Nachhaltigkeitsmagazin 2022

ung Kreislauf Ivan Tsyrkunovich/stock.adobe.com Nachhaltig 2022 35 Aus einer leeren PET-Flasche kann einiges werden: ein Rucksack, Folien, Futter für Jacken oder eben wieder eine Flasche. Damit sind bereits zwei Szenarien beschrieben: Der „Closed Loop“, bei dem Abfallstoffe für eine ähnliche Verwendung aufbereitet werden – also von Gebinde zu Gebinde – und die „Open Loop“- Variante, bei der das Material einem anderen Zweck zugeführt wird. Beliebtes Beispiel hierfür wäre die Nutzung von PET entsorgter Flaschen für Folien oder bei Kleidungsstücken. Wann welcher davon umgesetzt wird, hängt vom Bedarf für den Werkstoff sowie der Beschaffenheit des Abfalls ab. Bei Nahrungsmitteln müssen die Kunststoffe etwa „lebensmittelecht“ sein, dürfen also keine Verunreinigungen vorweisen. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, so wird das recycelte Material anderen Verwendungen zugeführt. Unabhängig, ob geschlossen oder offen, die Grundlage für die Kreislaufwirtschaft ist die Beschaffenheit der Ausgangsmaterialien: des Abfalls. Oder eigentlich des Produkts, das eines Tages zu Abfall wird. Dessen Design ist nämlich der Schlüsselfaktor schlechthin, wie gut es nach dem „End of Life“ im Materialzyklus erfasst werden kann. Manfred Tacker, Managing Director von Circular Analytics und Studiengangsleiter des Bachelorstudiums Verpackungstechnologie an der FHWien, meint, dass, um den Modebereich besser in die Kreislaufwirtschaft einzubinden, ähnliche Schritte wie im FMCG-Bereich notwendig wären. Bis 2025 ist nämlich geplant, ein Sammel- und Verwertungssystem für Kleidung aufzubauen. Eine Kennzeichnung, wie Kleidung entsorgt werden soll, würde laut dem Fachmann etwa sinnvoll sein. Eine eigene Tonne für Alt-Kleidung wäre ebenfalls denkbar. Unterschiedliche Prozesse Das große Fragezeichen beim Recycling ist allerdings, was in den Händen der Kund:innen mit den begehrten Materialien passiert. Etwa lässt sich ein PET-Gebinde, das ideal recycelbar wäre, mit Fremdstoffen füllen, wodurch es unbrauchbar gemacht wird. Ähnlich sieht es bei der Kleidung aus, die bei der Verwendung den unterschiedlichsten Umweltbedingungen ausgesetzt werden kann. Hier entscheidet sich selbst bei der fachgerechten Entsorgung erst bei der Aussortierung, ob und wie sich die Werkstoffe wieder einsetzen lassen. Einen signifikanten Unterschied macht hierbei, wie das Recycling umgesetzt wird – physikalisch oder chemisch, wobei sich Elemente beider Methoden auch kombinieren lassen. Beiden voraus geht eine Vorsortierung (beim Kunststoff in sechs Kategorien), bei der noch viel Handarbeit gefragt ist, und eine erste Reinigung. Beim physikalischen Prozess, der in einem Großteil der Recycling-Anlagen Verwendung findet, werden die Abfallstoffe zerkleinert und die „Flakes“, wie sie in der Fachsprache heißen, nach Material sortiert. Das kann man durch eine Schwimm-sink-Trennung in einemWasserbad oder seltener durch die Trennung via Infrarot-Erkennung erreichen, wobei bei Letzterem auch die Sortierung nach Farbe möglich ist. Starke Unterschiede bei den jeweiligen Möglichkeiten dieser Anlagen gibt es je nach Bundesland. Erst, wenn diese einheitlichen Möglichkeiten zur Trennung vorhanden sind, wäre eine österreichweite Angleichung der Entsorgungssysteme umsetzbar. Ein Ziel, das in den kommenden Jahren erreicht werden soll. Zur chemischen Wiederaufbereitung: Hier werden die zugeführten Materialien komplett aufgetrennt, wodurch sich ein reineres Ausgangsmaterial erreichen lässt. Der Nachteil: Der chemische Prozess ist nicht nur wesentlich energieaufwendiger und somit eher für teurere Materialien geeignet, er wird aktuell auch nur in Pilotanlagen verwendet. Daher lassen sich die dort erreichten Mengen auch nicht der Recyclingquote zurechnen. Die OMV baut zusammen mit Borealis bis 2026 die erste kommerzielle Anlage dieser Art beimWerk in Schwechat. Das Resultat der Prozesse sind Kunststoff-Teile, die mit Additiven vermengt werden, um Granulat zu erzeugen. Grundlage für die Kreislauf- wirtschaft ist die Beschaffenheit der Ausgangsmaterialien – des Abfalls.

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