten von Wien direkt in die Hauptstadt Tirana. Die erste Station unserer Reise ist das bei Touristen sehr beliebte Durres. Es dämmert bereits, und die Straßen strahlen vor allem durch die mäßig vorhandene Beleuchtung dieses ganz eigene Flair des Ostens aus. Man spürt sofort, dass dieses Land nicht nur einen erholsamen Urlaub bieten kann, sondern noch die Definition des „wahren“ Reisens erfüllt. Ein Roadtrip, auf dem es sich lohnen wird, in Hinterhöfe zu blicken, mit Einheimischen über die Vergangenheit und die Zukunft zu sinnieren und bei jeder Gelegenheit zu verkosten – sei es eine kleine Jause beim Straßenimbiss oder einen Bio-Wein aus einem an die Toskana anmutenden Weingut. Die Küstenstraße durch Durres ist ein starker Kontrast zu allem, was wir auf der Fahrt von Tirana bisher bestaunen durften. Die Stadt erinnert ein wenig an Lignano oder Jesolo mit Einflüssen aus der Türkei und den USA. Das mag auf den ersten Blick eigenartig wirken, ergibt aber Sinn, da die Türkei starker Wirtschaftspartner und die Amerikaner NATO-Verbündete mit bewegter Vergangenheit sind. Vor allem eine Vielzahl an US-Soldat:innen war während des Kosovokriegs vor Ort stationiert. Auch heute noch pilgern viele US-Amerikaner:innen in das Land, um zu zeigen wo sich die sagenumwobene Geschichte rund umGeorge W. Bushs Armbanduhr zugetragen hat: Bei einem Staatsbesuch soll demdamaligen US Präsidenten die Uhr bei einemHandshake mit einem Schaulustigen gekonnt „abhanden“ gekommen sein. Nur ein Ammenmärchen, versichert man uns, und dennoch findet man immer wieder versteckte und offensichtliche Hinweise auf den legendären Besuch. Durres ist das Touristenmekka schlechthin. Das verdeutlicht sich an der Anzahl der Strandliegen und Hotels eindrucksvoll. Ein besonderer Hoteltipp ist das „Adriatik Hotel“, dessen Geschichte bis tief in den Kommunismus zurückreicht. An vergangene Zeiten erinnert noch eineWall of Fame, gespickt mit Staatsoberhäuptern, Diplomaten und Promis, die damals imFünf-Sterne-Haus residierten. Hier spürt man noch die Geschichte, obwohl man es geschafft hat, das Hotel zumodernisieren, ohne den Charme dieser Zeit zu verlieren. Vor allemder Wellness- und Spa-Bereich kannmit westlichen Top-Häusernmithalten. ZumAbendessen werden frisch gefangene Fische sowie Spezialitäten des Landes serviert. Durch die Nähe zu Italien schmeckt man neben den gewohnten Balkannoten auch den Tricolore-Einfluss. Das historische Stadtzentrum von Durres verdeutlicht sinnbildlich die Vielfalt, mit der Albanien aufzeigt. Neben einem zum Großteil ausgegrabenen Amphitheater, welches übrigens zu den ältesten der Welt zählt und bei Gladiatorenkämpfen bis zu 20.000 Zuschauer:innen anlockte, findet man hier unzählige nette Kaffeehäuser, einen wortwörtlichen Boulevard, bei dem man eher glauben würde, mitten in BeAlbanien Ein wahrer Geheimtipp Von Matthias Stelzmüller Der Begriff des Geheimtipps wird heutzutage sehr inflationär verwendet, doch Albanien hat sich diesen Titel voll und ganz verdient. Die Perle des Balkans ist reich an Geschichte, Kulinarik, Kultur, Natur – und was hier wahrlich zelebriert wird, ist die Gastfreundschaft.

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