hotel&touristik essenz 04/2022

editorial © Sabine Klimpt Stärken stärken ImHochsommer herrscht das große Zittern. Überall dort, wo die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen, weil es trotz der wahnsinnigen Strompreise in den aufgeheizten Innenräumen sonst nicht mehr auszuhalten ist, aber vor allem an den Flughäfen. Die Airlines mussten in Europa Tausende Flüge streichen, weil die Manpower fehlt. Es ist nur ein Sinnbild von vielen für die Probleme amArbeitsmarkt: Der Tourismus ist wieder in Bewegung, einer der großen Bremser bleibt die Frage des Personals. Das bestätigte unlängst eine Befragung von KSV1870 unter 1.300 Unternehmen aller Branchen. 27 Prozent der Betriebe in Österreich planen, ihren Personalstand bis Jahresende zu erhöhen. Ganz besonders ist dies in Vorarlberg (41 Prozent), Wien (33 Prozent) und Kärnten (30 Prozent) der Fall. Spitzenreiter beim Bedürfnis nach mehr menschlicher Nähe ist das Gastgewerbe, wo 43 Prozent der Betriebe Personal aufstocken wollen, besser müssen. Interessant: Durchgehend sind die Betriebe der Überzeugung, mit einem guten Betriebsklima und einer guten Work-Life-Balance am Arbeitsmarkt mehr Anklang zu finden als mit dem Faktor Gehalt. Unterstützung erwartet man sich von der Bundesregierung, lieber heute als morgen. „Die zentralen Forderungen sind die praxisnahe Modernisierung des Schul- bzw. Bildungssystems und die Implementierung einer groß angelegten Ausbildungsoffensive direkt in den Betrieben – mehr Ausbildungslätze vor Ort, finanzielle Unterstützung von Ausbildungsbetrieben und die Entstigmatisierung des Lehrberufes“, heißt es beimKSV1870. Es stünde bei den Betrieben nicht mehr Steuererleichterungen und der Bürokratieabbau an erster Stelle, sondern die Menschen und ihre Bildung. Und das ist wohl die einzige Chance, die Europa noch hat, um im internationalen Vergleich wirtschaftlich langfristig nicht vollends den Anschluss zu verlieren gegenüber Boomregionen imNahen Osten und Asien, aber auch den USA. Bitte erkennen wir endlich: Die klugen Köpfe mit Kreativität imBlut sind unser größtes Potenzial. Die Talenteförderung muss in Schulen und Ausbildungsstätten imMittelpunkt stehen – im aktuellen System ist es die Konzentration auf die Schwächen. Das Angebot in den Schulenmuss flexibler, die Lehrenden und Auszubildendenmehr in die Verantwortung genommen werden. Ja, wir leben in einer globalen Leistungsgesellschaft, Leistung darf man auch in der Ausbildung einfordern. Und nicht jeder ist immer dort richtig aufgehoben, woman vielleicht persönlich glaubt. Das zu erkennen und klar auszusprechen, darf nicht stigmatisieren, sondern soll neue Wege öffnen. In dieser Ausgabe präsentieren wir wieder viele Persönlichkeiten, die das Out-of-theBox-Denken perfektioniert haben. Susanne Kraus-Winkler, Wolfgang Puck, Haya Molcho, Karin Seiler, Paul Kolarik – umnur ein paar Beispiele zu nennen – setzen Standards, statt Durchschnitt zu sein. Ich wünsche Ihnen eine über demDurchschnitt fantastische Urlaubszeit ohne Zittern, mit einer Anreise ohne Wartezeit und Stau. Chefredakteur t.schweighofer@manstein.at, stammgast.online

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