Nachhaltigkeitsmagazin 2022

Sonnentor selbst veröffentlichte gleich im ersten Nachhaltigkeitshype, der sich aufgrund der Lehman-Brothers-Pleite im Jahr 2008 aufbaute, seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht. Doch angesichts der Rankings für die besten Nachhaltigkeitsberichte wurde Gutmann schnell klar, dass das Wort fürs Marketing instrumentalisiert wird. „Ich habe das immer als Chance gesehen. Die Menschen lassen sich nicht gern für dumm verkaufen und erkennen schnell, wenn man ihnen etwas vorspielt.“ Aus diesem Grund setzt sich Sonnentor für messbare Nachhaltigkeit ein, versichert der Gründer. Dabei verweist er auf die Gemeinwohlökonomie, zu der sich das Unternehmen seit dem Jahr 2011 zählt. Zur Erklärung: Der österreichische Autor Christian Felber hat 2010 dieses alternative Wirtschaftssystem entwickelt. Es beruht auf gemeinwohlfördernden Werten wie Kooperation und Solidarität statt auf Konkurrenz und Gewinnmaximierung. Gutmann präzisiert: „Die damit verbundene Bilanz legt die tatsächlichen Leistungen offen und macht diese messbar und vergleichbar.“ Es gehe schließlich nicht darum, zu zeigen, was schon sensationell funktioniert. Die Bilanz solle vielmehr einen Einblick liefern, um Chancen für Verbesserungen aufzugreifen. Laut Gutmann kommt diese Transparenz sehr gut an: „Der Gemeinwohlbericht ist die Drucksorte, die bei uns am meisten nachgefragt wird.“ Coverstory wir-leben-nachhaltig.at Öko-Schnuller? Nachhaltiges Handy? aus dem täglichen Tipps & Tricks Leben 1.000 © drubig-photo & Baba & Kristin Gründle - alle Stock.adobe.com Eine Initiative der eNu.at Regelfall ein existenzieller Schock.“ Eine solch tiefgreifende Veränderung erlebe beispielsweise die OMV. Der Wandel wird von der aktuellen Gas-Krise noch beschleunigt. „Das Unternehmen selbst hat sich nun selbst zum Ziel gesetzt, aus dem Öl- und Gasgeschäft auszusteigen und will im Chemiebereich wachsen. Die OMV muss ihr Kerngeschäft also völlig umkrempeln“, schildert Martinuzzi und betont: „Wenn ein Unternehmen mit solch tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert ist, dann wird Nachhaltigkeit Teil der Geschäftsstrategie und zur Chefsache“. In allen Bereichen, die von solch tiefgreifenden Schocks bisher verschont geblieben sind, würde indes die Gefahr bestehen, dass Nachhaltigkeit ein netter Nebenschauplatz bleibt. Mehr Schein als Sein Viele der 17 SDGs sind seit der Gründung Teil der DNA von Sonnentor, wie Johannes Gutmann betont. Der Gründer und Geschäftsführer des Herstellers und Vermarkters von Bio-Kräutern, -Tees und -Gewürzen aus Niederösterreich ortet angelehnt an den Begriff „Greenwashing“ aber bereits ein „SDG-Washing“. Gutmann konkretisiert: „Die meisten Unternehmen kratzen nur an der Oberfläche. Viele versuchen zu zeigen, wie viele SDGs sie bereits erfüllen – am Ende bleibt dann aber mehr Schein als Sein.“

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