Nachhaltigkeitsmagazin 2022

Ziel von Sonnentor sei es, Kreisläufe zu schließen und im Einklang mit Mensch und Umwelt zu arbeiten. „Das zahlt sich auch wirtschaftlich aus und deshalb gibt es die Produkte mit der lachenden Sonne schon in über 50 Ländern“, versichert der Unternehmer und ergänzt lächelnd: „Am Ende des Tages schreiben wir keine schwarzen Zahlen, sondern sogar grüne.“ Konsument:innen kaufen bewusster Österreichs Verbraucher:innen nehmen Nachhaltigkeit trotz der vielen Krisen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart bisher sehr ernst, wie Christina Tönniges, Nachhaltigkeitsexpertin bei der GfK Austria, bestätig: „Die junge Generation fordert von der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft ein, nachhaltiger zu agieren.“ Am eigenen Einkaufsverhalten spiegle sich diese Forderung aber – noch – nicht so stark wider. Tönniges führt dies auf das geringere Einkommen jüngerer Konsument:innenen zurück. Bei den Älteren verhalte es sich genau umgekehrt. „Sie sind bereit, mehr für nachhaltigere Produkte auszugeben; äußern das aber nicht besonders stark, sondern machen es einfach“, ergänzt die GfK-Expertin. Ob dies angesichts der wirtschaftlichen Talfahrt in naher Zukunft so bleiben wird, ist fraglich. Eine im April 2022 in 15 Ländern durchgeführte Studie der GfK zeigt, dass die Menschen jetzt stärker auf ihr Budget achten. Sie greifen öfter zu vergünstigten Produkten. Tönniges selbst vermutet, dass sich das Wachstum bei den Bio-Lebensmittel verlangsamen oder sogar zum Stillstand kommen könnte. „Es würde mich aber wundern, wenn der Bio-Anteil nun signifikant sinkt. Dafür sind die Konsument:innen heute zu aufgeklärt“, betont sie und ergänzt: „Ob und wie sich das Einkaufsverhalten ändern wird, hängt sehr davon ab, wie lange uns das Inflationsthema begleiten wird.“ Dessen ungeachtet gebe es laut Tönniges aber immer einen Teil der Bevölkerung, dem Nachhaltigkeit bei der Kaufentscheidung einerlei sei. „Diese Gruppe achtet ausschließlich auf den Preis und die Qualität.“ Diese Käuferschicht, zu der sie in Österreich jede:n fünfte:n Konsument:in zählt, werde es auch in Zukunft geben. Wenig Lust auf Verzicht Tischler vom Verein Südwind ist überzeugt, dass die wenigsten Österreicher:innen mit ihrem Konsum wissentlich Ausbeutung von Natur und Mensch weiter vorantreiben wollen. „Oft fehlt es jedoch am Problembewusstsein oder an Informationen über Möglichkeiten, nachhaltiger zu handeln“, gibt sie zu bedenken. Dem Begriff Nachhaltigkeit haftet auch noch immer der Nimbus „Verzicht“ an. Eigentlich zu Unrecht: „Wenn wir das Wohnen, unser Essen und unsere sozialen Beziehungen nachhaltiger gestalten, könnte das ja ein Leben ergeben, das deutlich attraktiver ist als das aktuelle“, gibt Martinuzzi zu bedenken. Der WU-Professor schlägt deshalb ein Disneyland oder Metaverse vor, in dem Nachhaltigkeit mit allen Sinnen erlebbar und so als Genussprogramm vermittelt wird. Derzeit würden wir in einem „Zeug-Wohlstand“ leben. „Ich glaube, ein Zeit-Wohlstand würde uns allen besser gefallen – einen Mindestlebensstandard vorausgesetzt“, glaubt Martinuzzi. Denn ab einem gewissen Wohlstandsniveau würde das Glück auch nicht mehr zunehmen. Zusätzliche Ressourcen einzusetzen, erzeugt dann keinerlei Mehrwert. Nun sind aber genau jene Konzepte gefragt, die den wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischen und sozialen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft verbinden. Der Green Marketing Award, ein Gemeinschaftsprojekt von ÖBB-Werbung, GroupM und HORIZONT, holt genau solche Konzepte vor den Vorhang. Schon bevor die Sieger von Österreichs erstem Award für nachhaltiges Marketing bekannt waren, stand fest: Viele Betriebe und Organisationen basteln fieberhaft an nachhaltigen Lösungen und haben bereits einiges vorzuweisen. Darauf lässt zumindest die überraschend hohe Zahl an Einreichungen schließen. WU Wien, GfK Austria, Sonnentor 14 Nachhaltig 2022 „Die Öffentlichkeit nimmt Nachhaltigkeit als Verzichts- und nicht als Genussprogramm wahr.“ André Martinuzzi, Wirtschaftsuniversität Wien „Bei Konsument:innen hat Nachhaltigkeit unabhängig von den Krisen der letzten Jahrzehnte nie an Relevanz eingebüSSt.“ Christina Tönniges, GfK Austria „Die Energiekrise, die Klimakrise, alle Krisen sind Chancen zur Veränderung und damit zur Verbesserung von unnachhaltigem Tun.“ Johannes Gutmann, Sonnentor

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