Nachhaltigkeitsmagazin 2022

dungen zu treffen. Und ich will mich nicht vor meiner Verantwortung wegducken. Mir war klar, das wird auch zu Kritik führen. Aber es gibt auch sehr viel Unterstützung dafür. Ich suche immer das Gespräch, damit wir gemeinsam zu den besten Lösungen kommen. Aber die Klimakrise ist ein Faktum, unser Handlungsbedarf ist ein Faktum – darüber kann man wirklich nicht mehr diskutieren. Das Klimaziel kann letztlich ja nur durch eine Bündelung der Interessen und Kräfte erreicht werden. In der Tagespolitik scheint das noch nicht angekommen. Droht die Umsetzung der Ziele nicht im Klein-Klein der nationalen, regionalen und anderer Teilinteressen zu scheitern? Wir spüren alle die Auswirkungen immer deutlicher. Extreme Unwetter, Trockenheit und Hagelstürme. Das ist auch bei uns schon angekommen. Und fast allen ist bewusst: Da geht es um die Lebensgrundlage unserer Kinder. Das gibt mir Mut, das gibt allen Menschen Mut, die an der Umsetzung der Ziele arbeiten. Das wird sicher kein Spaziergang und es braucht eine große Anstrengung. Aber wir werden das schaffen. Rückenwind kommt hier erfreulicherweise von der europäischen Ebene: von Fit for 55 bis zu Repower EU legt die Kommission Pakete vor, die unseren Weg unterstützen. Welche Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm sind realistischerweise in den verbleibenden zwei Jahren Legislaturperiode noch umsetzbar? Welche sind hier Ihre Must-haves? Einiges ist uns ja schon gelungen: Plastikpfand, KlimaTicket oder auch das ErneuerbarenAusbau-Gesetz. Aber ich hab vorher schon gesagt: Es gibt noch genug zu tun. Aktuell hat sicher die Energieversorgung Priorität. Wir müssen beim Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen besser werden. Und auch beim Energiesparen brauchen wir noch bessere Gesetze. Um nur ein paar Punkte zu nennen. Der Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft betrifft laut UN-Zielen auch Themen wie Bildung, Gleichstellungsfragen und Armutsbekämpfung. Klaffen hier hochgestecktes Ideal und politische Wirklichkeit nicht zu sehr auseinander? Nachhaltigkeit – und gerade die SDGs – umfasst eben alle Bereiche. Wenn wir das mit dem guten Leben auf diesem Planeten ernst nehmen, geht es dabei auch um Armutsbekämpfung, Bildung und Gleichstellung. Das es in all diesen Bereichen viel zu tun gibt, will ich gar nicht bestreiten. Aber wenn man beim Anblick von großen Herausforderungen erst einmal überlegt, was alles nicht geht, kommt man nie voran. Das ist nicht mein Zugang. Viele Unternehmen haben sich mittlerweile das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Wie verhindert man dabei „Greenwashing“? Sind hier Maßnahmen geplant? Das ist natürlich ein wichtiger Bereich. Hier arbeitet das Ministerium auf unterschiedlichen Ebenen. Wir haben selbst Gütezeichen und Zertifizierungen, die sicherstellen, dass auch „Grün“ drinnen ist, wenn „Grün“ draufsteht. Auch auf europäischer Ebene gibt es hier viele Bestrebungen – da bringen wir uns aktiv ein. Stichwort „Grüne Taxonomie“. Und sagen auch ganz deutlich, wenn es zu „Greenwashing“ kommt. Atomkraft und fossiles Gas mit grünemMascherl? Das geht für mich gar nicht. Der „Green Marketing Award“ von ÖBB, GroupM und HORIZONT versucht hier ja erste neue Standards zu setzen. Ein sinnvoller Zugang, der auch Ihre Unterstützung hat? Es gibt viele unterschiedliche Initiativen – und ich bin über jede einzelne froh. Wir sehen ja: Klimaschutz betrifft ganz viele Bereiche. Der Green Marketing Award ist sicher ein guter Baustein. Weil er sicherstellt, dass er Marketing von Unternehmen belohnt, die sich dem Thema mit Substanz widmen. Welche Beiträge leisten Sie persönlich zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz? Ich versuche natürlich auch selbst mich klimafreundlich zu verhalten. Ich bin viel mit dem Zug, den Öffis oder mit dem Rad unterwegs. Kaufe möglichst reduziert, nachhaltig und bio. Aber auch ich esse manchmal Fleisch. Es geht hier nicht um individuelle Perfektion, sondern um gute Politik. Ganz im Gegenteil: Ich bin überzeugt, es ist die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass klimafreundliches Verhalten überall einfach und gut möglich ist. Dann kann sich auch jede:r Einzelne leichter dafür entscheiden. BMK/Cajetan Perwein Nachhaltig 2022 17 politik „Wir sind noch nicht dort, wo wir sein sollten.“ leonore gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

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