hotel&touristik essenz 04/2022

7 GEHspräche Am Ballhausplatz, so etwas wie die Downing Street Österreichs, residiert der Bundeskanzler. Wenige Meter weiter in der Hofburg hofiert der Bundespräsident. Nationalrat und Bundesrat haben sich während des Umbaus des Parlamentsgebäudes in und rund um die Hofburg angesiedelt. Unser GEHspräch hat seinen Auftakt also mitten im Zentrum der politischen Macht Österreichs. Susanne Kraus-Winkler war als Unternehmerin und Interessenvertreterin mit den Entscheidungsträger:innen immer eng in Kontakt, nun ist sie als Tourismusstaatssekretärin selbst Teil des Räderwerks, das Österreich in Bewegung hält. Karriere und Privates in Balance. Viel Zeit, darüber intensiv nachzudenken, Vor- und Nachteile abzuwägen, Freunde und Familie einzubinden und sich ihrer Unterstützung zu versichern, wie man das normalerweise tut, wenn man einen neuen Job annimmt, hatte Susanne Kraus-Winkler nicht, als sie gefragt wurde, ob sie es sich vorstellen könnte, die Aufgabe imWirtschaftsministerium zu übernehmen. Eine kurze Abstimmung mit ihrem Ehemann Michael Kraus war möglich, dann folgte sie ihrem Bauchgefühl und der Bitte von Bundeskanzler Karl Nehammer, wissend, dass der Tourismus jetzt einen Profi braucht, der die Bedürfnisse priorisieren kann, weiß, was schnell umgesetzt werden muss, welche Themen viel Diplomatie und Verbündete brauchen und wo man rasch ein sichtbares Zeichen setzen kann. „Es hätte wahrscheinlich niemand aus der Branche verstanden, wenn ich abgelehnt hätte“, sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder und einer angeheirateten Tochter sowie mehrfache Großmutter, der die Familie immer sehr wichtig war und es auch bleiben wird. „Das habe ich mir vorgenommen: Ich werde für Familie und Freunde Zeit haben. Man kann mit 67 nicht zwei Jahre abtauchen, dann steht man danach allein da.“ Die Beziehung zu ihrem Ehemann soll nicht unter ihrer neuen Aufgabe leiden, weshalb sie so viel Zeit wie nur möglich auch weiterhin mit ihrer Familie verbringt. Aus der Branche kamen viele Glückwünsche und die Zuversicht, dass eine Praktikerin an den richtigen Hebeln ziehen wird. Sie stehe nun „auf der anderen Seite“, wie manch ein:e Kolleg:in meinte, denn die Politik verlangt eine andere Herangehensweise als die Interessenvertretung – Kraus-Winkler leitete zuletzt den Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer. Jetzt braucht es einen noch breiteren Blick auf die Branche, den Ausgleich verschiedener Interessen, Diplomatie und das persönliche Einstehen für weitreichende Entscheidungen. Die Spanne für Fehler ist kleiner. ImUnterschied zu einer Ministerin ist eine Staatssekretärin demMinister weisungsgebunden, gleichzeitig gibt es gegenüber den Beamten des jeweiligen Ministeriums keine Weisungsbefugnis. Verantwortung übernehmen Tourismus gestalten Von Dagmar Lang &Thomas Schweighofer Mit Susanne Kraus-Winkler ist erstmals eine Persönlichkeit aus der Branche politisch verantwortlich für Österreichs Tourismus. Sie geht die Aufgabe wie immer mit enorm viel Ehrgeiz und Realitätssinn an und will nachhaltig etwas zum Besseren verändern. Wir haben mit Österreichs neuer Tourismusstaatssekretärin gesprochen.

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