Nachhaltigkeitsmagazin 2022

Ja, es ist noch nicht alles dunkelgrün, aber auch nicht mehr alles schwarz, was fliegt und schwimmt. Und dass Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe immer wieder als die bösen Buben aller gefahrenen, geflogenen und geschwommenen Auspuffgase herhalten müssen, ist gewagt, richtiger wird es deswegen nicht. Das zeigt auch eine von Klaus Radermacher mit der Universität St. Gallen durchgeführte Studie. Dem ausgewiesenen Experten am Gebiet der „Vergleiche der Verkehrssysteme“ geht es dabei nicht ums weitere „Anheizen“ dieser Debatte, sondern nur darum, einen ganzheitlichen ökologischen Vergleich von Straße, Schiene, Luft und Schiff transparent zu machen. Also all diese Systeme aus allumfassender CO2-Sicht zu betrachten, um einen fairen Vergleich herzustellen und nicht die Rechnung irgendwo mittendrinnen im Systembetrieb anzustellen. „Aus meiner Sicht wird die Diskussion gutes und schlechtes Verkehrsmittel in einer Form geführt, die nicht dem Sachverhalt und den echten Gegebenheiten entspricht. Denn zur vollständigen Bewertung der Umweltverträglichkeiten eines Verkehrssystems ist die ganzheitliche Betrachtung inklusive aller notwendigen Infrastrukturkomponenten zwingend erforderlich“, betont Radermacher. Demzufolge ist die Fokussierung auf die Antriebsenergie von Verkehrssystemen unzureichend und unzulässig, insbesondere die benötigte Wege-Infrastruktur verursacht bei Bau und Wartung zuweilen CO2-Emissionen, die die aus dem Antrieb resultierenden Emissionen signifikant übersteigen. Wie auch Knotenpunkt-Infrastruktur ein erheblicher CO2-Emittent sein kann, der die Gesamtbilanz eines Systems negativ belastet. Eine logische Rechnung Jedes Verkehrsmittel benötigt Infrastruktur und die hat generell sehr viel mit Stahl, Beton und Zement, Kupfer, Aluminium et cetera zu tun. Die ersten Emissionen am Weg in Zug oder Flug entstehen also irgendwo auf der Welt, wo der benötigte Rohstoff abgebaut wird, richtigerweise beginnt auch hier die Rechnung. Der Schienenverkehr benötigt den Zug, Bahnhöfe, ein Schienennetz – gegebenenfalls mit Infrastruktur für Elektrifizierung, Stellwerke, Signalanlagen, Weichen und Strom oder Diesel, damit sich das Verkehrsmittel auch bewegt. Somit stellt sich das Verkehrsmittel Schiene aufgrund der immensen CO2-Belastungen für Wege- und Knotenpunkt-Infrastruktur als deutlich weniger umweltfreundlich heraus, als gemeinhin angenommen wird. Ursache hierfür sind die enormen Mengen an Stahl, Beton (Zement) sowie Kupfer, die für die Infrastruktur benötigt werden. Die Luftfahrt benötigt Flugzeuge und Flughäfen, jedoch keine Wege-Infrastruktur, sondern nur Luft. Sie braucht die Flugsicherung mit Radar und Funkfeuer und natürlich Shutterstock (2) tourismus Kreuzfahrtunternehmen haben Nachhaltigkeit längst in ihren Strategien festgeschrieben. Die Luftfahrtindustrie sucht klimafreundliche Antriebsformen und neue Flugzeugkonzepte.

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